Nach fast 35 Jahren auf dem TV-Bildschirm kann Thomas Gottschalk als eine Art lebendes Denkmal bezeichnet werden. Ein Blick zurück - und nach vorn.

Mit dem Weggang von Thomas Gottschalk von "Wetten, dass..?" endete für viele Zuschauer eine Ära© Jan Woitas/DPA
Er ist ein notorischer Plauderer, hat einen sehr speziellen Modegeschmack und überzieht fast jede Sendung. Dennoch: Thomas Gottschalk ist seit Jahrzehnten einer der beliebtesten deutschen Fernsehmoderatoren, nach fast 35 Jahren auf dem Bildschirm eine Art lebendes Denkmal. Er war das Gesicht von "Wetten, dass..?", sucht inzwischen für RTL als Juror an der Seite von Dieter Bohlen nach neuen "Supertalenten", könnte Berichten zufolge aber schon bald wieder ins öffentlich-rechtliche Fernsehen zurückkehren.
Nach dem Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch liege für ihn "ein Schatten" auf der Sendung, hatte Gottschalk im Februar vergangenen Jahres während der Samstagabend-Show "Wetten, dass..." erklärt, nachdem sich Koch bei einer Wette zum Überspringen eines fahrenden Autos schwer verletzt hatte. Es falle ihm schwer, zur "guten Laune" zurückzukehren, die das Publikum von ihm "zu Recht" von ihm erwarte.
Seine muntere Art prägte in der Tat den Charakter der Sendung, deren Grundkonzept aus der Feder des ersten Moderators Frank Elstner stammt. Aber hätte es die Show wohl ohne den 1987 eingestiegenen Gottschalk zur erfolgreichsten in Europa gebracht? Sein Erfolgsgeheimnis in Zeiten öffentlicher Verunglimpfungen à la Dieter Bohlen: Wenn er jemanden auf die Schippe nimmt, dann vor allem sich selbst.
"Ich habe meinen Beruf nie so furchtbar ernst genommen, weil es eigentlich kein Beruf ist", sagt Gottschalk über seine Tätigkeit als Moderator. Die begann, nachdem er den Gedanken an eine Laufbahn als katholischer Priester aufgegeben hatte, 1971 im Bayerischen Rundfunk. "Die beste Zeit meines Lebens" habe er dort verbracht, sagt Gottschalk: Als Pop-Moderator brach er mit den strengen Konventionen des öffentlich-rechtlichen Hörfunks, ein Plappermaul, das mit Frechheit siegte. Das übertrug er auch aufs Fernsehen, die Unterhaltungssendung "Na sowas" wurde 1982 sein Durchbruch.
Gottschalk wurde am 18. Mai 1950 im oberfränkischen Bamberg geboren, in Kulmbach wuchs er auf. Sein loses Mundwerk führt er auf die Herkunft seiner Familie zurück. "Das Schlesische, das ist ja eigentlich, was mich ausmacht", sagt der Sohn eines nach dem Zweiten Weltkrieg aus Oberschlesien geflüchteten Ehepaars dem Bayerischen Rundfunk. Mit dieser Fröhlichkeit passt Gottschalk auch wunderbar ins kalifornische Malibu, wo er zuletzt seinen Lebensmittelpunkt hatte und seine Söhne Roman und Tristan groß wurden.
Seine Frau Thea habe "nie den Fehler gemacht, den öffentlichen Gottschalk mit dem privaten zu verwechseln", sagt der Show-Star zum Geheimnis seiner skandalfrei gebliebenen Ehe. Dass ihr Mann immer mal wieder bei seinen weiblichen Gästen Hand anlegt, scheint Thea Gottschalk nicht aus der Ruhe zu bringen. Er selbst erklärt dies Verhalten mit einem typisch-flapsigen Spruch: "Schon mein Vorbild Jesus war ein großer Handaufleger."
Gottschalk sorgte immer wieder für heiße Debatten. Dass er in seiner nach knapp drei Jahren wieder eingestellten RTL-Late-Night-Show 1992 vom rechtsextremen Republikaner-Chef Franz Schönhuber vorgeführt wurde, dass er bei "Wetten, dass..?" Schälchen mit Gummibärchen eines Werbepartners aufstellte oder dass viele seiner anderen Sendungen hinter den Quotenerwartungen blieben, änderte auf Dauer nichts an seinem positiven Image.
Dass es bei Gottschalk jemals zu einem Karriereknick kommen würde, schien unwahrscheinlich. Doch nach seinem Ausscheiden aus "Wetten, dass..." versuchte er sich in der ARD in einer Vorabendshow - und scheiterte an desaströsen Einschaltquoten. Sein Engagement bei RTL und dessen "Supertalent" an der Seite von Dieter Bohlen kommt für viele einem regelrechten Absturz gleich. Doch für das deutsche Fernsehdenkmal scheint sich ein Ausweg aus dem Karrieretief abzuzeichnen: Berichten zufolge soll er in der ARD eine neue Show bekommen.