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Die Kritiker schlagen zurück

Anfangs wurde der ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" von den Medien fast einhellig gefeiert. Die Kritiker brauchten ein paar Tage - und melden sich nun umso lauter zu Wort.

  Nicht alle Kritiker zeigten sich begeistert von dem ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter".

Nicht alle Kritiker zeigten sich begeistert von dem ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter".

Selten ist ein deutscher Fernsehfilm derart frenetisch begrüßt worden wie "Unsere Mütter, unsere Väter". Anfangs überschlugen sich die Kritiker vor Begeisterung über die ZDF-Produktion. "Wahrhaftig und mitfühlend" sei der Dreiteiler, jubelte Stefan Schmitz auf stern.de, "alles ist nah an der Lebenswirklichkeit der Kriegsjahre erzählt." Auch "Spiegel Online" stimmte mit ein: "Wie (…) fünf Lebensläufe nebeneinander gesetzt und in ihrer ganzen Ambivalenz ausgeleuchtet werden, das hat man im deutschen Fernsehen so noch nicht gesehen", schrieb Christian Buß.

Nikolaus von Festenberg bezeichnete den Dreiteiler auf "Zeit Online" gar als "das am meisten beeindruckende Unternehmen der jüngeren Fernsehzeit." Und Eckhard Fuhr bilanzierte in der "Welt am Sonntag": "Ein wahrhaftigeres Denkmal kann man unseren Müttern und Vätern nicht setzen."

Die Jubelarien gipfelten in dem vaterländischen Guckbefehl von "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher: "Warten Sie nicht auf einen hohen Feiertag, versammeln Sie jetzt Ihre Familie: Der ZDF-Dreiteiler 'Unsere Mütter, unsere Väter' beginnt am Sonntag und ist die letzte Chance, über die Generationen hinweg die Geschichte des Krieges zu erzählen."

"Es gab noch andere Deutsche"

Ein paar Tage schien es, als sei die ganze Nation in einen Begeisterungstaumel verfallen - doch dann meldeten sich auch andere Stimmen zu Wort. Zunächst wehrte sich Tilman Krause in der "Welt" gegen Schirrmachers Appell. Krause stört sich daran, dass Krieg und NS-Zeit nur über die Ostfront erzählt werden, dass "Stalingrad zum Schicksalsort des deutschen Volkes" geweiht werde: "Es tut mir leid, aber Stalingrad ist ein schlechtes Pars pro toto, wenn es um das Leid des deutschen Volkes geht. Zu sehr haftet ihm der Geruch von Heldentum, Wir sind Weltmeister (diesmal im Sterben) und Landserstolz an."

Richtig heftig wurde Krause in dem Artikel: "Ich bin es langsam leid, dass die deutsche Geschichte nur noch von Altnazis und 'Frontschweinen' erzählt wird. Es gab noch andere Deutsche. Es gab die Abertausenden (Berufs-)Soldaten, die in raschen Feldzügen halb Europa erobert hatten und dann, vor allem im Westen und im Norden des Kontinents, zusammen mit einer Vielzahl von zivilen Dienststellen in den besetzten Ländern einen Schein von Normalität herzustellen vermochten – was die Deportation von Juden und Massaker an der Zivilbevölkerung nicht ausschloss."

Eindrücklich formulierte auch Harald Jähner in der "Frankfurter Rundschau" seinen Einwand. Der Autor störte sich vor allem an dem Allgemeinheitsanspruch, den der Film formuliert: "Ich fühle mich um die Realität betrogen, auch um die meiner Mutter und meines Vaters, die in dem Titel des Dreiteilers kurzerhand eingemeindet werden", so Jähner. "Im Film rundet sich alles zu einem Ganzen. Seiner Ästhetik zugrunde liegt eine Allmachtsfantasie, eine Anmaßung, die der Titel auf den Begriff bringt. Hier soll für alle gesprochen und nichts ausgelassen werden. Der Film erhebt Anspruch auf Repräsentanz. Fünf Freunde, die für alle stehen."

"Deutsche Filme, sie können es nicht"

Auf einer ganz anderen Ebene attackiert Jan Feddersen in der <linextern adr=http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=tz&dig=2013%2F03%2F20%2Fa0129&cHash=439c5b4c67c3c0d0807ed780e85719a2>"taz" den Film. Sein Kerneinwand: Der Dreiteiler rührt nicht. Er vergleicht "Unsere Mütter, unsere Väter" mit der US-Serie "Holocaust" aus den 70er Jahren, die sich "wie die hohe Kunst der Werkhallen Hollywoods zur filmästhetischen Sondermülldeponie Made in Germany" verhalte. "Deutsche Filme, sie können es nicht (…). Sie können nicht Gefühle plausibel machen, sie legen keine Handlung zwingend - was auch damit zu tun hat, dass die Helden (...) selbst im schlimmsten Kriegshagel in russischen Hinterhöfen noch telegen, sauber und adrett aussehen, der Staub auf ihren Antlitzen wie Make-up. Selbst bei den Blutbädern wünschte man sich: Leute, lasst euch doch von Tarantino mal sagen, wie das geht." Daneben formuliert Feddersen auch eine beißende inhaltliche Kritik: "Vielleicht wollte man künstlerisch nicht alles riskieren. Das nämlich hätte bedeutet, die der allzeit tödlichen Judenfeindschaft stets innewohnende Gehässigkeit und Bosheit mit zu zeigen - doch so fies wollte man die Figuren, die doch unsere Vorfahren geben sollten, auch nicht zeichnen."

So uneinig die Kritiker waren - zumindest die Zuschauer haben ein klares Votum abgegeben: Die letzte Folge von "Unsere Mütter, unsere Väter" erreichte Bestwerte: 7,63 Millionen Menschen wollten das Finale sehen - mehr als die ersten beiden Teile. Offenbar hat es die Zuschauer gepackt.

Zusammengestellt von Carsten Heidböhmer

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