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Bester Fall seit Langem oder nichtssagend?

So realitätsnah war ein "Tatort" schon lange nicht mehr. Bei den meisten Rezensenten findet die Orientierung an einem wahren Fall Beifall. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

Düster und brutal war der neue Berlin-"Tatort"

Düster und brutal war der neue Berlin-"Tatort"

Hart, brutal und realistisch war er, der aktuelle "Tatort" aus Berlin. "Gegen den Kopf", so der Titel dieser Folge. Die meisten Rezensenten lobten die Ausrichtung an einem wahren Kriminalfall. Genau der Punkt sorgte aber auch für Kritiker.

"Spiegel-Online"

"Der beste 'Tatort' aus Berlin seit langer Zeit", jubelt Christian Buß auf "Spiegel-Online" und führt aus: "Die Berliner Episode "Gegen den Kopf" zeigt Ermittlerarbeit so gründlich, rasant und detailversessen wie kaum ein 'Tatort' zuvor. (...) Es wird, stimmig bis zur letzten Ampelkreuzung, die Topografie Berlins vermessen."

"sueddeutsche.de"

Das sieht Holger Gertz auf "sueddeutsche.de" ähnlich: "Dieser Tatort aus Berlin, 'Gegen den Kopf', gehört zu den eindeutig besseren Episoden." Der Fall erzähle "auch eine Geschichte über eine Welt, in der tausend Augen immer alles betrachten, aber meistens erkennen sie: nichts."

"taz"

Die "taz" ist begeistert: "Regisseur und Autor Stephan Wagner (...) führt uns sehr subtil eine perverse Dynamik vor: von Passanten, die wegschauen, sich einmischen, sich nicht erinnern können. Vor allem aber dröselt er in der Story ganz großartig auf, wie sich die Hierarchie in einer Jungsfreundschaft verschiebt. (...) Das Beste aber ist: Wagner hat ein paar sehr leichte Szenen eingewoben, schon allein die lohnen sich. Von Moralinsäure keine Spur", schreibt Anne Haeming.

"welt.de"

Positiv auch die Bewertung bei "welt.de": "Regisseur Stephan Wagner, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist, hat intensiv recherchiert: Verpackt in eine spannende Geschichte, greift er alle Aspekte auf, die bei den echten Fällen eine Rolle spielten", schreibt Miriam Hollstein. "Wagner hat ein gutes Gespür für Timing, Dramatik und seine Figuren. Immer wieder streut er kleine Momentaufnahmen ein, die in wenigen Bildern sehr viel erzählen."

"faz.net"

Regisseur Stephan Wagner erzähle die Geschichte "dicht, aber ohne nennenswerten Spannungsbogen", schreibt Matthias Hannemann auf "faz.net". Vor allem moniert er die fehlende Erklärung für die Gewalt: "Nach langen Ermittlungen, bei denen der Zuschauer lernt, dass eine Videokamera auch nur so gut ist wie ihr Blickwinkel und eine Mordkommission so gut wie der Nerd von der IT, will der Gewaltausbruch da fast mit einer Überdosis Alkohol und der Wut erklärt werden, einer Freundin nach der Party beim Parkplatzsex zuschauen zu müssen."

"zeit-online"

Gar nicht gefallen hat es Jan Freitag, der in seiner Twittritik auf "zeit-online" schreibt: "Der Sonntagskrimi suhlt sich in Debattenthemen wie Jugendkriminalität und Überwachungsstaat und endet nichtssagend."

stern.de

Die Kritik auf stern.de war ebenfalls verhalten. Der Realitätsbezug mache den Sonntagabend-Krimi "trotz schnell und gut erzählter Geschichte und gut ausgeleuchteter Figuren zu einem unangenehmen Vergnügen. Denn aus dem Grusel wird echte Angst", schreibt Sophie Albers. Zudem sei die Folge "ziemlich 'CSI'-isiert" mit allen schnellen Schnitten, geknackten Passwörtern und geleerten Cloud-Speichern. Und auch der Schluss wirkt nicht ganz überzeugend: Es werde ein bisschen pädagogisch, "wenn es am Ende natürlich doch das reiche Söhnchen und nicht der vorbestrafte Proll war."

Wie hat Ihnen der "Tatort" gefallen?

Zusammengestellt von Carsten Heidböhmer

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

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