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4. August 2008, 18:06 Uhr

Jürgen Emig attackiert den HR

Der wegen Betrugs und Bestechlichkeit angeklagte frühere Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, hat zum Prozessauftakt "Fehler" eingeräumt. Vor dem Landgericht Frankfurt belastete der 63-jährige zugleich seinen früheren Arbeitgeber und Sprach von einem "System HR"

Jürgen Emig, ehemaliger Sportchef des Hessischen Rundfunks (hr)© DDP

Der angeklagte frühere HR-Sportchef Jürgen Emig, hat zu Beginn des Betrugs- und Korruptionsprozesses ein Geständnis abgelegt. Er sprach von Fehlern, ohne aber konkret zu werden. Zugleich nahm er vor dem Frankfurter Landgericht den Sender in die Mitverantwortung und sprach von einem "System HR". Demnach habe man unausgesprochen von ihm erwartet, dass er regionale Sportsendungen mit Zuschüssen von Sportveranstaltern und Sponsoren finanzierte, weil das Budget des Senders nicht ausgereicht hätte. "Man hat mich das immer machen lassen", sagte Emig.

Die Zahlungen an sich waren nicht verboten; Emig profitierte laut Anklage aber gemeinsam mit seiner Ehefrau Atlanta Killinger persönlich in großem Stil davon. Er soll 525.000 Euro Schmiergelder kassiert haben, laut HR sogar 625.000. Der 63-Jährige muss sich wegen Bestechlichkeit als Amtsträger, Anstiftung zur Bestechung sowie Betrug zum Nachteil von Sportveranstaltern und Untreue zu Lasten des HR verantworten. Emig war von 1987 bis März 2004 Leiter der HR-Sportabteilung.

Mitangeklagt ist sein ehemaliger Geschäftspartner Harald Frahm. Der heute 64-Jährige hatte Anfang 2000 gemäß einer Verabredung mit seinem Freund Emig die Agentur SportMarketing & Production GmbH (SMP) gegründet. An diese Firma zahlten Sportveranstalter und Sponsoren, nachdem Emigs Frau mit ihrer Werbeagentur Killinger Production nicht mehr Sponsoring für den HR akquirieren durfte. Laut Anklage wurden aber nicht alle Einnahmen an den HR weitergeleitet, und es flossen Schmiergelder. Der Sender erfuhr nichts davon, dass Emigs Ehefrau Atlanta Killinger stille Teilhaberin der SMP war. Das sei sein einziger Fehler gewesen, sagte Emig. Das Ehepaar stellte das Stammkapital von 25.000 Euro, aber Frahm wurde als alleiniger Anteilseigner eingetragen. Später sei die Hälfte der Gesellschaftsanteile auf Killinger übertragen und die Gewinne zwischen Frahm und Killinger geteilt worden. Killinger kassierte demnach jährlich Gewinnausschüttungen von 396.693 Euro.

"Eine Grauzone"

Emig sagte: "Natürlich war es ein Fehler, diese mittelbare Beteiligung. Das hätte man anders machen müssen." Er räumte ein: "Natürlich war es eine Grauzone. Es war mir schon klar, dass wir uns auf dünnem Eis bewegen." Zur Finanzierung von Sportprogrammen des HR und der ARD habe er insgesamt rund 20 Millionen Euro beschafft. Der Ex-Sportchef kritisierte, dass ihm mit einer "sehr undifferenzierten medialen Vorverurteilung alles in die Schuhe geschoben" werde.

Seine Vorgesetzten hätten nicht genau über die Fremdmittel Bescheid wissen wollen, sagte Emig. Er habe aber nie eine Handlungsanweisung erhalten. Mit der Praxis der finanziellen Beistellungen hat der HR 2004 Schluss gemacht. Emig wurde am 29. Juni 2005 festgenommen und war rund sechs Wochen in Untersuchungshaft. Der HR meldete einen Rückforderungsanspruch von einer Million Euro an Emig an. Für den Prozess sind 16 Verhandlungstage angesetzt. Demnach könnte das Urteil am 28. Oktober gesprochen werden.

AP
 
 
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