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Lanz (ver)dreht Hanks' Kritik zu seinen Gunsten

Der US-Filmstar wirft dem ZDF-Moderator den Fehdehandschuh hin. Der ignoriert ihn. Stattdessen erhebt er den Amerikaner zum Kronzeugen für die Qualität seiner Sendung. Markus Lanz at his best.

Von Thomas Schmoll

  Moderator Markus Lanz dreht den Spieß und nutzt die Hanks-Attacke geschickt aus

Moderator Markus Lanz dreht den Spieß und nutzt die Hanks-Attacke geschickt aus

  • Thomas Schmoll

Es war Frank Elstner, der mit "Wetten, dass..?" eine der TV-Lieblingssendungen der Deutschen erfunden hat. Es war Thomas Gottschalk, der das Format so populär gemacht hat, wie es bis heute ist. Elstner urteilte denn auch, der Goldbärenmann mit den Goldlocken sei der "größte deutsche Entertainer".

Dann kam der Tag, an dem Gottschalk seinen Abschied von "Wetten, dass..?" verkündete und via "Bild"-Zeitung erklärte: "Die Absicht eines jeden Nachfolgers muss es immer sein, es nicht besser machen zu wollen als der Vorgänger - sondern anders. Ich gebe allerdings zu, dass der Knochen, den ich hinterlasse, schon ziemlich abgenagt ist." Den hinteren Teil der Aussage fand Elstner "nicht in Ordnung". Denn: "Immerhin hat sie ihn (Gottschalk) zum Multimillionär gemacht." Folge waren Abstriche in der Einschätzung des "größten deutschen Entertainers": Geärgert habe es ihn, wenn Gottschalk "Weltstars zu Gast hatte und ihnen oft keine vernünftigen Fragen gestellt hat", klagte Elstner im "Spiegel".

Gottschalk-Nachfolger Markus Lanz bemüht sich redlich, es "anders" als sein Vorgänger zu machen und die Darstellung vom abgenagten Knochen zu wiederlegen. Ob es gelingt, darüber streitet gerade die deutsche TV-Nation. Zwei Versuche der "Operation Anti-Osteoropose" hat der 43-Jährige hinter sich. Der erste Teil der Knochenarbeit glückte: 13 Millionen Zuschauer, Lob und Tadel hielten sich die Waage, die Grundstimmung im Lande war positiv und zustimmend: "Lanz kann es." Dann kam die Nacht von Bremen: zwar immer noch 10 Millionen Zuschauer, aber der Kritikerchor - dirigiert von einem Hollywoodstar - überstimmte die Lobeshymnen. Der Amerikaner Tom Hanks teilte dem deutschen Volk mit, dass sich die Last, die er bei "Wetten, dass..?" zu tragen hatte, nicht allein durch die Katzenmütze auf seinem Kopf ergab. Er empfand es generell als Kreuz, stundenlang bei Lanz auf der Couch zu hocken. Seither fragen sich Zuschauer zwischen Rügen und Freiburg: "Kann es Lanz wirklich?"

Klinikreife Kritiker?

Zwei Tage dauerte es, bis der Moderator Worte fand. Er entschied sich für die "Bunte" als Transportmittel für eine Reaktion auf den Spott des amerikanischen Schauspielers. Der Südtiroler nahm den Fehdehandschuh jedoch nicht auf, sondern ließ ihn liegen, in dem er - geschickt und professionell - Hanks lobte, seine Kritiker als klinikreif darstellte und sich selbst bescheinigte, mit dem Oscarpreisträger qualitativ auf einer Stufe zu stehen. Denn schließlich sei der Ton des Hollywoodstars bei seinen kritischen Äußerungen über "Wetten, dass..?" der gleiche gewesen wie in der Sendung, "ironisch und pointiert".

"Was er gesagt hat, ist eine Sache, was daraus gemacht wird, eine ganz andere", meinte Lanz in der "Bunten" über Hanks' Spott, um dann den deutschen Nörglern eins mitzugeben. "Wir sind mittlerweile bei allem so hysterisch, dass ich mich manchmal frage, ob das schon behandlungsbedürftig ist." Dass "wir" in dem Satz zeigt die Clevereness von Lanz. Er will damit sagen: Ich gehöre zu euch und zum System. Und schließlich sei es doch prima, dass Hanks drei Stunden dageblieben sei. Wurde doch früher geschimpft, dass echte Stars sofort nach ihrem Auftritt die Biege machten.

Diese paar Sätze in der "Bunten" werden die Gegner und Befürworter von Markus Lanz nicht zu Freunden machen, geschweige denn, sie versöhnen. Diejenigen, die den Mann aus Südtirol mögen, werden ihm auf die Schulter klopfen: "Recht hast du! Nicht du bist schlecht, deine Kritiker sind es!" Diejenigen, die Lanz für einen kühlen Perfektionisten halten, werden schimpfen: "So ist er eben! Ein arroganter Typ, der seinen Kritikern den Gang zum Doktor empfiehlt."

Frank Elstner, erklärter Anhänger von Lanz - "ich freue mich für Dich und auf Dich" -, schlug sich auf die Seite seines Schützlings. "Wenn ein Mann ein solches Schlachtschiff übernimmt, wird eben genau hingeguckt und das, was nicht gefallen hat, auch deutlich geäußert", sagte Elstner "Focus Online". Lanz sei intelligent genug, um zu wissen, dass das noch nicht die 100 Prozent seien, die man von ihm erwarten könne. "Das Geschrei ist aber ein wenig aufgebauscht." Und das gehört im Show-Geschäft zur Knochenarbeit.

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