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12. Januar 2008, 09:23 Uhr

"Hab ich gepullert?"

Lauwarme Späßchen aus dem Busch - der gestrige Auftakt des Verhöhnungsspektakels "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" war nicht mal nach den Maßstäben des Genres gelungen, sondern einfach nur ausgewalzter Stumpfsinn. 4,59 Millionen Zuschauern schalteten ein. Von Peter Luley

Bata Illic erleidet eine Kreislaufschwäche auf dem Weg zum Camp und muss vom Dschungeldoktor behandelt werden© RTL

"Michaela Schaffrath wird Teamchefin / DJ Tomekk angekettet im Krokodil-Wassertank!", informierte RTL gestern per Pressemitteilung bereits um 11.23 Uhr - nicht ohne Hinweis auf die "Sperrfrist für Radio und Online-Medien bis 23.55 Uhr". Als handle es sich bei den Wasserstandsmeldungen aus dem australischen Safari-Lager um hochbrisante Weltnachrichten. Die PR-Maschinerie läuft also bereits gut geölt bei dem nach dreieinhalb Jahren reanimierten RTL-Dschungelspektakel. Von der Show selbst lässt sich das nicht behaupten.

Spätestens als sich um 22.15 Uhr - nach eingeblendeter Ortszeit 7.15 Uhr - die Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach live vom Ort des grausamen Geschehens meldeten, wurde wieder klar: Dramatik und Action sind bei dem debilen Verhöhnungsgebaren im Wildnis-Ambiente nur suggeriert - tatsächlich herrscht zähe Langeweile, die sich allerdings für RTL lohnte: Der Marktanteil lag bei 22,6 Prozent, nur geringfügig unter dem der ersten Staffel (23,1 Prozent) und deutlich höher als bei der Auftaktsendung der zweiten Staffel (18,8 Prozent).

Zunächst mal gab's eine ausführliche Videoclip-Vorstellung der zehn teilnehmenden Konsonanten-Promis, die in einer Luxus-Limousine vor einem Edelhotel vorfuhren. Man lernte, dass Ex-Torhüter Eike Immel in den nächsten zwei Wochen "einfach nur ehrlich rüberkommen" möchte, dass "DSDS"-Problemkind Lisa Bund allen beweisen will, dass sie "gar keine Zicke" ist, und dass Schlager-Opa Bata Illic sich vorgenommen hat, im Camp "deutsche Tugenden zu bringen" - was immer das heißt.

Ein wenig aufgebracht wirkt Barbara Herzsprung, Dschungelcamp-Kandidaten, neben ihrem Urwald-Kollegen Eike Immel vor dem Abflug nach Down Under am Frankfurter Flughafen© Jörg Carstensen/DPA

DJ Tomekk baut Gewaltpotenzial auf

Auch ein paar Abschiedstränen wurden verdrückt, und die zwei erlaubten Luxusartikel, die sich jeder Kandidat einpacken durfte, blieben nicht unerwähnt: Kuscheltiere und Kissen zumeist, so weit, so herzig. Lediglich DJ Tomekk verbreitete mit seiner Selbstauskunft "Ich hab Angst davor, dass ich mal jemand auf die Fresse hau" einen Hauch jenes prollig-brachialen Terrors, der laut Konzept die Show auszeichnen soll.

Es folgten die Ausgabe der Dschungelkleidung an die Probanden, ausführliche Leibesvisitationen durch möchtegern-martialische Ranger, um das Mitführen von Schmuggelware auszuschließen, und eine Vorab-Begehung der Örtlichkeiten durch die Moderatoren - inklusive Dschungeldusche (neu!), Lästerecke und Buschtelefon. Nach einer knappen Stunde kam es zum Einmarsch der Gladiatoren ins Gelände.

Schlammrutschen zum Einstieg

In zwei Fünferteams mussten sich die Probanden ins Camp vorkämpfen: die einen über nach wochenlangen Regenfällen aufgeweichte Schlammhänge rutschend, wobei sich das auf hysterisch machende Ex-Bro'Sis-Mitglied Ross Antony eine nasse Unterhose zuzog und ein besorgtes "Hab ich vielleicht gepullert?" ausstieß. "Das geht an die Substanz", bemerkte der Off-Kommentar zu dem Extrem-Trekking - und lag damit in jeder Hinsicht richtig.

Die andere Gruppe hatte über eine schmale Hängebrücke ins Lager vorzudringen, was dem Zuschauer Bilder von einer angeseilt über dem Abgrund zappelnden Lisa Bund bescherte. So weit die Höhepunkte der ersten 75 Minuten.

"Ich fühl mich dreckig"

Selbst wenn man versucht, das degenerierte Gebaren im dem ungebauten Farmgelände losgelöst von ethisch-moralischen Erwägungen zu betrachten und nur nach seinen eigenen Gesetzen zu beurteilen - sagen wir mal: denen eines zynischen Sportwettbewerbs -, kommt man um die Erkenntnis nicht herum: Die mit viel Musik unterlegten Schnipsel aus dem Dschungel und die schalen Späßchen der meist auf einer Hängebrücke oder in einem Baumhaus postierten Moderatoren bieten kein infames diabolisches Vergnügen, sondern einfach nur ausgewalzten Stumpfsinn. Wenn Ross und Co. ständig "Ich fühl mich dreckig" greinen, passt das nicht nur trefflich zu den offenbar ausreichend gebuchten Werbespots für Deoroller und WC-Reiniger. Es beschreibt auch ganz gut das Gefühl, das sich beim Zuschauen einstellt.

Es ist 23.42 Uhr, als der - gemäß einer Sonderregelung der ersten Show - von seinen Gefährten auserkorene DJ Tomekk zur ersten Dschungelprüfung antritt, mithin der kalkulierte Skandal-Höhepunkt des Abends steigt. An den Füßen angekettet, soll er in einem mit Baby-Krokodilen gefluteten Wassertank nach Sternen tauchen und so seinen Kollegen Mahlzeiten erobern. Nach fünf Trophäen und ein paar mehr Tieren im Tank reicht es ihm; er klopft an die Scheibe und bittet um Abbruch. "Ich bin stolz darauf", verkündet er gleichwohl im Anschluss. "Wir fanden’s super", stimmen die Moderatoren ein.

Bleibt eigentlich nur noch die Top-Nachricht des Abends zu verkünden, die nicht vorab erhältlich war: Nach dem von nun an üblichen Zuschauervotum, das Bach und Zietlow im Camp verkündeten, muss heute Lisa Bund zur Prüfung antreten: zum Maden-Lutschen an der "Dschungelbar". Wer sich das am Samstagabend anguckt, hat es wirklich nicht anders verdient.

Von Peter Luley
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
Day2walker (13.01.2008, 10:04 Uhr)
?
Ich kann den ganzen Streß nicht verstehen, soll doch Jeder schauen was er will.
Das Dschungelcamp besteht aus "Promis" die sich einen gewissen Geldbetrag zahlen lassen, um sich öffentlch zu Affen zu machen.
OK, besser als arbeiten,wird sich so Mancher von denen denken,macht man sich halt zum AFF !!
Viel schlimmer finde ich den täglichen Talk und Gerichts und Lehnßen Müll.
Dschungelcamp kommt 14 Tage, dieser Dreck macht TÄGLICH seit Jahren den Eindruck, als ob dort REALISMUS im TV käme. Das halte ich persönlich für bedenklicher als ein paar "promienente" Leutz die (zugegeben) auf geringem Niveau ihre Brötchen verdienen
walhalla (13.01.2008, 09:42 Uhr)
Schön, das Sie wieder eingeschaltet haben.
Privatfernsehen ist der häufig gelungene Versuch mittels einem Programm, welches den Unterschied zwischen radaktionellem Teil und Geld bringenden Werbeblock marginal macht, noch mehr Geld zu machen.Wer die beworbenen Produkte kauft, zahlt die Rechnung der Sender. Eine Summe die so genau niemand weiß, das ist der Unterschied zum Öffentlichen, da steht der Beitrag fest.Privatfernsehen wird nicht zum Vergnügen gemacht. Wichtig sind die Werbeblöcke, schaun Sie doch einfach mal rein!
jabadahat (12.01.2008, 20:53 Uhr)
Stern seriös?
Schon lange nicht mehr, wer über diese Sch..... überhaupt berichtet geht mit RTL ins Bett, viel Spaß beim Höhepunkt!
Filapensill (12.01.2008, 15:43 Uhr)
sehr unterhaltsam
die Sendung ist sehr unterhaltsam, weil sie mich darin bestätigt, nicht so ein Würstchen zu sein wie zb. der eingebildete Macho-DJ, der plötzlich Panik vor Minikrokodilen bekommt, schockiert abbricht und das dann als "vernünftige" Entscheidung darstellt: "Ich bin stolz auf mich!" Hahaha. Klingt so ernst und verlogen zugleich wie Roland Koch und die Jugendkriminalität.
Trotzdem bin ich selbstverständlich auch ein Würstchen, wo genau, das weiß ich leider noch nicht. Ich hoffe, dass ich das herausfinde, wenn ich alle Folgen des Dschungelcamps gesehen habe. Oder jemand sagt mir vorher Bescheid, wo ich mir eine Blöße gebe.
redunicorn (12.01.2008, 14:41 Uhr)
Irgendwie
finde ich es von seiten der Medien verlogen, von "ausgewalztem Stumpfsinn" zu sprechen, und dann täglich einen neuen Artikel darüber zu produzieren.
Herr_Lich (12.01.2008, 14:39 Uhr)
*lol*
Ich frage mich, was der Autor des Artikels erwartet hatte. Eine hochklassige Theateraufführung? Das Konzept der Sendung ist nicht neu und das was bei der ersten Sendung geboten wurde, war genau das, was man von den vorherigen Staffeln kannte. Wer bei IBESHMHR einschaltet, sollte wissen, was ihn erwartet.
Ich kann verstehen, daß viele Leute die Sendung primitiv finden. Primitiv ist es aber auch, sich die Sendung trotzdem anzuschauen, um sich dann über das niedrige Niveau der Sendung und ihrer Zuschauer auszulassen.
Der Artikel und einige der Kommentare sind nicht niveauvoller als die Sendung selber. Einzig dem Schlußsatz kann ich mich voll anschließen: "Wer sich das am Samstagabend anguckt, hat es wirklich nicht anders verdient" Das gilt besonders für die Leute, die die Sendung so niveaulos finden. Das galt aber auch schon für die Sendung gestern, manche merken es halt nur nicht. Ich werde mir die Sendung auf jeden Fall anschauen :-)
Inamo (12.01.2008, 13:54 Uhr)
Die alten Werte...
... haben doch heute eh nichts mehr zu sagen. Wer wundert sich denn heute noch über die Geschmacklosigkeiten, die einem Tag für Tag in unseren Medien vorgesetzt werden?
Andererseits ist es schon beachtlich, wieviele Menschen in Deutschland immer behaupten, solche Sendungen wie das Dschungelcamp oder die BILD-Zeitung nicht zu lesen, im Gegenzug aber genau diese Sendungen und die Boulevardpresse die meistgesehenen und -gekauften Medien Deutschlands sind.
Ich für meinen Teil gebe gerne zu, das Dschungelcamp gestern Abend gesehen zu haben, nur um wieder einmal ungläubig den Kopf zu schütteln. Ich kann diese Beweihräucherung und Zurschaustellung der Z-Promis nicht verstehen, schaue aber gerade deshalb hin. Nicht weil ich die Sendung oder den Inhalt unterhaltend oder ansprechend finde, sondern weil es leider zeigt, was Deutschland heute ausmacht.
Wer heute die Menschen verstehen will, muss auch so etwas gesehen haben, um mitreden zu können. So muss man eben das beste draus machen und sich darüber freuen, dass man selbst die Stumpfsinnigkeit dieser Sendungen erkennt, ohne es unterhaltend zu finden.
bob-der-meister (12.01.2008, 13:43 Uhr)
Moral, Ethik und Niveau (?)
Ja, mullen, in dem Punkt muss ich Ihnen Recht geben: Was im Gebührenfernsehen teilweise geboten wird, unterscheidet sich wirklich kaum noch von dem Quoten-Mist der Privaten. Silbereisen, Hinterseer, Christiansen, Klinik unter Palmen, das alles gehört wirklich nicht in einen gebührenfinanzierten Sender. Da darf man für sein Geld mehr Qualität erwarten.
Ob es für ein privates Unternehmen allerdings nur auf Grund freien Wettbewerbs keine Mindeststandards für Moral, Ethik und Niveau geben darf, möchte ich allerdings in Frage stellen.
Immerhin sehen jede Menge Kinder und Jugendlicher diesen leicht konsumierbaren Schwachsinn und prägen daran ihr Bild von der Welt.
nony (12.01.2008, 13:33 Uhr)
Danke mullen
Es scheint sie noch zu geben. Kommentare die auf mehr IQ hinweisen.
Ich frage mich, warum sich alle die Sendung (angeblich) nicht anschauen, aber hier den Artikel darüber lesen, um dann auch noch dummm zu schwätzen.
Was für ein Elend!
mullen (12.01.2008, 13:12 Uhr)
Was für eine Diskussion?
Nicht wer zuschaut sollte kritisiert werden, sondern, die die darüber schimpfen. Was ist, habt ihr alle eure Fernbedienung verlegt? Und dann das hohe Lied auf das schlechte Privatfernsehen. Bitte, wer, der wirklich Fern schaut, behauptet noch, das Privatfernsehen sende ganz alleine mist? Dass können doch nur Untertanen-und-gern-gebührenzahler-des-öffentlich-rechtlichen-TVs sein! Und da soll alles besser sein? Nachrichten, die keiner versteht und auch noch falsch sind ("Die Tages-Show", Walter von Rssum), Talkshows mit möchtegern hohem Anspruch, wo nur gemauschelt wird "Hart aber Fair" v. letzten Mittwoch) und dann eine Sendung wie "Sabine Christiansen - Mein 2008" in der sie u.a. ihren Blödel-Frisör Udo vorzeigen darf! Und dass alles, liebe Kritiker des ach so schlimmen Privat-TVs, dass alles von eurem Geld! Dagegen ist RTL ein Unternehmen. Das bietet eine Dienstleistung an. Mehr nicht. Wer sie nicht haben will, der geht wo anders hin. Bitte.
Aber bitte verschont uns mit eurem Rufen nach Moral, Ethik und Niveau!
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