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Die Sarrazin-Debatte hat sich negativ auf das Zugehörigkeitsgefühl von Migranten in Deutschland ausgewirkt: Nach einer Studie blicken Zuwanderer mit weniger Zuversicht auf das Zusammenleben hierzulande als noch vor einem Jahr.
Die parteiinterne Diskussion um Thilo Sarrazin lässt offenbar die SPD in der Wählergunst fallen.
Ein gut geschriebener Kommentar beschäftigte sich mit der Sarrazin-Debatte, um dabei festzustellen, dass die Diskussion ohne die Türken geführt werde. Die würden abwinken, wenn es auf Sarrazin zu sprechen käme. Und: Außerdem war ja Ramadan. Ein Blick in die Runde bei unserer Redaktionskonferenz. Stimmt. Auch bei uns arbeitet niemand muslimischen Glaubens. Wie sich also in die Situation hineinversetzen, ein türkischstämmiger Deutscher, ein Muslim in Deutschland zu sein? Zum Glück sind Redaktionssitzungen bei The European keine einsilbige Angelegenheit. Es wird heftig debattiert, Position bezogen. Es werden argumentative Allianzen geschmiedet. Gerne auch gegen mich. Denn: Ich bin bei uns der einzige praktizierende Katholik. Ich bin der Einzige, der für Schwarz-Grün ist. Der Stempel schlägt hart auf das tintendurchtränkte Kissen und landet auf meiner Stirn: wertkonservativ! Ein Verdikt. Psalmodie und Steinigung Dann werde ich in die Mitte des Kreises gestellt und fixiert – ecce homo: “Religion ist rückwärtsgewandt und nicht relevant.†“Kirchenthemen interessieren unsere Leser nicht.†Oder: “Konservativ ist unsympathisch.†Das heißt nichts anderes als: Ich bin unsympathisch, meine Religion steht für etwas, was meine Kollegen ablehnen. Die Tinte ist rot; sie läuft über meine Stirn, an meiner Wange hinab. Ich denke an den Erzmärtyrer Stephanus: “Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.†Ob sie auch Steine aufnehmen? Es ist unnötig, zu sagen, dass ich mich weder für aus der Zeit gefallen geschweige denn für unsympathisch halte. Der heilige Augustinus sagt, dass alle Menschen vom Licht der Vernunft gestreift seien. Also versuche ich es mit der Kraft der Argumente. “Die Kirche ist auch heute noch ein Kulturträger.†Mein Chef vom Dienst psalmodiert etwas von Jugend ohne Gott und Jugendweihe. Oder: “Öffentliche Trauerarbeit, ob nach der Loveparade oder dem Tsunami, wird von den christlichen Kirchen geleistet.†Ich ernte einen mitleidigen Blick von meinem leitenden Redakteur. Es ist, als schaute er auf Hiob, den Duldner. "Schlechtes und Inhumanes" Ich muss einsehen: Argumente helfen an dieser Stelle nicht weiter – denn hier geht es um Einstellungen, Emotionen. Das Mantra ergeht also weiter über mich: unsympathisch, unsympathisch, unsympathisch. Ich hauche den Argumentationsgeist aus. Nichts ist vollbracht. Das ist mein Moslem-Moment. Denn: Auch Muslime können doch sagen, was sie wollen – zum Beispiel, dass sie der Gewalt abschwören oder dass sie mit dem islamistischen Terror nichts zu tun haben wollen –, und dennoch erklären wir ihnen, dass ihre Religion gewaltsam ist, dass auch sie, irgendwo tief drinnen, gewaltsam sind. Denn schon Mohammed habe ja nichts anderes gebracht als “Schlechtes und Inhumanesâ€, wie es in einem durch Papst Benedikt XVI. bekannt gewordenen historischen Zitat heißt. Dieses Mantra dreht sich länger als jede Redaktionssitzung, unaufhörlich, seit dem 11. September 2001. Es übertönt, wenn Muslime selbst sagen, dass viele ihrer Glaubensbrüder nicht integriert seien. Es hört nicht auf, wenn Spitzenvertreter der Muslime sagen, dass sie nichts gegen Kreuze in Klassenzimmern haben. Rückzug und Diskursverweigerung Ich beobachte mich: Was sind meine Möglichkeiten bei einer solch ablehnenden Front? Rückzug und Diskursverweigerung. Wenn einem selbst etwas wichtig – um nicht zu sagen heilig – ist, die Umwelt das aber partout profanieren möchte, werden die Pforten geschlossen. Der Rückzug ins Innere. Wenn man sich nicht richtig wiedergegeben oder verstanden weiß, bleibt nur die Tabuisierung. “Darüber rede ich nichtâ€. Die Konsequenz aus beidem: Radikalisierung. Dadurch wird man das, was man eigentlich nicht war oder nie werden wollte. Er verteidigt die Kirche, wo man doch lieber fein ziseliert über sie debattieren möchte. Sie wird zur frommen Muslima, obwohl sie nie wie eine Schleiereule rumlaufen wollte. Heute haben wir die nächste Sitzung. Der Ramadan ist vorbei: der Kairos für einen neuen Moment. Alexander Görlach ist Herausgeber und Chefredakteur des Online-Magazins The European Weitere Kommentare zu dem Thema: Der Genetiker, den Sarrazin zitiert, Harry Ostrer, widerspricht ihm erstmals in einem deutschen Medium: Wir sind keine Klone Alexander Kissler: Christian Wulff hat sich in der Causa Sarrazin verrannt: Er kann es nicht Özcan Mutlu: Wir sind auch Deutschland Hans-Olaf Henkel: Unterstützung für Sarrazin
In der Union gibt es deutliche Kritik am Umgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den umstrittenen Thesen von Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin.
Thilo Sarrazin und sein Skandal-Buch sorgen für hitzige Debatten. stern.de sprach darüber mit dem Bundesvorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat.
Er sieht sich selbst als "konservativen Sozialdemokraten", nun soll er als gemeinsamer Kandidat von Union, FDP, SPD und Grünen das verloren gegangene Vertrauen in das Amt des Bundespräsidenten wiederherstellen.
Nach Kritik und Selbstkritik darf Thilo Sarrazin in der SPD bleiben. Immerhin hat der Streit um seine Thesen eines gebracht: Parteichef Gabriel und Generalsekretärin Nahles wollen nun, zack zack, eine Migranten-Quote einführen.
Auf der Berlinale feiert der Film "Almanya - Willkommen in Deutschland" Premiere, eine deutsch-türkische Migrationsgeschichte. Als Beitrag zur Integrationsdebatte ist er leider völlig unbrauchbar - weil die Autorinnen an der entscheidenden Stelle kneifen.
Wie es einem ergehen kann, wenn man Sarrazin für seine Integrationsthesen kritisiert, hat Hans-Ulrich Jörges erfahren: Er wurde beschimpft. Wir bringen den Stein des Anstoßes - und die Reaktionen.
Ausländer sprechen zu schlecht Deutsch, sagt die Kanzlerin. Der gebürtige Iraner Kamyar Kalantar-Zadeh war zur Facharztausbildung in Nürnberg - und versuchte, mit Schwester Gabi zu reden. Doch sie brachte keinen geraden Satz heraus. Ein Leserbrief.
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