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20. Dezember 2007, 17:17 Uhr

Einfach nur mal googeln

TV-Moderatorin Andrea Kiewel hat in der Talkshow "Kerner" Werbung für die "Weight Watchers" gemacht und ihren Fehler mittlerweile eingestanden. Ebenso schlimm: Die "Kerner"-Redaktion hätte vom Treiben Kiewels schon vor der Sendung wissen können. Von Björn Erichsen

Andrea Kiewel in Gesprächslaune: Hier beim Familienkongress der Hessen-CDU© Arne Dedert/DPA

Kein schönes Weihnachtsfest für Andrea Kiewel: Am Mittwoch kam heraus, dass die TV-Moderatorin in der "Kerner"-Show Anfang des Jahres Schleichwerbung für die Weight Watchers machte. Einen Tag später entschuldigt sie sich nun, "selbstverständlich hätte ich einräumen müssen, dass es eine PR-Vereinbarung gab", gibt sie sich reumütig in einer Verlautbarung ihres Managements. "Das war ein Fehler, für den ich mich ausdrücklich bei den Zuschauern und den Kollegen vom ZDF entschuldigen möchte." Helfen wird ihr das wohl nicht mehr, Kiewel droht die fristlose Kündigung beim Mainzer Sender.

Unschön für Kiewel, peinlich aber auch für Johannes B. Kerner: Zwar wurde er misstrauisch, als Kiewel in seiner Sendung am 23. Januar wieder und wieder den Firmennamen "Weight Watchers" nannte und hakte im Gespräch nach - jedoch ließ sich Kiewel mit ihrer Werbeshow davon nicht bremsen. Beim ZDF betont man derzeit die eigene Unwissenheit: "Damals war niemandem bekannt, dass es eine vertragliche Vereinbarung zwischen Frau Kiewel und den 'Weight Watchers' gab", sagt ZDF-Sprecher Peter Bogenschütz zu stern.de. "In der Kerner-Redaktion wurde alles richtig gemacht, der journalistischen Sorgfaltspflicht wurde nachgekommen."

"Davon kann wohl kaum die Rede sein", sagt dagegen Horst Müller, Professor im Fachbereich Medien an der Fachhochschule Mittweida. In seinem TV-Blog "Blogmedien" hatte er bereits am 27. Januar, also nur vier Tage nach der Kerner-Sendung, auf die mögliche Schleichwerbung aufmerksam gemacht: "Frau Kiewel war bis dahin wiederholt für die Weight Watchers in Erscheinung getreten, hat Galas für das Unternehmen moderiert, ebenfalls erschien zeitnah zur Sendung ein Interview in einer Firmenzeitung." Müller ist entsetzt darüber, wie einfach es ist, verbotene Werbung bei öffentlich-rechtlichen Sendern unterzubringen. "Die zuständigen Redakteure bei "Kerner" hätten doch nur einmal 'Weight Watchers' und 'Andrea Kiewel' bei Google eingeben müssen, dann wäre ihnen sofort aufgefallen, dass es da eine Verbindung gibt."

Inzwischen hat sich Andrea Kiewel öffentlich entschuldigt: Geld sei für die penetrante Firmennamennennung bei Kerner nicht geflossen. Aber "selbstverständlich hätte ich einräumen müssen, dass es eine PR-Vereinbarung gab, in deren Rahmen es zu einem Foto-Shooting und einem Interview-Termin kam", ließ die TV-Moderatorin nun über ihr Management verbreiten. "Das war ein Fehler, für den ich mich ausdrücklich bei den Zuschauern und den Kollegen vom ZDF entschuldigen möchte."

Doch unter ZDF-Kollegen beschränkte man sich lieber auf freundliches Nachfragen, denn auf eine ernsthafte Recherche bei der Gästeauswahl: "Wir haben Frau Kiewel im Vorfeld der Sendung noch einmal befragt, ob es eine Geschäftsbeziehung mit dem Unternehmen gebe, was sie verneinte", sagt Redaktionsleiter Markus Heidemanns zum Medienmagazin DWDL. Damit war der Schleichwerbungsverdacht für das ZDF abgehakt. Und außerdem verließ man sich darauf, dass alle Moderatoren ihre Werbeverträge offen legen würden - eine Regelung, die nach dem Bavaria-Skandal in der ARD um die Serie "Marienhof" eingeführt wurde. Doch Kiewel hatte dies offenbar versäumt, überprüft werden die Angaben des ZDF-Personals scheinbar auch nicht.

Beim ZDF ist man alles andere als erfreut über den Ärger so kurz vor dem Fest. Programmdirektor Thomas Bellut spricht im Fall Kiewel jedenfalls von einem "gravierenden Problem" und will eine Stellungnahme der Moderatorin abwarten, bevor Konsequenzen folgen sollen. Und so kann man die schlanke Kiewel wohl mindestens noch zweimal im ZDF-Programm erleben. Nach stern.de-Informationen sollen die Sendungen "Andrea Kiewel präsentiert: Advent in den Bergen - Zillertal" sowie "Mein allerschönstes Weihnachtslied" wie geplant am 23. bzw. 24. Dezember ausgestrahlt werden.

Peinlich ist den Mainzern der neue Schleichwerbungsskandal dennoch. (Un-)sichtbares Indiz: In der umfangreichen ZDF-Mediathek, in der ansonsten sämtliche Kerner-Sendungen zum Ansehen bereit stehen, fehlen ausgerechnet die Sendungen aus jener Woche, in der Kiewel ihr gut bezahltes Loblied wider die Speckröllchen sang.

Von Björn Erichsen
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
ramteid (22.12.2007, 00:42 Uhr)
Edeldeutscher
Nicht die erste Pleite voon Kerner.
Er hat mal ein Fuußballspiel der Nationalmannschaft kommentiert (unter Vogt), das grenzte schon an Deutschlandhass.
Dann hat er Eva Herman rausgeschmissen un dsicher nicht aus Unkenntnis., sondern gezielt und jetzt Kiewel. Stalin würde sagen: Die Hermans und Kiewels kommen und (müssen) gehen, aber Kerner bleibt. Öffentlich rechtliches Fernsehen. Das Bezahlfernsehen.
yobbi (21.12.2007, 22:19 Uhr)
Pure Heuchelei
"Kiwi" wurde das Opferlamm und vorgeschoben, um von anderen Schleichwerbe-Sendungen abzulenken.
Diese C-Prominente konnte nichts gegen Gottschalk ausrichten, der jeden Monat stundenlang Schleichwerbung in reinster Form auf dem Bildschirm ausbreiten darf. Und was ist mit Kerner selbst, dessen Gäste Ihr neuestes Buch (Video o. a. )in die Kamera halten dürfen? Kommentar vom ZDF-Programmdirektor Bellut: " Jeder Moderator kennt die Grenzen für Schleichwerbung". Manche sind doch gleicher als Andere!
azeeu (21.12.2007, 16:33 Uhr)
ZDF schmeisst weitere...
Wetten, dass Thomas Gottschalk wegen seiner üblichen Gummibären in jeder Sendung nicht geschmissen wird?
Sublucem (21.12.2007, 11:35 Uhr)
Nein ;)
Das ist keine Schleichwerbung, weil du ja vom Produkt überzeugt bist :)
lordnelson1 (21.12.2007, 11:28 Uhr)
Wer will den Kerner denn ...
Wie wichtig ist das? Wer schaut sich überhaupt noch den Kerner an ??? Also, so weit konnte die Schleichwerbung gar nicht vordringen. Komisch nur, dass Kerner beim Z-D-F immer wieder als DIE Journalistenkanone gehandelt wird. Was besseres hat das Fernsehn nicht zu bieten??? Am besten, die Sendung wird abgesetzt. Es kommt mir schon fast so vor, als sei Kerner der Stasi-General und Gerechtigkeits-Papst des Öffentlich Rechtlichen. Hey, setzt den Typ ab und bietet ihm eine Job bei unserem Innenminister an. Oder steht Kerner dort etwa schon unter Vertrag ... ?!?
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By the way: schon gewußt, dass wir in 2006 - - 7300 Millionen / 7.3 Milliarden !!! -- Euro GEZ-Gebühr für den Schwachsinn ARD und ZDF hingeblättert haben!!! 7.3 Milliaren Euro. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und die GEZ fordert jetzt sogar noch mehr! Und nur dafür, dass man einen Rundfunkempfänger BESITZT. Unglaublich. Kein Wunder also, dass solche Ausgeburten wie Kerner für den abgesetzten Dünnpfiff auch noch mächtig Kohle kassieren. Kaum schlimmer, als harmlose Schleichwerbung.
7.3 Milliarden, Leute! Was man mit einem Bruchteil davon sinnvolles anstellen könnte. Weitere Infos zu GEZ: www.gezweg.de (hupps, ist das jetzt Schleichwerbung???)
RomanTicker (21.12.2007, 10:49 Uhr)
Lügen
Das ist keine Bagatelle. Hier wurde bewusst gelogen und gegen Regeln verstoßen, um finanzielle Vorteile zu erlangen. Da reicht eine Entschuldigung nicht aus. Mit dieser Handlung hat die Frau sämtliche Seriösität verspielt und ist eigentlich als Moderatorin untragbar für das öffentlich rechtliche Fernsehen geworden. So jemand kann vielleicht noch eine Klatschsendung auf einem Privatsendermachen, aber im bereich der seriösen Fersehlanfschaft geht so etwas gar nicht.
Sublucem (21.12.2007, 09:03 Uhr)
Konsequenzen
Jeder macht mal Fehler, aber in manchen Bereichen hat es einfach der Natur wegen ein erhöhtes konsequentes Handeln zur Folge. Beispielsweise in den USA, wo schon mal Köpfe rollen weil ein Flieger fälschlicherweise mit Atomwaffen unterwegs war. Dumm, hätte ein heißer Sommer werden können. Da sind rollende Köpfe verständlich.
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Wo jetzt Schleichwerbung einzuordnen ist kann ich so nicht sagen, evtl. stellt es einen atomaren Winter für WW dar?
Was ich aber sagen kann ist, dass die Zuschauer als auch die ÖR schlichtweg angelogen worden sind. Eine Entschuldigung alleine ist ein Thema für sich und reicht m.E. in der Regel aus.
Jedoch war bereits im Vorfeld bekannt, wie "ungern" man noch das Thema Schleichwerbung im Zusammenhang mit den ÖRs sehen wollte. Im Grunde wurde ein möglicher Ärger billigend in Kauf genommen und in diesem Sinne ist die Handlung auch nicht mehr entschuldbar, bei allem Respekt. Wobei man auch sagen muss, dass Suggestivfragen seitens Kerner ohnehin verführend genug sind ;)
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Ich würde das medial gar nicht aufbauschen, sondern schlichtweg abstrafen und gut. Sollte es dann zu Widerworten kommen, kann die Katze endgültig aus dem Sack gelassen und der Diskussion freien Lauf gelassen werden. Ansonsten ist die Sache so groß nicht - es gibt wichtigere Themen ;)
sportartmakler (21.12.2007, 08:12 Uhr)
todesstrafe
für so viel dreistigkeit...hochaktuell aus dem januar zudem....ein verbot muß her, egal welches;)
pureman (21.12.2007, 07:39 Uhr)
Schwachsinn...
..sich über solch eine Sache aufzuregen. Welch eine Sendung macht keine Schleichwerbung heutzutage? Zumal demnächst die Platzierung von Werbung in TV-Sendungen legalisiert werden soll. Ich finde ja, dass allein die Sendung "Kerner" schon Schleichwerbung für Bonaqua ist, oder nicht? Schließlich ist er ja DAS Werbegesicht des Leitungssprudelwassers. Und Sportübertragungen in den Öffentlich-Rechtlichen werden auch nicht als Werbesendung gekennzeichnet. Also nur nicht so auf eine der wenigen guten TV-Moderatorinnen mit Profil rumhacken!
docmart (21.12.2007, 07:23 Uhr)
Wie uninteressant....
...bitte Kerner den ollen Langweiler auch gleich mit entsorgen...gääähn.
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