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21. September 2009, 11:40 Uhr

Der Gummibären-GAU

Schon wieder ein Fall von Schleichwerbung bei den Öffentlich-Rechtlichen: In einer Sportsendung des SWR spielten Gummibären des Süßwarenherstellers Haribo nicht nur Golf, sondern auch eine zu große Rolle. SWR-Intendant Peter Boudgoust erwägt Konsequenzen.

Haribo, SWR, Flutlicht, Schleichwerbung, Boudgoust

Der SWR in Erklärungsnot: Was sucht ein Goldbär (hier mit Franz Beckenbauer) auf dem Golfplatz?© Thomas Frey/DPA

Der NDR hat seinen Fall "Heinze", der SWR muss nun für seinen Gummibären-GAU geradestehen. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" durfte sich der Süßwarenhersteller Haribo während einer SWR-Sportsendung ausgiebig im gebührenfinanzierten, öffentlich-rechtlichen Fernsehen präsentieren. Haribo war Sponsor eines Benefiz-Golfturniers, von dem der SWR in seiner Sendung "Flutlicht" Ende August berichtete. Ein rund zehnminütiger Beitrag habe streckenweise wie ein Haribo-Werbefilm angemutet.

So habe etwa das Goldbären-Maskottchen Golf gespielt, Fußballspiele seien mit Gummibärchen nachgespielt worden, und die Marke des Süßwarenherstellers sei insgesamt 20 Mal im Bild gewesen. Viermal wurde der Name genannt oder gesungen. Dem Bericht zufolge wurde in der "Flutlicht"-Sendung sogar ein alter Werbespot gezeigt, inklusive der Werbemelodie "Haribo macht Kinder froh". Moderiert wurde die Benefiz-Veranstaltung von Holger Wienpahl, freier Moderator des SWR. Von dem Golfturnier habe Wienpahl ein Interview für "Flutlicht" mit Stargast und Mitveranstalter Franz Beckenbauer geführt und dabei den Namen des Sponsors Haribo genannt. Wienpahl sagte dem Nachrichtenmagazin dazu, er sei von dem Unternehmen weder beauftragt worden, die Gala zu moderieren, noch von diesem honoriert worden.

Lieber Gummi anstelle von Löchern

Wie der Leiter der SWR-Sportredaktion Claus-Dieter Gerke dem "Spiegel" erklärte, hatte Haribo lange vor der Sendung vorgeschlagen, die gesamte Sportsendung live vom Golfplatz zu übertragen und einen Teil der Kosten zu übernehmen. Das habe Gerke abgelehnt. Zwar sei er nicht glücklich über den SWR-Beitrag, aus Zeitmangel soll es aber nicht anders möglich gewesen sein: "In der Masse waren die Haribo-Elemente unhaltbar. Es gab jedoch keine Möglichkeit mehr, den Beitrag ausreichend zu ändern." Um kein Loch in der Sendung zu haben, habe er schließlich sein Okay gegeben.

SWR-Chefredakteur Fritz Frey sieht in dem Fall eine "klare Grenzüberschreitung, die nicht zu akzeptieren ist. Das schadet dem Ruf des Sportjournalismus in der ganzen ARD". Direkte Konsequenzen aus dem Vorfall will Frey jedoch offenbar nicht ziehen. SWR-Intendant Peter Boudgoust sieht das jedoch anders. Gegenüber stern.de sagte er, dass diese Sendung "auch hausintern auf heftige Kritik gestoßen" sei. "Das Unternehmen hätte nicht in der erfolgten Weise ins Bild gesetzt werden dürfen. Dies setzt uns fälschlicherweise dem Verdacht aus, Schleichwerbung betrieben zu haben. Nachdem ich mich davon überzeugt habe, dass dies den verantwortlichen Kollegen unmittelbar nach der Sendung mit einer scharfen Rüge unmissverständlich klargemacht wurde, gehe ich davon aus, dass künftig die notwendige Sensibilität für Sachverhalte dieser Art vorhanden ist." Nach dem vorläufigen Erkenntnisstand habe der SWR "keinen finanziellen Vorteil durch diese Berichterstattung" erhalten. Boudgoust habe die Revision des SWR beauftragt, den Vorgang gründlich aufzuklären und der Geschäftsleitung umfassend zu berichten. "Vom Ergebnis dieses Berichtes werde ich weitere Konsequenzen abhängig machen."

Katharina Miklis
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
warumdennnicht (21.09.2009, 19:44 Uhr)
Ist nicht der einzige Fall ...
... von Schleichwerbung beim SWR in den letzten Wochen.
Am 19. August 2009 wurde in der Nachrichtensendung Landesschau ein Bericht über die Spedition Pfenning gezeigt, in diesem Bericht wurde über neun Sekunden lang das Waschmittel SPEE von allen Seiten in allen Details vorgeführt, ohne Bezug oder Zusammenhang zum Bericht. Damit macht sich der SWR nicht nur zum Kasperl bestimmter Firmen, er gefährdet vor allem Arbeitsplätze und die Existenz arbeitender Menschen, die ihr Geld eben nicht mit Haribo oder SPEE verdienen.
Die eigene Existenzgefährdung müssen die Betroffenen mit ihren Zwangsrundfunkgebühren mitfinanzieren. Und auf meine schriftliche Nachfrage ist der SWR bis heute auch noch zu feige zu antworten.
Malt (21.09.2009, 14:05 Uhr)
@endbenutzer
Kommt vermutlich vom Namen: Gott und Schalk (Wikipedia sagt hier: Erst später erhielt der Begriff Schalk die heutige Bedeutung eines Menschen, der ohne böse Absicht in launiger Verstellung einen listigen Scherz macht.)... der Name ist faktisch Programm ;-)
endbenutzer (21.09.2009, 13:51 Uhr)
Und was ist mit der...
...Dauerwerbesendung "Wetten, dass..."? Ach stimmt ja: Gottschalk hat ja Narrenfreiheit...
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