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Wetten, dass ... wieder ein Auto verlost wird?

16. Januar 2013, 19:45 Uhr

Bei "Wetten, dass ..?" wird am Samstag erneut ein Auto verlost. Trotzdem weist ZDF-Intendant Bellut den Vorwurf der Schleichwerbung zurück - und kritisiert indirekt Thomas Gottschalk.

"Wetten, dass ..?", Thomas Gottschalk, Markus Lanz, Thomas Bellut, Schleichwerbung

Der Moderator und sein Audi: In seiner letzten "Wetten, dass ..?"-Sendung präsentierte Thomas Gottschalk noch einmal medienwirksam ein Auto.©

Ungeachtet aller Schleichwerbungsvorwürfe wird bei der nächsten "Wetten, dass ..?"-Ausgabe an diesem Samstag (20.15 Uhr) in Offenburg wieder ein Auto der Marke Audi verlost. Das bestätigte eine ZDF-Sprecherin. Zu Beginn dieser Woche hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" dem Sender vorgeworfen, jahrelang nicht erlaubte Produktplatzierung in Europas erfolgreichster TV-Show betrieben zu haben.

Im Zentrum der Kritik steht die Firma Dolce Media mit Geschäftsführer Christoph Gottschalk, dem Bruder von Ex-"Wetten, dass ..?"-Moderator Thomas Gottschalk. Sein Unternehmen, an dem die ZDF-Tochter ZDF-Enterprises bis vor einigen Jahren beteiligt war, hatte der Show Partner aus der Industrie beschafft. Diese halfen dabei, den Aufwand der kostspieligen Show für das ZDF geringer zu halten. Nach Darstellung des "Spiegel" soll für die Produktplatzierung zusätzliches Geld an Dolce Media geflossen sein.

"Das ZDF hat in den vergangenen Jahren keine Schleichwerbung betrieben", sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut der am Donnerstag erscheinenden Wochenzeitung "Die Zeit". Bellut war selbst zuvor viele Jahre Programmdirektor. Es sei nach dem Abschied Thomas Gottschalks einfacher, "die Regeln einzuhalten", so Bellut weiter. Gottschalk hatte "Wetten, dass ..?" von 1987 bis 2011 fast lückenlos moderiert. Tatsächlich fallen die Hinweise auf Sponsoren vergleichsweise zurückhaltend aus, seit Lanz moderiert. Der Südtiroler tritt in der Sendung nicht als Werber auf, ist defensiver als Gottschalk.

Bellut hält an Sponsoring fest

"Der Spiegel" nannte Daten aus einem Vertrag, den Dolce Media mit Daimler abgeschlossen hatte und in dem gestanden haben soll, wie die Autos am besten in Szene gesetzt werden sollten. "Das ZDF kennt nur einen Entwurf dieses alten Vertrags. Darin stand davon nichts", rechtfertigte sich Bellut. In den Entwürfen habe es keine Absprachen gegeben, die irgendeine Relevanz auf dem Bildschirm gehabt hätten. "Sollten ohne unser Wissen Vereinbarungen über die Platzierung von Produkten gemacht worden sein, wäre das rechtlich unzulässig."

Schon vor einigen Jahren musste das ZDF wiederholt den Vorwürfen der Schleichwerbung und der nicht gestatteten Produktplatzierung entgegentreten. Dafür schuf der Sender 2004 eine Clearingstelle und entwickelte einen Kodex mit Richtlinien für Werbung, Sponsoring, Gewinnspiele und Produktionshilfe.

Laut "Zeit" hält Bellut an Gewinnspielen, Werbung und Sponsoring im öffentlich-rechtlichen Fernsehen fest und sieht auch in der Reform des Rundfunkbeitrags keinen Anlass, sie abzuschaffen. "Würden sie gestrichen, müssten die Beiträge erhöht werden." Die Diskussion solle aber weitergeführt werden.

Gottschalk distanziert sich

Moderator Thomas Gottschalk hatte sich bereits am Montag von der Berichterstattung rund um Schleichwerbung distanziert. "Thomas Gottschalk war weder Vertragspartner der im aktuellen 'Spiegel' erwähnten Verträge, noch war er an den Verhandlungen oder Abschlüssen beteiligt", ließ der 62-Jährige über seinen Anwalt verbreiten. "Ihm persönlich ist daher in diesem Zusammenhang auch keinerlei Fehlverhalten vorzuwerfen, so dass es auch keinen Grund gibt, sich konkret hierzu zu äußern."

Gottschalks Bruder konnte sich nach Darstellung seiner Firma wegen eines Auslandsaufenthalts zunächst noch nicht äußern. Es sei aber richtig, dass Dolce Media für Unternehmen wie "Daimler, Solarworld und Audi Leistungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit teils erbracht hat, teils weiterhin erbringt." Dolce Media habe zu keinem Zeitpunkt Rechtsvorschriften verletzt. Die Firma habe dem Sender zu keinem Zeitpunkt Vorgaben gemacht, die die redaktionelle Freiheit des ZDF berührten.

che/DPA

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