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3. April 2009, 11:30 Uhr

Untergang mit Hitler

So richtig hatte man von Anfang an nicht geglaubt, dass das klappen könnte. Harald Schmidt und Oliver Pocher versuchten trotzdem, gemeinsam witzig zu sein. Bis zuletzt standen sich beide dabei im Weg. Gestern lief die letzte Folge von "Schmidt und Pocher". Ein Ende mit Schrecken. Von Katharina Miklis

Schmidt und Pocher, Oliver Pocher, Harald Schmidt, Sat1, ARD

Sie lachten noch, da hatte es das Publikum längst aufgegeben: Harald Schmidt und Oliver Pocher© Henning Kaiser/DDP

Es ist vorbei. Was in Erinnerung bleibt, sind Dinge wie Vaginal-Sekret, Nazometer, Stauffenberg. Skandale? Von wegen! Der einzige Skandal des missglückten TV-Experiments "Schmidt und Pocher" war der Mangel an Gags. Muschi und Nazi ziehen immer. Von Schmidt und Pocher hatte man mehr erwartet.

Es war ein Ende ohne Lacher. Bisschen Hitler, bisschen Pooth, vor allem aber ging es in der letzten Sendung "Schmidt und Pocher" um: Schmidt und Pocher. Beide werden ab Herbst getrennt voneinander auf Late Night machen. Gestern machten sie erstmal auf dicke Hose. Es ging um Schmidts Zukunft in der ARD und vor allem um Pochers neuen Exklusiv-Vertrag mit Sat1, mit dem Schmidts Show-Ziehsohn Mitte der Woche überraschte. Überbrückungskredite, Sendeplätze und Produktionsräume... Pocher bemerkte zwar, dass der medieninterne Tratsch die Zuschauer nicht interessieren könnte, auf die wurde jedoch in der letzten Sendung keine Rücksicht genommen. Wie so oft in den letzten Monaten.

Man feierte sich selbst. Wenn die anderen es schon nicht tun. Schmidt feierte Pocher als "Late-Night-King" und gratulierte zum "Mega-Deal des Jahres in der deutschen Entertainment-Branche". Zwischendurch wurde immer wieder auch betont, man hätte sich nie gestritten und wäre gut miteinander ausgekommen. Vor allem Pocher schien dies ein Anliegen zu sein. Immerhin ist er einmal von seinem Helden vor laufenden Kameras als "kleine miese Type" abgekanzelt worden.

Schlag den Raab - und den Schmidt

Das war aber auch schon alles an Reibereien vor laufender Kamera. Leider. Dieses trostlose Nebeneinanderherleben hatte etwas von einer in die Jahre gekommenen Ehe, der die Leidenschaft verloren gegangen ist. Einer Ehe, in der keiner mehr den anderen ran lässt. Man hätte sich gewünscht, dass es klappt mit dem schönen Paar. Ein bisschen ist man jetzt aber froh, dass es vorbei ist. Schon die letzten Monate lebte man in Scheidung. Die Zurückhaltung, Lustlosigkeit, Harmoniebedürftigkeit und fehlende Hemmungslosigkeit, mit der die ungleichen Moderatoren den Zuschauer straften, war teilweise nicht mehr auszuhalten.

Um den ARD-Hierarchen ein letztes Mal auf die Füße zu treten, streiften sich Schmidt und Pocher zwar in der letzten Sendung rote Armbinden aus Mel Brooks' "Nazi-Musical" The Producers über den Oberarm, doch selbst die empfindlichen Aufsichtsräte werden dafür nur ein müdes Lächeln übrig gehabt haben. Wenn sie nicht schon eingeschlafen waren. Jetzt ist es ja vorbei. Die Aufregung ist es nicht mehr wert.

Außer Hitler nichts gewesen. Von Pocher gab es zwar wieder Podolski-Parodien, die sich in den letzten Monaten zu den wenigen lustigen Momenten der Show gemausert hatten. Er griff aber auch auf alte Gags über Mario Barth zurück, die er den Abend zuvor schon bei Johannes B. Kerner verbraten hatte. Pocher ist immer gut, wenn er offensichtlich imitiert (Podolski, Kahn) und wird peinlich, wenn er versucht, zu sehr wie Schmidt zu sein. Oder wie Stefan Raab. Wenn er zu Beginn der Sendung mit einem Raab'schen Schulterzucken versucht, den Applaus zu stoppen, fragt man sich, ob er das wirklich nötig hat. Pocher ist witzig. Ja, das ist er wirklich. Er darf nur nicht wollen, sondern muss einfach machen. Und das könnte bei Sat1 schwierig werden, wenn er einmal die Woche auf Knopfdruck lustig sein muss.

"Mittwoch ist gut, Freitag ist Genickschuss"

Burnout-Schmidt, dem in den vergangenen Wochen Müdigkeit anzusehen war, sieht in Pocher allerdings - zumindest vor den Kameras - einen besseren Raab: "Täglich 'TV Total' zieht nicht mehr. Du hast die Power. Sat1 hat dich gekauft, um dich auf Raab anzusetzen."

Schmidt und Pocher, Oliver Pocher, Harald Schmidt, Sat1, ARD

Hier fühlen sich Schmidt und Pocher wohl: umrahmt vom SS-Ballett des Hitler-Musicals "The Producers"© ARD/Klaus Görgen

Dass Pocher auch für Schmidt selbst zum Konkurrenten werden könnte, lässt ihn - scheinbar - völlig kalt. Pochers Sendeplatz bei Sat1 ist noch nicht festgelegt. "Mittwoch ist besser", so Schmidt, "Freitag ist Genickschuss. Oder mach' es Donnerstag. Gegen mich." Schmidts Pöbeln gegen Pocher entlarvt sein Konkurrenzdenken dann aber doch: "Wir haben dich schon platt gemacht, als du noch an Hundeärschen gerochen hast," sagt Schmidt. Das Publikum lacht. Dabei war es eine der ernsthaftesten Aussagen des Abends. Es hieße doch immer, Late Night könne nur einer, fürchtet Pocher. "Das ist richtig", sagt Schmidt. "Aber das ist ja kein Grund für dich, das nicht zu machen".

Am Ende tanzt das SS-Ballett aus dem "Producers"-Musical zu den fröhlichen Klängen von "Frühling für Hitler". Im Studio ist eher Herbst-Stimmung. Schmidt will jetzt wieder was mit Anspruch und Intellekt machen. Pocher geht zu Sat1. Immerhin kann er dem ganzen Experiment etwas Positives abgewinnen. Über seine neue Show bei Sat1 sagt er: "Das Konzept ist: Ich nehme das Beste von hier mit". Was das sein könnte, fragt sich auch Harald Schmidt: "Was denn? Ich bleibe".

Von Katharina Miklis
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
joaka (04.04.2009, 19:45 Uhr)
Endlich ist dieser Schwachsinn beendet
Endlich ist dieser Schwachsinn beendet. Auch Schmidt ist nicht nicht anzusehen! Vergeudete Sendezeit!
edewecht (04.04.2009, 16:51 Uhr)
gutes Gespann
Eigentlich hatte mir das Gespann Schmidt/Pocher ganz gut gefallen und ich habe die Sendungen gerne gesehen. Jetzt trauere ich der Sendung sicherlich hinterher. Schmidt müsste sich schon sehr steigern.
h.morun (04.04.2009, 11:23 Uhr)
Farblos
Gesichtslos, Geschmackslos.Wenn das das Los der Fersehzuschauer ist- gut'Nacht.
Chris24 (04.04.2009, 08:28 Uhr)
Pocher und Schmidt
Ich habe die Sendung schon länger nicht mehr gesehen. Als ich sie das letzte Mal gesehen habe, bin ich eingeschlafen. Die Moderation von Pocher beim Echo war schrecklich. Er kann wie Schöneberger überhaupt nicht moderieren und die Witze in der Show mit Schmidt waren fade und peinlich. Schmidt ist schon lange nicht mehr so gut wie vor 12 Jahren, es ist wohl besser die Show abzusetzen. Pocher lebt davon, sich alles zu trauen und Witze auf Kosten anderer zu machen. Das ist teilweise witzig, aber meist geht es daneben und ist dann nur peinlich.
status-quo-fan (03.04.2009, 22:42 Uhr)
höherer Schwachsinn, Frau Miklis
Einen schwachsinnigeren Kommentar als den von Frau Miklis hab ich schon lange nicht mehr gelesen.
Wenn Ihnen nichts besseres als solche Sottisen einfallen, sollten Sie ernsthaft über einen Berufswechsel nachdenken!
wachtmeisterdull (03.04.2009, 17:41 Uhr)
Pocher
" "Schmidt und Pocher" war der Mangel an Gags. Muschi und Nazi ziehen immer. Von Schmidt und Pocher hatte man mehr erwartet."
Ganz ehrlich: "Muschi" ist doch ganau Pochers Stil. Er ist eben etwas asozial. Entschuldigung für meine Ausrucksweise.
Also von Pocher hatte ich auf keinen Fall "mehr erwartet".
Allerding muss ich sagen, dass ich von Schmidt ein wenig emttäuscht war. Er hatte sich an Pochers extrem verabschäuenswertes, unterstes Niveau und diese Witze herangetastet. Ich konnte von Anfang an nicht verstehen wie Schmidt sich mit so einem Komiker, dessen Witze dermaßen flach sind, einlassen konnte.
Über das Ende bin ich sehr froh, und ich hoffe, Schmidt macht bald wieder eine Solo-Sendung auf einem ihm angemessenen Niveau.
Er könnte sich jedoch auch einen ihm geistig und komödiantisch gleichwertigen Partner suchen.
oberharz1980 (03.04.2009, 17:21 Uhr)
Schade
Ich fand die Sendung nicht schlecht. Zusammen waren sie gut.
Allein ist Herr Pocher nicht so mein Fall. Er neigt dazu, ziemlich gemein und beleidigend statt lustig zu sein.
Na ja, mal sehen was kommt.
bR4iNST0RM (03.04.2009, 17:06 Uhr)
Überflüssig
Bei Pocher fällt mir immer ein Spruch ein: besser arm dran als Arm ab. Das letzte Mal, als ich über den Sinn von Pochers Existenz im TV kommentierte, wurde ich von anderen Kommentatoren regelrecht als Ketzer hingestellt, da ich ihn für absolut überflüssig halte.
Scheint sich geändert zu haben. Freut mich.
Vincent_Vega (03.04.2009, 16:53 Uhr)
Wer braucht einen Grund, die öffentlich-rechtlichen noch zu gucken?
Ich habe einen: WENN mal ein Blockbuster auf den öffentlich-rechtlichen läuft kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass es nicht nur keine Werbepausen gibt; nein, diese nervliche Werbung für Serien und Filme auf den privaten, die mitten im Film links, recht oben oder unten am Bildschirm eingeblendet werden inkl. Ton, entfällt.
Letztens habe ich "Departed" gesehen;
Herrlich: nicht einmal tauchte eine dieser Einblendungen an den Seiten auf, um mich auf Jurassic-Park auf einem Privaten aufmerksam zu machen.
Dafür -und ihre Dokus- lohnen sich die Privaten noch.
miho2008 (03.04.2009, 15:42 Uhr)
Pocher nervt nur...
wenn ich Pocher auf der Mattscheibe sehe, schalte ich meist schnell weg, kann denn nicht ertragen. Jetzt könnte man auch wieder Schmidt schauen, da kann es jetzt nur besser werden. Auf jeden Fall ist Pocher für mich der mit Abstand schlechteste Komödiant in ganz Deutschland. Sat 1 schaue ich eh fast nie, gut so.
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