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Alle Fische fliegen hoch

Manche Filme sind so schlecht, dass sie schon wieder gut sind. Einer dieser Filme ist "Sharknado". Warum Haie, die durch Wirbelstürme fliegen, ein Meisterwerk sind.

Von Christoph Fröhlich

  Manchmal hilft nur noch eine Kettensäge: Mit viel Anlauf springt Hauptfigur Fin in einen riesigen Hai. Warum der Räuber so groß ist, wird allerdings nicht erklärt.

Manchmal hilft nur noch eine Kettensäge: Mit viel Anlauf springt Hauptfigur Fin in einen riesigen Hai. Warum der Räuber so groß ist, wird allerdings nicht erklärt.

Aliens, Killerroboter, Zombies, Riesenspinnen, all das will doch niemand mehr sehen. Vergesst Piranhas! Hinfort mit Vampiren! Die Zukunft gehört den Haien. Haie sind unersättlich, blutrünstig, sie haben jede Menge Zähne und sind perfekt an ihre Umgebung angepasst. Kurz: Sie sind die idealen Killer und lassen selbst Riesenkraken oder Megakrokodile alt aussehen. Im Horrorfilm reicht es schon, eine heranschwimmende Flosse zu sehen, schon wackelt der Zuschauer nervös auf dem Sitz herum. Diese Urangst wurde ausgelöst durch Steven Spielbergs "Der Weiße Hai", auf die Spitze getrieben wird sie im Trashfilm-Epos "Sharknado", der heute Abend auf Tele 5 (20.15 Uhr) im Rahmen der Reihe "Die schlechtesten Filme aller Zeiten" mit Oliver Kalkofe läuft.

In "Sharknado" treibt nicht nur ein Hai sein Unwesen, sondern gleich ein ganzer Schwarm, der zu allem Überfluss auch noch in einem Tornado wirbelnd Los Angeles heimsucht. Klingt dämlich? Ist es auch. Das ist sogar die bekloppteste Idee, die die Filmbranche seit langem hatte. Und allein dafür gebührt den Machern jeder Respekt.

Ein Tornado voller Haie

Im Grunde erzählt der Titel bereits die gesamte Geschichte: In "Sharknado" geht es um einen Tornado, der Tausende hungrige Haie und Unmengen von Salzwasser aus dem Meer saugt und direkt über die Westküste der USA hinwegfegt. Hauptfigur ist der Barbesitzer Finn, der gespielt wird vom etwas abgehalftert wirkenden Teenie-Idol Ian Ziering, dem Steve aus "Beverly Hills 90210". Er macht sich mit seinen Freunden auf dem Weg zu seiner Ex-Frau April - gespielt von Tara Reid, der Vicky aus "American Pie" - und der gemeinsamen Tochter Claudia, um diese vor den Wassermassen zu retten. Beziehungsweise dem, was in den kalten Fluten lauert. Denn es dauert nicht lange, da schwimmt ein Hai im Wohnzimmer der frisch vereinten Familie, der - kein Witz - mit einer Schrankwand bekämpft wird.

Ernst nehmen kann und sollte man die hanebüchene Geschichte nicht. Sie enthält so viele Logiklöcher, wie im Film Haie vom Himmel regnen - und das sind sehr viele. Niemand sollte sich fragen, wie die Fische in dem Wirbelsturm atmen, wie sie so zielgerichtet aus dem Tornado auf Menschen und Autos springen können oder warum sie sich in dem riesigen Durcheinander eigentlich nicht gegenseitig verletzen. Stattdessen sollte man zu einem kühlen Bier greifen, den Film gemeinsam mit Freunden genießen und sich an der Einfachheit dieses Machwerks ergötzen. Dann stört man sich auch nicht an den miesen Schauspielern, der schrecklichen Musik oder dem beinahe unverschämten Drehbuch.

Meinen die das ernst?

Allein die Dialoge sind in ihrer bodenlösen Blödsinnigkeit kaum zu übertreffen. Beispiel gefällig? Bitteschön: "Der Sturm lässt nach." "Woher willst du das wissen?" "Es fliegen gerade nicht so viele Haie herum." Auch an abgedroschenen Sätzen, die in jedem Genrefilm vom Grabbeltisch auftauchen, herrscht kein Mangel: Von "Ich kann hier nicht herumstehen und nichts tun" bis "Solange wir hier drin sind, sind wir sicher" sind sämtliche Klassiker vertreten. Und das Schlimmste, oder das Beste, je nach Sichtweise: Die dazugehörigen Szenen sehen genauso aus, wie man sie sich beim Lesen vorstellt.

Doch zurück zu den Stars des Films, den Haien. Sie sind zum Glück so billig animiert, wie es sich jeder Trashfilm-Fan erhofft hat. Sie sehen aus, als wären sie auf einer 15 Jahre alten Spielkonsole entstanden und direkt in den Film hinein geschnitten. Auch sonst sieht man dem Film das niedrige Budget an, einige Haischwarm-Aufnahmen etwa sind direkt aus diversen Dokumentationen geklaut, die Schauspieler werden mit grotesken Rückprojektionen ins Geschehen gesetzt. Oft sitzt man ungläubig vor dem Fernseher und fragt sich, ob die Macher so etwas wirklich ernst meinen können. Die Antwort kann nur lauten: Nein, das tun sie nicht.

  Ein Blick in den "Sharknado"

Ein Blick in den "Sharknado"

"Hollywood bringt dich um"

Denn was "Sharknado" von anderen Trashfilmen abhebt, sind der Humor und die schrägen Einfälle. Mancher B-Movie-Streifen scheitert daran, mehr sein zu wollen als stumpfsinnige Unterhaltung. Nicht so dieses Haigemetzel: Versuchen die Protagonisten anfangs noch, die Raubfische mit Baseballschlägern zu vertreiben, sind es am Ende Kettensägen und Bomben. Eine der bescheuertsten Szenen zeigt einen Mann nach dem überstandenen Sturm, der sagt: "Meine Mama hat immer gesagt: Hollywood bringt dich um". Eine Sekunde später wird er von einem riesigen Buchstaben des Hollywood-Schriftzugs erschlagen. Es sind platte Gags wie dieser, die den schwachsinnigen Film zum Hit bei Männer-und-Bier-Abenden adeln.

Der Erfolg von "Sharknado" zeigt, dass billige Trashfilme endgültig im Mainstream angekommen sind. Produziert wurde er vom Studio The Asylum. Sie sind die Könige der Mockbuster, billiger Kopien bekannter Blockbuster. Aus ihrer Feder stammen Perlen wie "Snakes on a Train" (statt "Snakes on a Plane"), "Transmorphers" (statt "Transformers") oder "Atlantic Rim" (statt "Pacific Rim""). Mit "Sharknado" haben sie sich aber ein Denkmal gesetzt. Der Film ist - bis auf eine schmalzige Szene, in der ein Schulbus gerettet wird - nicht eine Minute langweilig. Da knattern Kettensägen, explodieren Bomben, rollen Riesenräder durch die Straßen. Es ist ein - Achtung, billiger Wortwitz - Haidenspaß!

Am Ende stehen die Helden blutüberströmt auf einem Flugfeld, sie küssen sich, nehmen sich angesichts der überstandenen Katastrophe in dem Arm. Und um sie herum liegen Dutzende blutige Haie. Doch die Ruhe währt nur wenige Minuten: Direkt im Anschluss wird Manhattan von der Sharkokalypse heimgesucht.

"Sharknado" läuft am 26. März um 20.15 Uhr auf Tele 5, anschließend läuft um 22.40 Uhr "Sharknado 2". Teil 3 läuft am Ostersonntag um 20.15 Uhr.

P.S: Diese Überschriften haben es leider nicht über den Text geschafft

• Ein echtes Hailight!
• Viel Wirbel in der Hai-Society
• Ein Film, der einhaizt
• Mit Walen wäre das nicht passiert
• Der Film zum Hai Tai
• Haiter bis wolkig
• Hailife in LA
• Haidschi Bumbeidschi
• Hai, pfeif!

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