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5. September 2008, 12:58 Uhr

Der Sieg der Pöbelmaschinen

Derzeit vergeht kein Tag, ohne das die professionellen bösen Buben der deutschen Popmusik Bushido und Sido öffentlich auftreten. Während sie bei Konzerten den harten Rapper markieren, geben sie sich zahm zur besten TV-Primetime. Was steckt hinter dieser Schizophrenie? Von Sophie Albers

Meister auf der Klaviatur der öffentlichen Aufmerksamkeit: Bushido© Arno Burgi/DPA

Böse Buben auf allen Kanälen: Am Donnerstagabend beherrschten die Berliner Rapper Sido und Bushido das Fernsehprogramm. 20:15 Uhr: Bushido tritt neben Claudia Roth und Heiner Lauterbach in der ARD-Quizsendung "Wie deutsch bist du wirklich?" an. Sido ist zeitgleich bei der ProSieben-Castingshow "Popstars" als Juror zu sehen. Kurz vor Mitternacht trifft er auf N24 auch noch Michel Friedman. Damit haben die beiden alle Zielgruppen erreicht - vom Zahnspangen-tragenden Teenager bis zum Familienvater. Das Fernsehen wäscht die harten Kerle mit der dreckigen Sprache rein. Die PR-Rechnung ist aufgegangen. Denn diese Karriere aus dem Nichts ist auch eine Geschichte der Berechnung.

Gerade mal zwei Jahre ist es her, da hatte die Musikbranche keine Lust auf Bushido. Als der Berliner Rapper 2006 bei der Verleihung des Musikpreises Echo auf die Bühne schritt, war es plötzlich still im Saal. Die Kameras fingen im Publikum besorgte Blicke ein. Der Abend, an dem sich die deutsche Musikindustrie alljährlich selbst feiert, hatte mit Worten über die "deaggressivierende Wirkung" der Musik begonnen, und nun stand da dieser Typ mit dem dicken Tattoo am Hals, von dem Songs auf dem Index stehen, weil er darüber rappt, dass er dealt und alles "fickt", tötet, sprengt, was sich ihm in den Weg stellt - oder was auch nur zufällig am Rand steht.

Gerade mal ein Jahr später darf er bei der gleichen Veranstaltung auftreten. Es wird geklatscht und getrampelt, als er sich wieder Preise abholt. 2008 wird Mainstream-Komiker Oliver Pocher den Bühnenbösewicht geradezu liebevoll verulken. Das Showgeschäft hat die Arme weit geöffnet, in die Bushido sich schmiegt. Um sein Outlaw-Image zu retten, sagt er ins Mikrofon: "Wenn das hier eine Privatparty wäre, Ihr hättet mich nicht eingeladen." Oh doch, hätten sie, denn die Kantigkeit des Unterschichthelden gilt mittlerweile als schick - und lässt die Kassen klingeln.

Die Bösewichte, die wir verdienen

Gangsta-Rapper wie Bushido und Sido haben in kürzester Zeit unglaubliche Karrieren hingelegt. Vom Kleinkriminellen zum Superstar, weil es das Publikum so wollte, weil sie wiederum wissen, was das Publikum will. Eine ganze Gesellschaft scheint dankbar, dass es sie gibt. Für die Fans sind sie Helden und Provokationswerkzeug, für die Intellektuellen ein Sozialexperiment und für die Kritiker ein endlich mal klar definiertes Feindbild, an dem man sich abarbeiten kann. Sie selbst sehen sich als Geschäftsmänner.

Vor allem Bushido weiß auf der Klaviatur der öffentlichen Aufmerksamkeit zu spielen. Popularität erreiche man, indem man dafür sorgt, dass das Gegenüber sich immer gut fühlt, erklärt der gelernte Maler und Lackierer seinen Erfolg. Man müsse den Leuten geben, was sie erwarten. Das allein reicht natürlich nicht aus - das wissen wir spätestens seit Madonna. Der entscheidende Hebel ist der kontrollierte Erwartungsbruch. Oder können Sie sich etwas Rührenderes vorstellen als einen harten Kerl, der plötzlich ganz weich wird?

Alles Missverständnisse

Jeder, der Sido und Bushido einmal zum persönlichen Gespräch getroffen hat - und das auch schon vor dem Karriereschub -, wurde überrascht. Sowohl "Maskenmann" Sido als auch "Staatsfeind" Bushido zeigen sich als sympathische, freundliche, zuweilen charmante Gesprächspartner, die zuhören, Argumente austauschen und signalisieren, dass sie über das, was sie da tun, viel und lange nachdenken. Gewaltverherrlichung, Frauenfeindlichkeit, Homophobie? Alles Missverständnisse, alles nicht so gemeint. Da helfen auch keine Textbeispiele. Fast alles wird widerlegt oder einfach mit einem ironischen Lächeln weggewischt. Während auf der Bühne verbal Blut und Sperma spritzen, wird im Gespräch die weiche Seite zelebriert. Plötzlich erzählt der Staatsfeind von Spießerträumen, dass er doch nur in Ruhe seine Hecken schneiden wolle, während der Maskenmann den Spießertraum mit Langzeitfreundin offenbar sogar schon lebt. Das ist eine überaus erfolgreiche Schizophrenie.

Aber zurück zum vorläufigen Höhepunkt der gegenseitigen Anbiederung von Rapper und Publikum, dem Fernsehabend: Über "Wie deutsch bist du wirklich?" sind nicht viele Worte zu verlieren. Einziger Zweck der Sendung schien die Veralberung des Einbürgerungstests. Interessant ist jedoch, dass es Bushido, der sich hauptsächlich plakativ langweilte, als ganz normaler Showstar ins öffentlich-rechtliche Fernsehen geschafft hat. Das war keine Talkshow, die seine Erfahrungen als Ghetto-Experte thematisierte. Er war ein Promi wie andere auch, der sittsam gekleidet sein Gesicht in die Kamera hielt. Inhalt? Komplett irrelevant.

Auch Sidos bedröppeltes Gesicht, wenn er kleinen Mädchen sagen muss, dass sie leider doch keine Popstars sind, ist völlig unauffällig. Die vollmundigen Versprechungen, dass er der neue Dieter Bohlen sei, haben sich bisher nicht erfüllt, denn Sido ist nett, geradezu emphatisch, gibt sich als Pädagoge. Es scheint ihm wirklich nahe zu gehen, wenn eines der Casting-Opfer in Tränen ausbricht. Sein großer Auftritt sollte später kommen.

Rapper-Rührstück

Nämlich bei der Sendung "Friedman schaut hin". Es war wohl das ehrlichste Spektakel dieses abendlichen Rapper-Rührstücks, das es bisher zu sehen gab, gerade weil es das verlogenste war: Als Vertreter des Establishments trifft ein Brathähnchen-brauner Friedman einen blassen Jungen von der Straße, der es zu etwas gebracht hat. Er führt ihn vor, stellt die üblichen Fragen nach Gewalt und Ghetto, die die Diskussion von jeher beherrschen.

Zuweilen macht er sich gemein mit der Unterschicht, biedert sich an. "Ich nehme dich ernst, ich komme ohne Moral", betont Friedman mehrfach. Doch nur um Sido in den letzten Sekunden der Sendung zu verhöhnen, als er ihn in die Lounge eines Nobelhotels setzt und fragt, ob er denn klassische Musik möge. Egal, wie weit du kommst, hier wirst du nie hingehören, suggeriert Friedman. Und das muss sich ein Rapper, für den Drogen und Prostitution lyrischer Arbeitsalltag sind, von einem Mann sagen lassen, der vor fünf Jahren wegen einer Kokain- und Prostituiertenaffäre einen dramatischen Karriereeinbruch erlebte. Chapeau! Der Tabubruch sei spannend, sagt der Aggro-Talker Friedman, "ich bin rappiger als du". Die bösen Jungs haben gewonnen.

Von Sophie Albers
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
TT2007 (05.09.2009, 18:13 Uhr)
@Aggro-Vegefranz...
...endlich mal im richtigen Forum. Verarbeiten Sie Ihre Emotionen doch einmal musikalisch, vielleicht kommen Sie dann auch einmal zu Friedmann... :)
Erdbeerfeldheld (08.09.2008, 11:35 Uhr)
Jaja, immer die alte Leier....
Eigentlich muss man einer Diskussion über dieses Thema garnicht verfolgen um zu wissen das 99,5% der Schreiber von sich geben werden, und trotzdem habe ich es mir zum wiederholten Male angetan, bisher aber auch noch nie meine Meinung dazu kundgetan....aber nun tue ich es doch mal....
Ich hatte mal das Glück Sido persönlich zu treffen und mit ihm ca. zwei Stunden sprechen zu dürfen, und das noch bevor er sich die Maske übergezogen hat und damit in der breiten Öffentlichkeit stand und einem eher kleinen Kreis bekannt war. Und schon damals hat er bewiesen das er durchaus in der Lage ist eine sachliche und vernünftige Konversation zu führen weitab von den üblichen Themen die ein "Gangsterrapper" eigentlich haben sollte. Man mag zu seinem Image stehen wie man will, aber von den A.i.d.S.-Zeiten (Alles ist die Sekte) über den "Arschf...song" bis zum heutigen Tag wo er in "Augen auf" über Erziehung spricht hat sich doch einiges geändert, leider können oder wollen(und das glaube ich eher) die meisten nicht begreifen und bedienen sich verdrehten Fakten und gängigen Klischees die dem geneigten Leser lieber sind. Darum sind solche Gleichsetzungen von wegen "sondern gemeingefährliches gedankengut(massenvergewaltigung) hoffähig zu machen.
hakenkreuze und derlei wird verboten, verbreitung menschenverachtendes materials noch im tv gesponsort..."
selten dämlich und zeugen nicht gerade von großem Verstand. Muss ich jetzt davon ausgehen das du, Heiner5362, lieber Hakenkreuze in der Öffentlichkeit sehen würdest?
Also, wenn man das ganze differenziert und mit ein wenig Objektivität betrachtet sollte man feststellen das nicht alles was man sagt auch so gemeint ist und der durchschnittliche Jugendlich durchaus in der Lage ist solche Texte auch als Fiktion zu verstehen....wenn man ihn den lassen würde anstatt zu versuchen für ihn das denken zu übernehmen und irgendwelche dümmlichen Platitüden raus zu hauen.
Dewerth (06.09.2008, 20:28 Uhr)
Ich bewundere vegefranz...
… wie er es immer wieder schafft, aus der geschlossenen Anstalt heraus seinen Kommentarmüll hier abzuladen.
heiner5362 (06.09.2008, 18:53 Uhr)
ted herold und peter krauss
waren schon in den 60ern KOTZKANNEN.
möchtegern-adepten einer kultur, die sie nie verstanden haben.
und nun diese "alla alla lalla" -wichser, die noch nie bedrohung erlebt haben.
na klar, mit provo lässt sich geld scheffeln.
die alberne maske und sein arschficker verblöden aber eine ganze generation.
als volksschädlinge und demagogen einer anarchischen politik fordere ich für sie das gleiche wie damals raf-häftlinge.
diese kotztüten bringen jugendliche dazu nicht nur ihre zukunft zu versauen, sondern gemeingefährliches gedankengut(massenvergewaltigung) hoffähig zu machen.
hakenkreuze und derlei wird verboten, verbreitung menschenverachtendes materials noch im tv gesponsort...
nee ich wandere aus.
und an die "raap- oder hiphop luschen"
ihr seid dermassen arm an geist
macht euch zum kasper des geldes.
aua aua aua.
wie wärs wenn mal einer euer genöhle ernst nimmt und EURE tochter fickt.
vegefranz (06.09.2008, 15:48 Uhr)
Claudia Roth, die Schutzheilige der Intensivtäter
diese Leute sind von Ströbele, Roth, & Co ins Land geholt worden. Niemand traut sich, sie wieder zurückzuschicken. sonst wird man als Nazi diffamiert
DasBertl (06.09.2008, 10:29 Uhr)
Einfach nur ekelig
Nicht Rüpelhaft, nicht Ganster und von Ghetto haben die sowieso keine Ahnung... ein wenn ich den ach so tollen Ghettogangstern vom Grunewald mal ein richtiges Ghetto zeige dann laufen sie weinend davon... Bushidos( und die seiner "Mitstreiter") Texte sind weder witzig noch sonst etwas sondern meistens nur dumm, menschenverachtend und ekelerregend, bis auf ganz wenige Ausnahmen. Ich kann mich nur ein einziges Lied von Ihm erinnern, dass mich nicht abgestossen hat. Das er jetzt Anzug trägt ändert da auch nicht viel daran. Um es mit seinen Worten zu sagen, der a..gef... Hu...s.hn einer verschw... schw... Hün... soll sich mal ganz schnell verp....
semse (05.09.2008, 19:40 Uhr)
Bushido
Bushido ist ein Phanömen der Gangster der grad dabei war sein Abi zu machen aber abrach, der durch seine Art, Jugendliche und Politiker um sein Finger wickelt, mit ein Majorlabel hinterm Rücken die Stunde auf der Bühne 80000 € verdient, nebenbei noch eine Immobilien Firma am laufen hat die auch Mio Umsätze ausschüttet, der Typ ist kein Musiker, er ist Geschäftsman das behauptet er ja auch von sich selbst.
havranek (05.09.2008, 16:54 Uhr)
Alles nur Image!
Derjenige der diesen Artikel schrieb hat nicht viel Ahnung vom Thema, Jugendkultur kann man leider nicht lernen, man lebt sie!
Die einzigen die solche Personen ständig als Rüpel der Gesellschaft oder böse Buben bezeichnen seit IHR Reporter selber, niemand sonst!
Und jetzt plötzlich das Gegenteil gemerkt sobald ihr euch etwas näher mit diesen "Gangsta-Rappern" befasst habt, da seht ihr mal wie schlecht bisher über diese Personen recherchiert wurde!
Ich kenne auch genug Intellektuelle die gerne Sido hören, die Texte sind witzig und aktuell, daher kommt auch der Erfolg! Ne Maske allein reicht leider ned aus...
Klaus_P (05.09.2008, 16:44 Uhr)
Was ist schlimmer?
Ein paar möchtegern Spacken, die sich mit dummen Prollverhalten profilieren wollen oder die Medien die solchen Leuten noch eine Plattform bieten?
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