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Oh du heiliger Naidoo

Xavier Naidoo trommelte seine "Sing meinen Song"-Schäfchen zum Weihnachtskonzert zusammen - und alle folgten. Heraus kam ein gnadenlos lieblicher Musik-Weihnachtspunsch, der als Vorbild für die Feiertage dient.

Sing meinen Song

Rotwein, Schnaps, Whisky, Plätzchen und ein Katzenkalender: Das ist Weihnachten mit Xavier Naidoo.

In einer verschneiten Hütte in den österreichischen Bergen stoßen Xavier Naidoo, Christina Stürmer, die Prinzen, Hartmut Engler, Daniel Wirtz, Andreas Bourani und Yvonne Catterfeld mit Punsch an. "Lasst uns an das schöne Jahr erinnern und Party machen", sagt Naidoo. So weit, so idyllisch. Doch da wusste der Sänger noch nicht, dass das Jahr noch einen gewaltigen Shitstorm und eine zurückgezogene "Eurovision Song Contest"-Nominierung für ihn bereit hielt. Vox strahlte die aufgezeichnete Weihnachtsfolge von "Sing meinen Song" trotz der Skandale aus. Es wäre schade, wenn die Show nächstes Jahr wegen Naidoos kruder Aussagen ausfallen müsste. Denn für Zuschauer wie Teilnehmer ist "Sing meinen Song" meist lohnend.

Diese Staffel könnte beispielsweise Yvonne Catterfeld so etwas wie der umgekehrte Sarah-Connor-Effekt widerfahren. Connor hatte in der ersten Staffel überraschend viel Gefallen am Singen deutscher Texte gefunden und daraufhin ein ganzes Album mit dem Titel "Muttersprache" aufgenommen - ein riesiger Erfolg. Catterfeld beweist nun in der Weihnachtsfolge, dass ihr englischsprachiger Soul sehr gut steht. Selbst etwas Abgedroschenes wie "Let it Snow" wird dank ihr sexy. "Ich mag ja so deutsche Lieder eigentlich nicht", sagt Catterfeld tatsächlich. Und wird zuhause erst einmal ihre sechs deutschsprachigen Studioalben ins Kaminfeuer geworfen haben.

Nichts passt, aber es schmeckt

Zwei Songs dürfen die Musiker jeweils zum Besten geben. Naidoo drückt mit "The Power of Love" wie gewohnt auf die Tränendrüse, Stürmer ("Weihnachtszeit verbinde ich schwer mit Zimt"), nudelt "Merry Christmas Everybody" rockig durch, Bourani trällert mit Blick gen Himmel "Maria durch ein Dornwald ging". Alles wird zu einem gnadenlos lieblichen Musik-Weihnachtspunsch verrührt: Eigentlich passt nichts zusammen aber irgendwann schmeckt's trotzdem. Vergnügt Kekse mampfend wird mitgegroovt - egal, ob Hartmut Engler ein allemannisches Gedicht auf schwäbisch vorträgt oder die Prinzen sich ein sozialistisches Weihnachtslied wünschen. "Ich hab eure Toleranzgrenze unterschätzt", sagt Hartmut Engler. 

Und der Zuschauer die eigene: Die von den Künstlern viel gepriesene Authentizität und Freundschaft ist irgendwann tatsächlich zu spüren. Selbst Weihnachtsmuffel Daniel Wirtz darf so bleiben, wie er ist und springt in Rocker-Manier auf den mittlerweile mit Schnaps- und Weingläsern schwer beladenen Tisch. Andreas Bourani lacht Tränen über Englers Katzenkalender als Wichtelgeschenk, Xavier Naidoo beschwert sich darüber, dass er als Sternsinger immer Melchior sein musste.

Man mag sich, man lacht über sich, man betrinkt sich. Und damit lebt "Sing meinen Song" die beste Weihnachtstaktik überhaupt vor: Einfach Schnaps trinken und mitmachen. Weihnachten ist schließlich nur einmal im Jahr. Und wer weiß, ob Vox Xavier Naidoo nächstes Jahr nochmal feiern lässt.

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