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Trash? Da schaltet das Publikum lieber ab

"Wild Girls", "Pool Champions", "Reality Queens": Die Privatsender setzen in diesem Sommer voll auf Trash. Doch die Zuschauer machen nicht jeden Quatsch mit. Die Sender müssen umdenken.

Von Carsten Heidböhmer

  "Zickenkrieg" in der afrikanischen Savanne: Zwischen den zwölf Teilnehmerinnen bei "Wild Girls" fliegen schon mal die Fetzen. Hier ziehen Sarah Knappik (l.) und Jordan Carver aber an einem Strang und bewältigen eine Herausforderung.

"Zickenkrieg" in der afrikanischen Savanne: Zwischen den zwölf Teilnehmerinnen bei "Wild Girls" fliegen schon mal die Fetzen. Hier ziehen Sarah Knappik (l.) und Jordan Carver aber an einem Strang und bewältigen eine Herausforderung.

So deutliche Aussagen sind in der von Selbstbeweihräucherung und Positiv-PR geprägten Fernsehlandschaft selten. "Natürlich sind wir mit den aktuellen Marktanteilen von RTL nicht zufrieden", sagte RTL-Deutschland-Chefin Anke Schäferkordt in einem Interview im aktuellen "manager magazin" zur Situation ihres Senders. Auch wenn sie diese Aussage nicht auf spezielle Formate gemünzt hat, zeigt sich am Sommerprogramm sehr deutlich, dass bei RTL derzeit eine kreative Flaute herrscht, die der Sender vor allem mit Trash-Formaten kompensiert.

Eklatantestes Beispiel für diesen Trend: die Reality-Show "Wild Girls - Auf High Heels durch Afrika". Die meisten der zwölf teilnehmenden Frauen haben vor allem ein hervorstechendes Merkmal: einen großen Busen. Oder sie haben mal bei "Germany's next Topmodel" mitgemacht. Also eine Art "Dschungelcamp für Arme". Denn während RTL ein unterhaltsames Sammelsurium aus einst erfolgreichen Künstlern und Sportlern, Semi-Intellektuellen (Rainer Langhans oder Helmut Berger) sowie Trash-Ikonen nach Australien schickt, bleibt bei der Afrika-Variante nur noch der Trash übrig.

Mit dieser schamlosen Kopie des eigenen Erfolgsformats hat RTL beim Publikum eine fulminante Bauchlandung hingelegt. Nachdem die Show in der vergangenen Woche mit 2,6 Millionen schon schwach gestartet war, verlor sie 700.000 Zuschauer. Noch schwächer die Werte der peinlichen Kuppelshow "Mama Mia - Wer heiratet meinen Sohn?": Auch hier blieb RTL deutlich unter zwei Millionen Zuschauern, in der Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen waren es mickrige 9,4 Prozent.

Auch die "Pool Champions" gingen baden

Dass sich mit guten Inhalten auch im Sommer Zuschauer gewinnen lassen, bewies dann im Anschluss stern TV. Trotz der späten Stunde stieg die Quote am Mittwoch massiv an: 2,30 Millionen Zuschauer wollten das Magazin mit Steffen Hallaschka sehen.

Das Debakel vom Mittwochabend war nicht die erste negative Erfahrung, die RTL mit Trash-Formaten in diesem Sommer gemacht hat. Die Bikini-Show "Pool Champions" stürzte von 3,02 Millionen Zuschauern zum Auftakt auf 2,16 Millionen in der letzten Sendung ab. "Abgewürgt und ausgebremst", das neue Format von Schwestersender Vox, der "Deutschlands schlechtesten Autofahrer" sucht, wollten nicht einmal eine Million Menschen sehen.

Das Publikum - das ist die Lehre dieses Sommers - macht offenbar nicht mehr jeden Unfug mit und schaltet ab, wenn es zu blöd wird. Hat RTL also die Trashspirale überdreht? Ganz so weit will Medienexperte Jo Groebel nicht gehen. "Wir sprechen nicht über eine sich weiterdrehende Trash-Spirale, sondern eher über eine Wellenbewegung", sagte Groebel. Es habe schon weitaus schlimmere Formate gegeben als "Wild Girls", Groebel erinnert da an die ProSieben-Reality-Show "Die Alm", erstmals 2004 ausgestrahlt. Dass RTL nach dem gewaltigen Erfolg des Dschungelcamps eine Variante ins Fernsehen bringt, sei ein logischer Schritt. Allerdings sei die Kopie zu nah am Original, zudem gebe es eine gewisse Überlappung bei den Kandidaten - mit Sarah Knappik und Fiona Erdmann sind zwei frühere "Dschungelcamp"-Teilnehmerinnen unter den "Wild Girls".

ProSieben ist kaum besser

Für die Konkurrenz sind diese Pleiten jedoch kein Grund zur Freude. Denn ProSieben steht der Stresstest auf die Geschmacksnerven der Zuschauer erst noch bevor. Am Donnerstagabend startet "Catch the Millionaire", eine Kuppelshow, die wie eine billige Kopie des RTL-Formats "Der Bachelor" wirkt. 18 Single-Frauen treffen hier auf drei vermeintlich reiche Männer, von denen jedoch nur einer wirklich Millionär ist.

Wenig besser wird es ab dem 22. August, wenn "Reality Queens auf Safari" startet. ProSieben schickt Trash-Ikonen in die Wüste, darunter Erotik-Model Micaela Schäfer, Ex-"Topmodel"-Kadidatin Tessa Bergmeier sowie Janina Youssefian, die eine kurze Karriere als "Teppichluder" in den Boulevardmedien hatte. Abgeguckt bei "Wild Girls"? Nein, denn ProSieben hat die Show aus den Niederlanden gekauft, wo sie unter dem Titel "Reality Queens in The Jungle" lief. Offenbar soll auch RTL an der Lizenz interessiert gewesen sein, den Zuschlag bekam jedoch ProSieben. Deswegen entwickelte RTL "Wild Girls".

Doch eigentlich ist es egal, wer von wem abguckt und wer wen kopiert - solange das Resultat so einfalls- und niveaulos ist wie "Wild Girls" oder "Mama Mia", werden die Quoten der Privatsender weiter sinken. Bei RTL scheint man immerhin die Warnsignale erkannt zu haben. In der neuen Saison will der Privatsender deutlich mehr Informationsprogramme senden. Zudem gehen mehrere neue, eigenproduzierte Serien an den Start. Der Zuschauer - das ist auch bei RTL angekommen - lässt sich eben nicht gern für dumm verkaufen. Jetzt muss nur dieser trashige TV-Sommer vorbeigehen.

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