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11. Januar 2007, 11:10 Uhr

Günther Jauch gibt entnervt auf

Günther Jauch wird bei der ARD nicht die Nachfolge von Sabine Christiansen antreten. Als Grund nennt der Moderator unter anderem die vielen Wortmeldungen aus den ARD-Rundfunkräten. Als Nachfolger steht Frank Plasberg schon in den Startlöchern. Von Carsten Heidböhmer

Günther Jauch

Gab der ARD überraschend einen Korb: Moderator Günther Jauch© DPA

Günther Jauch wird keine Polit-Talkshow für die ARD moderieren. Der 50-Jährige gab heute bekannt, nicht die Nachfolge von Sabine Christiansen antreten zu wollen. Zuvor hatte es kontroverse Diskussionen rund um Jauchs geplantes ARD-Engagement gegeben.

Als Begründung gab Jauch unter anderem an, dass die ARD darauf gedrungen habe, er solle "journalistisch exklusiv" für "das Erste" tätig sein und eine weitere Sendung übernehmen. "Ich wollte aber keine Zusagen über den Sonntagabend hinaus geben", so Jauch.

"Ständiges Risiko"

Als weiteren Grund nannte Jauch, dass die ARD mit der Änderung eines Vertragspassus die Zuständigkeit für seine Show den Chefredakteuren habe unterstellen wollen. "Damit wäre nach meiner Auffassung die Sendung dem ständigen Risiko ausgesetzt, zum Spielball der politischen Farbenlehre innerhalb der ARD zu werden." Dies entspreche nicht seinem Empfinden von "innerer Freiheit und äußerer Unabhängigkeit".

ARD-Chefredakteur Thomas Baumann versuchte diesen Vorwurf in einer ersten Stellungnahme abzuwiegeln: "Was Günther Jauch mit 'politischer Farbenlehre' meint, weiß ich nicht. Redaktionelle Entscheidungen finden in meiner Koordination nicht nach Proporzdenken oder Farbenlehren statt, sondern fußen - je nach Thema und Lage - auf journalistischer Ausgewogenheit."

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte der seit 1. Januar amtierende ARD-Vorsitzende Fritz Raff (Saarländischer Rundfunk) noch am Montag befürwortet, die neue Talkshow in dem Bereich Information anzusiedeln. "Ich halte das für ein berechtigtes Anliegen und bin der Meinung, eine solche Sendung ist in der Chefredaktion richtig angesiedelt", so Raff.

Struve bedauert Absage

ARD-Programmdirektor Günter Struve bedauerte in einer ersten Stellungnahme die Entscheidung: "Seit dem vergangenen Sommer habe ich mich sehr für das Zustandekommen der Zusammenarbeit mit ihm eingesetzt und kann diesen Entschluss jetzt leider nur akzeptieren", sagte Struve.

Jauch, derzeit mit der Show "Wer wird Millionär?" und stern TV bei RTL aktiv, sollte Christiansens Nachfolge im September 2007 antreten. Die Gespräche mit den Intendanten Fritz Pleitgen (Westdeutscher Rundfunk) und Jobst Plog (Norddeutscher Rundfunk) sowie Programmdirektor Günter Struve seien Jauch zufolge konstruktiv und von großem Vertrauen begleitet gewesen.

Kritik an Rundfunkräten

In einer von dem Moderator vorbereiteten Presseerklärung heißt es: "Die ständigen Diskussionen um ARD-Schleichwerbung, den Jan Ulrich-Vertrag oder Werbeverpflichtungen anderer ARD- und ZDF-Moderatoren haben die Abstimmungen zeitweilig erschwert." Darin beschwert sich Jauch explizit über die Strukturen in der ARD: "Auch die Wortmeldungen aus den Rundfunkräten der ARD waren nicht immer hilfreich, zumal sie oft hinter den Stand der Diskussion zurückfielen."

Die ARD hätte ihm zwar seine Werbeaktivitäten nicht untersagt, aber auf der anderen Seite habe er bereits seine Werbeverträge gekündigt oder auslaufen lassen. "Diese Zugeständnisse zeigen, wie sehr ich an dem Format am Sonntagabend interessiert war."

In den vergangenen Wochen hatte es zunehmend ARD-intern Stimmen gegeben, die sich kritisch gegenüber der Verpflichtung Jauchs geäußert hatten. Insbesonder die künftige WDR-Intendantin Monika Piel fiel mit Querschüssen auf. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" plädierte Piel dafür, Günther Jauch ausschließlich im Privat-TV oder ausschließlich bei der ARD auftreten zu lassen. "Entweder ist einer bei uns oder bei den Kommerziellen", sagte die 55-Jährige - und warf damit schon längst geklärte Fragen wieder auf. Auch der ARD-Vorsitzende Fritz Raff hatte sich gegenüber dem"Spiegel" distanziert über den Moderator geäußert. Auf die Frage, ob er damit rechne, dass Jauch doch nicht als Christiansen-Nachfolger kommen werde, sagte Raff: "Ohne Jauch geht die ARD-Welt nicht unter".

"Wir wollen den ganzen Journalisten Jauch"

Einer der Kritiker, die im Vorfeld gefordert hatten, Jauch müsse stern TV aufgeben und journalistisch exklusiv für die ARD arbeiten, war der SPD-Medienpolitiker und WDR-Rundfunkrat Marc Jan Eumann. Er verteidigt die harte Verhandlungsposition der ARD: "Ich stimme Fritz Raff zu, der sagt, dadurch geht die ARD nicht unter. Es wäre schön gewesen, wenn wir Jauch gewonnen hätten, denn er ist ein herausragender Journalist. Aber er wäre ein Grenzgänger gewesen. Wir wollen den ganzen Journalisten Jauch", sagte Eumann im Gespräch mit stern.de.

Die Kritik, die ARD werde zunehmend handlungsunfähig durch zu viele Instanzen, wollte Eumann nicht gelten lassen: "Als Gesamtsystem ist die ARD gut aufgestellt, es gibt auch Reformprozesse, da ist die ARD weiter als die Länder. Im Gegensatz zum ZDF ist die ARD föderal und nicht zentralistisch."

Plasberg gilt als Favorit

Auf die Frage, welche Kandidaten in Frage kämen, nannte Eumann: Frank Plasberg und Anja Reschke. "Wir haben einige Talente, die das journalistische Profil dafür haben", so Eumann. Auch SWR-Intendant Peter Voß hat Frank Plasberg als neuen Moderator des Sonntagabend-Talks ins Gespräch gebracht. Der Journalist, der im WDR die Reihe "Hart, aber fair" moderiert, sei eine Alternative zu Jauch, die "hart, aber fair und journalistisch gleichwertig" sei. Nur eine Lösung scheidet wohl definitiv aus: Sabine Christiansen hat noch einmal bestätigt, nicht länger als angekündigt für die Sonntags-Talkshow zur Verfügung zu stehen.

Plasberg wäre zu der neuen Aufgabe bereit. "Wenn man mich fragen würde, stünde ich selbstverständlich zur Verfügung für eine politische Talksendung am Sonntagabend in der ARD", sagte der Moderator den "Lübecker Nachrichten". Dass die Sendung den ARD-Chefredakteuren unterstellt werden soll, ist für Plasberg im Gegensatz zu Günther Jauch kein Problem. "Ich war schließlich mal selbst stellvertretender Chefredakteur und habe volles Vertrauen in die Arbeit der Kollegen."

Einen Nutznießer in der Angelegenheit gibt es bereits: Christian Körner, Pressesprecher von RTL sieht darin die Bestätigung der guten gemeinsamen Arbeit. "Unsere Zusammenarbeit stand für die Beteiligten auch nicht zur Debatte". Spekulationen, RTL plane nun ein ähnliches nachrichtenpolitisches Magazin-Format wie "Christiansen"; erteilte er eine Absage. "Gesellschaftspolitische Themen finden bei stern TV statt, und Nachrichten gibt es bei uns in den Nachrichtensendungen."

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Günther Jauch wird nun doch nicht Christiansen-Nachfolger. Finden Sie die Entscheidung gut? Disktutieren Sie mit!

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (16)
Von Carsten Heidböhmer
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
der_Rudy (14.01.2007, 10:29 Uhr)
Noch mal Glück gehabt ARD
Tja liebe ARD da habt ihr nochmal Glück gehabt und viel Geld eingespart, hoffe das mit dem gesparten Geld mal eine ausgewogenere Sendung zusammenkommt als derzeit mit Sabine Christiansen..
Denn eins ist sicher der Herr Jauch wäre viel teurer geworden, und vom Unterhaltungswert nun ja wer den unbedingt braucht..
Jedenfalls ich bin froh als GEZ Gebühren zahler mal ein paar Eurochen eingespart zu bekommen..
Deshalb nur weiter so ARD und auf EX_Private können wir eigentlich getrost verzichten, das wird mir alles zu amerikanisch und zu Hype hier..
Jo meine 2 cent der Eurozone
wolfganggoll (13.01.2007, 18:31 Uhr)
Echte Größe
Herr Jauch hat sein Wort bereits in Taten umgesetzt und auf Werbeeinnahmen verzichtet. Aus Angst, Unsicherheit, Neid und Mißgunst ist nun der Vertrag aufgrund drittklassiger nonames nicht zustande gekommen. Wäre schön, wenn die Damen und Herren nun die Größe hätten, Herrn Jauch den entstandenen finanziellen Schaden zu ersetzen.
Wolfgang Goll
peer-nikolaus (11.01.2007, 23:16 Uhr)
Ach Gott
und noch eine Antwort an Dewerth,bist Du zufällig bei der ARD beschäftigt,oder einfach zu intellektuell,um mit uns einen Kommentar zu schreiben,zu einem Thema das uns doch interessiert,aber Dich interessiert es ja gar nicht und findest das Thema blöd...
und trotzdem siehe er schreibt doch
Alfie_Khan (11.01.2007, 18:45 Uhr)
Recht so, Herr Jauch.
Ich heiße Ihre Entscheidung sehr willkommen! Als ehemaliger 'Privater', der sich nicht in die 'Farbenlehre der ARD' eingefügt hat, stehe ich nun nach verlangter Exklusivität für einen ARD-Sender ohne alles da. Diese Befürchtung hatte ich auch bei Ihnen. Daher freue ich mich, Sie weiterhin in verschiedenen Format erleben zu dürfen. Meinen Glückwunsch zu Ihrer Entscheidung.
catchme (11.01.2007, 18:45 Uhr)
Antwort für " dewert "
Es wäre eine interessante Diskussion, wer hier wen mehr oder weniger " verblödet " ? Die privaten TV - Sender oder aber die Laiendarstellerin Christiansen, die verzweifelt auf Journalistin und Moderatorin macht ... aber für Udo Walch reicht es !
Dewerth (11.01.2007, 18:32 Uhr)
Verblödet
Die meisten dieser Kommentare zu dem Problemchen Jauch zeigen doch nur, wie verblödet die Zuschauer durch die Privatsender schon sind. Ihr habt alle recht. Schlaft schön weiter.
zuschauer88 (11.01.2007, 18:15 Uhr)
Nicht von der politischen Farbenlehre verbogen
Herr Jauch hat Anstand gezeigt. Die GEZ zwangsfinanzierten Programme liegen aufgrund der politischen Farbenlehre in der Qualität immer öfter hinter dem Privatfernsehen. Wer hören will was die Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Verbände... zum Thema sagen, soll sich dort direkt informieren. Ich habe lieber ehrliche Informationen zum Thema ohne politisch korrekte Kirchenkomentare.
radeles (11.01.2007, 17:16 Uhr)
Gut so ?
HerrJauch hat wohl recht getan, mit diesem Format wäre er auch nicht besser gefahren als Christiansen. Man sollte zu einer anderen Befragung der Talkpolitiker übergehen und kein Bla Bla fragen. Frage ist nur wer kommt dann noch. Dann stellt sich aber die Frage, warum soll ich Geld ausgenben das ich nicht habe, um Sendungen zu sehen die ich nicht will und damit Leute bezahle, die ich nicht mag.
wyatt_mathilda (11.01.2007, 17:09 Uhr)
2007...
seit 1970 hat sich die art der nachrichtenaufbereitung immer mehr an aspekten der unterhaltung orientiert. wenn gebildete, gut informierte und eloquente menschen anderen menschen wichtige u.a. auch politische, wirtschaftliche und soziologische sachverhalte nahe bringen wollen, darf - ja, MUSS sogar - unterhaltsam sein. das ist die sendung mit SC definitiv nicht. sicher kann man in 3 sendungen harald schmidt mehr lernen als in einem jahr SC. jauch erfüllt zwar neben den fachlichen alle voraussetzungen (redegewandt, schlagfertig, flexibel, humorvoll), wird aber sicher nie wirklich hartnäckig kritisch auf antworten bestehen. deshalb: plasberg ist cool, wenn er so bleibt wie er angefangen hat. hart, böse, vorlaut, penetrant und unnachgiebig.
aber vermutlich wird er in den mühlsteinen der hohen redaktionskunst und diverser ratsmitglieder weichgespült unter untergehen. also mein tipp: entweder plasberg independant punken lassen oder den sendeplatz für richtig schöne arte-konkurrenz nutzen. französische, englische und spanische poesie-krimis der letzen 5 jahre oder so...
OttoB (11.01.2007, 17:01 Uhr)
Ich finde es gut
Günter Jauch wäre auch ein Flopp für eine solche Sendung gewesen.
Er passt besser in die Ecke RTL &Co.
Für deren Anhänger ist die Sendung Christiansen sowieso zu hoch.
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