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Alles tut weh

In Bar Refaelis Model-Show wird geblutet, gebibbert und gelitten, dass es kaum auszuhalten ist. Die israelische Neu-Moderatorin bleibt blass. Assistent Peyman Amin sorgt für Fremdschämmomente.

Von Ina Linden

Die gnadenlose Jury: Fotograf Oliver Gast, Supermodel Bar Refaeli Model-Agent Peyman Amin (v.l.)

Die gnadenlose Jury: Fotograf Oliver Gast, Supermodel Bar Refaeli Model-Agent Peyman Amin (v.l.)

Chöre singen Halleluja, als die rotblonde Catharina ihr Bibel-Tattoo in die hält. Erster Korintherbrief, 13. Kapitel, das hohe Lied der Liebe. Kurz zuvor hat sich die 22-Jährige ihren Show-Beinamen "Die Zarte" redlich verdient. Im ersten Fotoshooting "fliegt" Catharina im zartgrünen Flatterkleid an einer Seilwinde in 70 Metern Höhe durch einen Canyon und reißt sich dabei Wunden in die Oberschenkel, im zweiten räkelt sie sich im Wasser des Toten Meeres, dessen Salzgehalt knapp zehn Mal höher ist als der des Mittelmeers. Zwischendurch sieht man sie dabei, wie sie sich mit dicken weißen Pflastern die Wunden rund um die Bikinizone versorgt.

Okay, ein Bibelstellen-Tattoo ist eine Extremmaßnahme, doch man kann das Profimodel aus Berlin nur dazu beglückwünschen, dass es offenbar Halt im Christentum findet. Schließlich treibt der erste Teil der Show "Million Dollar Shootingstar" in Sat1 auf die Spitze, was bisher an Quälerei in Heidi Klums "Germany's next Topmodel" (GNTM) und anderen Casting-Formaten wie Eva Padbergs "Das perfekte Model" zu sehen war.

Absolut schrecklich

Da blutet Annikas Hand, als sie sich beim Fast-Nackt-Shooting mit silbernen "Nipple-Pads" auf den Brustwarzen im toten Meer offenbar am scharfkantigen Meerjungfrauenkostüm schneidet. Sie selbst spürt das gar nicht – hat sie doch im Bungee-Jumping in der israelischen Wüste den letzten Platz belegt und sich für ihre Performance von Model-Agent , der auch schon für GNTM tätig war, als "absolut schrecklich" bezeichnen lassen müssen.

Das israelische Topmodel versucht erst gar nicht, bei ihrer Erst-Moderation überflüssiges Mitgefühl aufkommen zu lassen. In ihrem emotionalsten Moment lobt sie die dunkelhaarige Yuliya für ihre Meerjungfrauennummer mit den Worten: "Man sieht wirklich, dass Du Dich gequält hast. Ich liebe diese Bilder."

Für zusätzliche verbale Schmerzen sorgt nicht die professionelle Bar, sondern Agent Amin. Den Part des Antreibers spielt er nicht nur deshalb glaubhaft, weil er gebetsmühlenartig Sätze wie "Nimm das ernst, es geht hier um verdammt viel" wiederholt. Der 42-jährige verpasste der leidenden Catharina wegen ihrer problematisch üppigen Oberweite den Spitzname "Katharina, die Großen" und attestiert Kandidatin Amy eine "Hackfresse". Fremdschämmomente vom Feinsten.

Nur die Harten kommen nach Island

Da tut es gut, zu wissen, dass der Model-Booker seine Opfer wohl auch nach ihrem Härtegrad ausgesucht hat. Schließlich geht es in der zweiten Folge nach - mit etwa 40 Grad Temperaturunterschied zur israelischen Wüste. So erzählt Alena von ihrer harten Kindheit in Sibirien und die 30-jährige Nina gibt preis, sich eines ihrer vielen Tätowierungen im Alter von zwölf Jahren selbst gestochen zu haben.

Bei allem übertriebenen Leiden überzeugt das Konzept der Sendung zumindest teilweise mit unterhaltsamen Neuheiten. Die zehn Models haben bereits professionelle Shootings erlebt, so dass dem Zuschauer Möchte-Gern-Models wie Gina-Lisa Lohfink von GNTM erspart bleiben. So sitzen bei allen Mädels die Posen, wenn sie über die Wüste schweben, sich im Wasser winden oder im Kampfkostüm die blutgierige Amazone geben. Beim Zelt-Tribunal, das Refaeli mit Amin und Fotograf Oliver Graf nach jedem Shooting veranstaltet und das die besten und schlechtesten Kandidatinnen entlarvt, bekommt die Siegerin 100.000 Euro in bar, die Refaeli für sie in einem Safe hinterlegt. Die Siegerin der gesamten Staffel erhält hinterher alle Scheine, die für sie im Tresor liegen – im besten Fall eine Million Euro. Im Gegensatz zu Heidi Klum, die ihren Kandidatinnen Sachpreise wie einen Modelvertrag in Aussicht stellt, könnte das Konzept in den nächsten vier Folgen für zusätzliche Brisanz sorgen.

Das könnte auch Refaelis Moderation aufpeppen, die bei ihrem Debüt noch etwas dröge war. Zwar fällt die Israelin, im Gegensatz zu ihrer oft hart auftretenden Konkurrentin Heidi Klum, durch professionelle Leichtigkeit auf. Das Topmodel, das seit Jahren Cover von Magazinen wie "Sports Illustrated", "Elle" und "Vogue" ziert und mit ihrer fünfjährigen Liaison mit Leonardo di Caprio Furore machte, spart zwar nicht mit Kritik, schnippische Kommentare wie "Sie wirkt wie ein kleines Playboy-Bunny" entgleiten ihr jedoch erfreulich selten. Teilweise wirkt sie fast schüchtern, zum Beispiel, als sie sich vor dem Wüsten-Shooting immer wieder die Haare zurechtstreicht. Ob sich Refaeli zu einer Model-Mama wie "La Klum" entwickelt, bleibt allerdings abzuwarten. Immerhin wäscht sie der blonden Sandy im toten Meer den Glitter aus den Haaren und küsst spontan die Wange der weinendend Anja, als diese ihren Ausstieg aus dem Leidens-Zirkus bekannt gibt. Die schöne Israelin bleibt der beste Grund, demnächst wieder einzuschalten.

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