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10. März 2010, 07:34 Uhr

Die Zukunft des Grand Prix ist weiblich

Die Wetten auf die Finalteilnehmer waren schon platziert. Doch just als sich bei Stefan Raabs Suche nach unserem Star für Oslo Routine einzustellen schien, schied völlig überraschend ein sicher geglaubter Finalist aus. Auch das gute alte Glätteisen half nichts: Dursti ist draußen. Von Ingo Scheel

Unser Star für Oslo, Eurovision Song Contest, Grand Prix, Stefan Raab, Lena, Lena Meyer-Landhut, Jennifer Braun, Christian Durstewitz, Kerstin Freking

Eine Frau für Oslo: Jennifer Braun oder Lena Meyer-Landrut - wer singt für Deutschland beim Grand Prix?© Jörg Carstensen/DPA

Abgestimmt wurde im Halbfinale von "Unser Star für Oslo" am Dienstagabend gleich zweimal. Nachdem die letzten Vier je ein Lied gesungen hatten, wurde ein Kandidat verabschiedet, die verbliebenen Drei sangen einen weiteren Song, an den sich ein erneutes Telefon-Voting mit dem Ziel anschloss, einen weiteren Kandidaten hinauszukicken. Neben Jury-Präsident Stefan Raab saßen Jan Delay und Barbara Schöneberger in den Jurorensesseln, und nachdem zuletzt die ARD die Sendung ausgestrahlt hatte, war diesmal wieder ProSieben an der Reihe. Nicht zuletzt Barbara Schöneberger war froh ob dieses Wechsels, konnte sie doch mit Blick auf ihren eigenen Umstand - die Moderatorin und Sängerin ist hochschwanger - den Werbeblock als Pippipause nutzen. Derart entspannt bewies die Entertainerin, ebenso wie der - ohne Blasenprobleme, dafür mit keckem Hütchen und gewohnt gut sitzendem Anzug angetretene - Jan Delay, dass man in einer Jury sitzen kann, ohne gänzlich in Worthülsen zu verfallen oder sich in Egotrips und Monologen zu verlieren. Und das Dargebotene gab denn auch ausreichend Anlass für sämtliche Einschätzungen zwischen "derbe" und "krass", "super" und "sensationell", "geil" und "großartig".

So überstand Lena Meyer-Landrut wie erwartet beide Entscheidungen. Zunächst punktete sie mit einer erneut beinahe konventionell vorgetragenen Ballade ("Mr. Curiosity" von Jason Mraz), in der zweiten Runde gab sie dann mit The Cures "Love Cats" dem lieb gewonnenen Affen noch einmal richtig Zucker und erreichte so das Finale am Freitag.

Kerstin und "Dursti" letztlich zu farblos

Von solchen Ausbrüchen weit entfernt war, kaum überraschend, Kerstin Freking. Ihre Version von Alanis Morissettes "Hand Clean" blieb zu farblos, um den Traum von Oslo weiter träumen zu können. Ganz anders Jennifer Braun. Sie zeigte, dass sie nicht nur "Stadtfest in Müggelfingen" drauf hat, sondern auch "British Indie-Disco in Camden". An Gossips "Heavy Cross" trug sie alles andere als schwer, vielmehr setzte sie ein schweißtreibendes Glanzlicht und gab so zunächst Kerstin Freking das Nachsehen. Und auch die zweite Runde des Abends meisterte sie mit Christina Aguileras "Hurt" zumindest so überzeugend, dass sie den in Foren und Online-Votings schon sicher geglaubten Finalisten Christian Durstewitz hinter sich lassen konnte.

Hatte "Dursti" in den Sendungen zuvor noch zerzaust und souverän performt, schien es diesmal, als hätte ihm das Glätteisen seiner Schwester nicht nur die Wellen aus den Haaren, sondern auch ein Stück Souveränität aus der engen Jeansbuxe gepresst. In der ersten Runde des gestrigen Abends brachte ihn eine gute Version von Jason Mraz' "I'm Yours" unter die letzten drei, Charlie Winstons "In Your Hands" war danach wohl doch zu unbekannt, zu fahrig dargeboten, als dass Dursti - leichenblass auf der Couch dem Urteil entgegen harrend - sich damit ins Finale hätte retten können.

Lena sollte sich nicht zu sicher sein

Dort kämpfen am Freitag nun die von Beginn an favorisierte Lena Meyer-Landrut und - durchaus überraschend - Jennifer Braun um das Ticket zum "Eurovision Song Contest" in Oslo. Und nachdem man erleben konnte, wie the Ditto in Miss Braun plötzlich Dampf machte, ist vielleicht auch am Freitag eine weitere Überraschung drin. Den Namen auf dem Blankoticket nach Oslo sollte man bei ARD und ProSieben jedenfalls immer noch nicht eintragen. Sicher ist dagegen, dass Christian seinem Spitznamen am Tage nach der Niederlage Ehre machen wird. Auf Raabs Frage in der anschließenden "TV Total"-Sendung, was er denn zu tun gedenke, kam Durstis Antwort prompt: "Saufen. Auspennen und Saufen!"

Von Ingo Scheel
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
mantrid (11.03.2010, 15:07 Uhr)
Iceland: No Points
Hera Björk? Vielleicht hatte ich auch das falsche Video angeklickt, aber das ist doch Uschi Blum! Schon allein die Bewegungen. Im Ernst, vom Hocker reißt mich die Darbietung nicht, weder vom Lied, noch von der Stimme, noch von der Gesamtdarstellung. Über die Optik soll sich streiten wer will, aber beim Grand Prix hört das Auge auch zu und da ist mir dieses Appetithäppchen doch etwas geringfügig zu voluminös geraten. Wenn das mal auf der Bühne gut geht, ich meine wegen der Statik und so. Da sollten die Norweger doch besser mal die Spezialisten von der Kölner Bauaufsicht noch mal drüber schauen lassen.
laketahoe (10.03.2010, 18:31 Uhr)
@Elysia Schon wieder lustig, so schlimm ist der Song....
Das is nicht ihr Ernst, diesen Primitivpopsong gut zu finden, oder?

Das Lind klingt so, als hätte Dieter Bohlen mit anderen nicht Natives daran geschrieben .... die Sängerin singt so old fashioned, dass es mich gruselt.....

Aber zu dem, was der Songcontest an Skurrilitäten bietet, passt Hera Björk großartig......
Elysia (10.03.2010, 16:26 Uhr)
die neue Björk heißt Hera
@tannebaum, @elevenstar

Björk ist doch out, in aber Hera Björk, die diesjährige Teilnehmerin aus Island mit einer Riesenstimme und gutem Song.
laketahoe (10.03.2010, 16:19 Uhr)
@Tannebaum Sie mißverstehen Argumente eben gerne....
Ich beziehe mich auf die von Barbara Schöneberger im Eifer des Enthusiasmus für Jennifer Brauns Darbietung des Aguilera Songs Hurt vorgetragene Kritik an "der knödelnden Stimme von Aguilera, mit der sie, Aguilera, die Welt belästigen würde" ... wie gesagt, ich bin kein Fan der Songs von Aguilera... aber sowas zu sagen, wenn man in einer Jury sitzt, bei der es um Gesang geht, halte ich für ziemlich dumm und präpotent. Umso mehr, als man die mehr als trivialen und auch nicht besonders gut gesungenen Lieder der Barbara Schöneberger ohne große Mühe in der Luft zerreissen könnte... (z.B. Männer muß man mögen...... das sind redundante und sehr schlichte Gedanken einer Frau zu Männern zu einem einfachen Liedchen gemacht....)

Aber auch diese Musik ist für mich kein Aufreger, da ich das Zeugs ja nicht kaufen und anhören muss.

Ich finde es nur ziemlich peinlich, wenn die künstlerische Maus, Barbara Schönberger, mit dem Rennpferd, Christina Aguilera, um die Wette laufen will.

Aber freiwillige Jury-Outings als Zicke, Dummchen, Nervensäge oder Depp vom Dienst haben in Deutschlands Castingshows ja schon Tradition.
tannebaum (10.03.2010, 14:00 Uhr)
@laketahoe
tolle idee...

also nur leute, die etwas besser können, als der kritisierte dürfen das?

was haben denn die gesangskünste von schöneberger was damit zu tun, wenn ihr was nicht gefallen hat. darf sie deshalb andere nicht beurteilen?

wenn ich das nächste mal im hotel bin, dann werde ich mich natürlich auch nicht mehr beschweren, wenn das bett nicht glatt ist und ich drei fussel auf dem teppich habe. denn wenn ich zu hause mein bett nicht glatter habe und auch nicht perfekt im staubsaugen bin, darf ich kein zimmermädchen kritisieren?

erklären sie mir diese logik???
mighty_bender (10.03.2010, 13:38 Uhr)
Das Problem...
... bei der Punktevergabe beim ESC sind weniger "Balkan-Connections" o.ä., sondern der Vergabe-Modus, nach dem die Stimmen aus Ländern, die bei uns nicht mal als Großstadt durchgehen würden (hallo, Andorra...) das gleiche Gewicht haben wie die aus Flächenstaaten. Mittlerweile sollte es eigentlich technisch möglich sein, eine Telefon-Abstimmung nach dem Prinzip "1 call - 1 vote" (und das auch aus dem jeweiligen Teilnehmerland) ablaufen zu lassen. Der Siegertitel wäre dann wirklich der, den die meisten einzelnen Zuschauer am besten fanden.
laketahoe (10.03.2010, 12:58 Uhr)
Die etwas stutenbissige Frau Schöneberger.....
...fiel mir mit ihrer mehr als unqualifizierten Bemerkung über Chrsina Aguilera negativ auf. Wenn man so grottenmäßig singt, wie Barbara Schöneberger, dann sollte man den Ball etwas flacher halten können..... (bin kein Fan von Aguilera...)

Im Übrigen hat Jennifer Braun den Titel Hurt so gesungen, als wolle sie Anasatacia Konkurrenz machen. Sie lässt jede künstlerische Stilsicherheit vermissen und wirkt auf mich wie der kumpelhafte und pfundige Typ junge Frau, den man auf Volksfesten erwartet. Aber zur Stimme: die Stimme wäre für DSDS schon zu gut, soviel dazu.....

Ich hätte lieber Christian Durstewitz und Lena Meyer Landrut im Finale gehabt. Beide können ein modernes und cooles und junges Bild von Deutschland geben und das ist auch schon alles, wofür es beim Grand Prix für ein Land wie Deutschland reichen kann.....
gormiti (10.03.2010, 12:31 Uhr)
Ich höre ständig
"Deutschland wird wieder hinten landen"
Als Raab Guildo Horn, sich selbst und MaxMutzke an den Start schickte. Waren die Ergebnisse nicht schlecht und ich mein sogar ein Platz 8 von Guildo war dabei.
Jedenfalls war Raab damals der Zünder für das Revival des Gran Prix'.
Und mit Guildo zeigte er allen das die Deutschen sehr wohl Humor haben können.
Raab is King
mantrid (10.03.2010, 12:16 Uhr)
Eine Frage der Risikofreudigkeit
Bei Lena kann ich mir nicht helfen, aber wenn sie auf der Bühne steht, springt irgendwie der Gute-Laune-Funken über. Es macht einfach Spaß ihr zuzuhören und zuzusehen. Jennifer ist stimmlich sicher besser drauf. Beide haben mich mit ihren Balladen überrascht, Lena kam mit unglaublich viel Gefühl herüber und Jennifer hatte ich stimmlich dieses Lied nicht zugetraut. Das Finale dürfte hochspannend werden, sich die beiden ihre Lieder nicht mehr selbst aussuchen können und diese Lieder auch ihnen nicht bekannt sind. Jennifer hat die Fähigkeit sich den Liedern anzupassen, während Lena die Fähigkeit hat, die Lieder an sich anzupassen. Mit Jennifer würden wir eine gute Qualität nach Oslo schicken, Lena dürfte für jede Überraschung gut sein, positiv wie negativ. Das wird eine Frage der Risikofreudigkeit. Den Vergleich mit den Siegern vergangener Jahre braucht jedenfalls keine der beiden scheuen. Eigentlich kann nur noch ein mieser Song und/oder ein mieses Arrangement etwas kaputtmachen.
schlusi09 (10.03.2010, 11:09 Uhr)
oslo ist egal
oslo ist doch vollkommen egal,solange sich die punktevergabe nicht ändert.das muss man sich mal vorstellen,jahrelang bekriegen und vergewaltigen sich die balkanländer,aber beim esc vergeben sie sich untereinander die punkte.ohne vorher krieg geführt zu haben,tuns die benelux und skandinavier.ich finde und bin stolz das es nur für unser land so ein wunderbares tolles ausnahmetalent wie lena gibt.es ist einfach eine freude und wonne ihr zuzuhören und auch zuzuschauen.a star is born,für unser land,da ist doch oslo egal.
@burner ich glaube das asiexknackiharz4 dsds ist wohl eher was für dich.mit klarem menschenverstand kann ich deine meinung nicht verstehen.
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