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Letterman will wieder senden

Sechs Wochen dauert der Streik der Drehbuchautoren in Amerika schon an. Das treibt sonderbare Blüten: Da wird George Clooney als neuer Emergency-Room-Star vorgestellt, selbst zu Ereignissen wie die "Baseball-Bombe" fehlen süffisante Kommentare. Jetzt ist Letterman der Tatenlosigkeit überdrüssig.

Man hat sich inzwischen ja fast daran gewöhnt, dass es derzeit keine aktuellen Late Night Shows im amerikanischen TV zu sehen gibt; die Drehbuchautoren streiken seit dem 5. November. Seitdem laufen Wiederholungen von David Letterman und Co., die manchmal ganz lustige Reisen in die Vergangenheit sind. Etwa wenn es bei Mr. Letterman plötzlich heißt: "Mein Gast heute: George Clooney, der neue Star von Emergency Room!" Und dann sieht man den jungen George Clooney, nicht halb so lässig wie heute, mit Schulterpolstern im braunen Jackett, die so breit sind wie Ziegelsteine.

Es gibt aber Tage, an denen vermisst man sie, die aktuellen Late Night Shows. Vergangenen Donnerstag zum Beispiel, als der so genannte Mitchell-Report in New York veröffentlich wurde, dem zu folge in der MBL, der amerikanischen Major Baseball League, flächendeckend gedopt wurde und immer noch gedopt wird. Von einer "Baseball-Bombe", von einer 2Hall of shame" war die Rede, und die Kommentatoren der Fernsehsender fragten den Nachmittag, den Abend und die halbe Nacht lang entgeistert, wem sie denn jetzt noch glauben könnten. Und halbwegs neutrale Beobachter fragten sich, wie jene Fernsehmenschen eigentlich all die Jahre lang ausgerechnet Baseballprofis glauben konnten, und wünschten sich David Letterman und Co. herbei, die das ganze bitte nicht halb so ernst kommentieren.

Vielleicht hat es Mr. Letterman an diesem Tag besonders frustriert, schweigen zu müssen. Jedenfalls: Da ein Ende des Streikes in Hollywood nicht abzusehen ist, steuert der Talkmaster jetzt eine Zwischenlösung an. Um wieder live senden zu können, will Lettermans Produktionsfirma einen vorübergehenden Vertrag mit dem amerikanischen Autorenverband abschließen, berichtet "USA Today". Und wenn das klappt, könnte Letterman nach den Weihnachtsferien, ab dem 2. Januar nämlich, wieder vor der Kamera stehen.

Autorenverband ist gesprächsbereit

Die Gespräche zwischen den streikenden Drehbuchautoren und den Film- und Fernsehproduzenten waren Anfang Dezember gescheitert. Deshalb will die Autorengewerkschaft jetzt mit Produktionsfirmen einzelne Vereinbarungen aushandeln, wie der Verband am Samstag kundtat. "Wir sind froh, dass der Verband eine Haltung angenommen hat, die das ermöglicht. Wir wollen mit unseren Autoren wieder auf Sendung gehen und hoffen, dass das sobald wie möglich geschieht", sagte Rob Burnett, Produzent der Letterman-Show.

Auch die "Late Late Show" mit Talkmaster Craig Ferguson, die von der gleichen Firma produziert wird, soll Anfang 2008 wieder starten. Beide Shows laufen bei CBS, einem der großen amerikanischen Sender, und ein anderer, NBC nämlich, hat ähnliche Pläne für seine Letterman-Konkurrenz: Jay Leno und Conan O'Brien werden mit ihren werktäglichen Shows am 2. Januar wieder auf Sendung gehen. Notfalls auch ohne Autoren:"Eine ungeschriebene Version von 'Late Night' ist nicht schön, aber denkbar", sagte O’Brien.

Mehr als 50 Shows außer Betrieb

Die Drehbuchschreiber sind im Ausstand, weil sie vor allem eine bessere Vergütung für die Weiterverwertung ihrer Arbeiten auf DVDs und im Internet verlangen. Ihr Arbeitskampf wirkt sich seit Wochen massiv auf die Unterhaltungsindustrie aus; auch Filmprojekte in Europa sind betroffen, besonders aber leidet das amerikanischen Fernsehen: Derzeit sind mehr als 50 Shows außer Betrieb, viele Sender zeigen Wiederholungen. Vom Schauspieler bis zum Bühnenarbeiter, alle sind sie arbeitslos, die Studios haben zudem millionenschwere Ausfälle durch das Ausbleiben der Werbeeinnahmen.

Der Streik läuft inzwischen so lange, dass man das ganze Theater schon nicht mehr hören kann. Es sei denn, David Letterman und Co. nehmen sich dem Thema an; die Herren könnten vermutlich 48 Shows damit füllen.

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