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26. November 2009, 18:37 Uhr

ZDF-Intendant Schächter schlägt Kompromiss vor

Die Fronten galten als verhärtet: Fünf-Jahres-Vertrag oder Rausschmiss. Doch jetzt sieht es so aus, als könnte der Streit um die Vertragsverlängerung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender doch mit einem Kompromiss enden.

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Markus Schächter, Intendant des ZDF, sucht den Kompromiss in der Causa Brender© DPA

Im Streit um die Vertragsverlängerung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender gibt es einen Kompromissvorschlag: Der ZDF-Intendant Markus Schächter hat angeboten, Brenders Vertrag um lediglich 22 Monate statt der üblichen fünf Jahre zu verlängern.

Dies bestätigte das Verwaltungsratsmitglied Roland Issen gegenüber stern.de. "Ich habe die Empfehlung von Herrn Schächter Anfang dieser Woche schriftlich auf meinen Schreibtisch bekommen", sagte Issen. Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen-Angestellten-Gewerkschaft, der im Verwaltungsrat dem SPD-Lager angehört, geht davon aus, dass Schächter seine Empfehlung mit der konservativen Mehrheit im Verwaltungsrat abgestimmt hat. "Sonst wüsste ich nicht, warum er jetzt schriftlich diesen Vorschlag machen sollte", sagte Issen.

An diesem Freitag entscheidet der Verwaltungsrat über Brenders Zukunft. Der stellvertretende Vorsitzende Roland Koch hatte schon im Frühjahr erklärt, den im Frühjahr 2010 auslaufenden Vertrag mit Brender nicht verlängern zu wollen. Markus Schächter sowie führende ZDF-Journalisten hatten dagegen für eine fünfjährige Vertragsverlängerung plädiert.

Die Auseinandersetzung um den Chefredakteur hat eine Debatte um die Rundfunkfreiheit ausgelöst. Kritiker werfen Roland Koch vor, die schwarze Mehrheit im Verwaltungsrat zu missbrauchen, um einen missliebigen Journalisten los zu werden.

Zwar besteht das Gremium offiziell aus unabhängigen Mitgliedern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. Ernannt werden die Mitglieder aber von den Ministerpräsidenten, so dass es de facto ein schwarzes und ein rotes Lager gibt. Wirklich unabhängig sind nur die Vertreter der Kirchen und des Zentralrats der Juden.

 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Gaffelfall (27.11.2009, 08:48 Uhr)
Verkommen
Im Grunde wird uns auch hier aufgezeigt, welcher Grad selbstherrlicher Verwahrlosung mittlerweile die Führungsschichten in der Republik erreicht hat.
Was schert sie ihr Ansehen im Volk, wenn die, auf die es ankommt, ihnen nur weiterhin auf die Schulter klopfen.
Der schnöde Pöbel ist vergesslich. Wahrheit wird durch die jeweils aktuelle Berichterstattung produziert.
talkingkraut (27.11.2009, 01:00 Uhr)
Funkstille auf dem Lerchenberg wäre gut
Das Bundesverfassungsgericht sollte sich wirklich mal mit diesen ÖRs beschäftigen. Da Artikel 5 auch die passive Meinungsfreiheit garantiert, ist es mit dieser längst nicht mehr vereinbar, wenn ein Großteil des Medienbudgets der kleinen Leute für Zwangsgebühren draufgeht und das für Staatssender, deren Staatsferne nichts daran ändert, dass sie am Gängelband der Politik sind.

Bizarr auch wie in Deutschland die Höhe der Rundfunkgebühren festgelegt wird. Eigens ist dazu eine Kommission geschaffen worden, die den Finanzbedarf der Staatssender ermittelt. Die Staatssender müssen also nur so mit dem Geld der Zwangszahler um sich werfen, damit diese Kommission ihnen möglichst viel Geld des Bürgers zugesteht. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn dem ZDF bei seinem neuen Studio nichts zu teuer war.

Warum erfährt der Bürger eigentlich nicht, was sich diese Hofschranzen für Gehälter genehmigen?

Ob nun der Vertag mit Brender verlängert wird oder nicht, ist mir ziemlich schnuppe. Nach der Rundfunkordnung liegt die Entscheidung dazu beim Verwaltungsrat. Und Koch kann natürlich sagen, dieser Brender taugt nichts - dieser Meinung bin ich auch - aber dann kommt eine andere Hofschranze und die taugt auch nichts. Ist einfach systembedingt, dass bei diesen Staatssendern Journalismus zur Karikatur seiner selbst wird.
salz63 (27.11.2009, 00:49 Uhr)
@Sascha63
Ich würde Ihnen mal empfehlen das Roland Koch Interview zu dem Thema in der FAZ und seine sonstigen Ausführungen zum Thema zu lesen.
skink (26.11.2009, 22:35 Uhr)
Christdemokraten! Vielfalt und Freiheit wahren!
Kann das Problem in 22 Monaten gelöst sein? Wie will man Koch so schnell entsorgen? Und wohin mit dem Mann? In Europa gibts keine freien Plätze mehr und dermatologische Dummies (engl. für Testpersonen, damit es keine Mißverständnisse gibt...) scheint es reichlich zu geben. Neue Aufgaben also für die CDU/CSU-Arbeitsgruppe "Nächste Chance treppauf", die schon Stoibi und Oetti zu lukrativen Rentenjobs verholfen hat.
Die seit Jahrzehnten bahnbrechend untätigen ZDF-Verwaltungsräte indes müssen jetzt das Kreuz durchdrücken, wenn noch was da ist. Denn eigentlich geht es doch zunächst mal um einen reinen Willkürakt von Ihro Gnaden Koch. Frei nach dem Motto: Der Mann trägt Schnauzer, der wird rasiert. Rundfunkfreiheit, Parteienferne - und was dabei sonst noch den Bach runtergeht - sind einfach Kollateralschäden.
Gern erinnern wir in diesem Zusammenhang an die Medienvielfältler Schnullermund Stoltenberg und Krümelmonster Albrecht, die den Gedanken der Staatsferne der öffentlich-rechtlichen Anstalten ein für allemal aus den Köpfen der Unionschristen entfernt haben.
Unsere politischen Atemgeber (Achtung: Ironie) sind wirklich wieder schwer dabei, das kümmerliche Restvertrauen der halbwegs denkfähigen Bevölkerung zu vernichten.
Prologo (26.11.2009, 21:40 Uhr)
Winden, Würgerei und Lügnerei sonst nichts.
Wo bleibt die Wahrheit? Die Wahrheit ist, die Politiker wollen noch mehr Einfluss und Mitbestimmung in den Öffentlich Rechtlichen haben.

Nur darum geht es!

Pressefreiheit und neutrale Berichterstattung gibt es ja schon länger nicht mehr, wie man an diesem Magazin ja deutlich sieht.

Deshalb schreiben diese Kommentaristen ja die Wahrheit nicht. Ich meine dieses Magazins und ncht uns Kommentarschreiber.

Warum schreibder St..... nicht, "Die Politiker wollen sich die Öffentlich Rechtlichen Fernsehanstalten für ihre Ziele unter den Nagel reissen!!

Bei Lavo war Jörges und Konsorten ja auch nicht zimperlich. Also lassen wir uns von solchen gesteuerten Redakteuren nicht mehr länger verarschen.

Guats Nächtle,
Tobi

Sascha63 (26.11.2009, 21:38 Uhr)
Nicht beeinflussen lassen
Nach einem Gesetz wird ein Gremium zusammengesetzt, welches im geregelten Zeitabschnitt ein Vertrag mit einem ZDF-Chefredakteur(in) beschließt, verlängert oder kündigt. Ist wenig was zu beklagen.
Auf einmal tanzt eine hoch lärmende Kohorte vor korporativen Interessensbrüdern des Chefredakteurs vor und verlangt eine Vertragsverlängerung.
Wird der Vertrag verlängert wird das Wahlgremium als superdemokratisch eingestuft, wird der Vertrag mit dem Chefredakteur gekündigt- verwandelt sich das Wahlgremium in eine undemokratische Teufelsküche. Laute Geschrei und freie Meinungsäußerungen sind nicht gleich. Was hier für superdemokratisch vorgetragen wird ist eine Parodie der Demokratie.
Schade wenn sich ein gesetzlich legitimiertes Gremium sich beeinflussen lassen wird.
Tempelhofer (26.11.2009, 21:34 Uhr)
@ Otto B.
Das ZDF kann sich ja selber verklagen.
OttoB (26.11.2009, 21:21 Uhr)
Das Bundesverfassungsgericht
muss die Pressefreiheit retten, wer stoppt Koch?
gesox (26.11.2009, 21:11 Uhr)
Das ZDF, mit den Dritten sieht man besser!
Wie man sich täuschen kann: bisher dachten alle, die "heute"-Sendung wäre das offizielle Zentralorgan des Kanzleramtes und würde genau das verbreiten, was Merkel will. Bislang war diese Sendung dennoch einer der wenigen Lichtblicke in einem öden Sender.
So gesehen wäre alles nach Brender, was sich Madame wünscht, noch eine weitere Verschlechterung.
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