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24. November 2009, 11:59 Uhr

Darum geht's im Fall Brender

Die Diskussion um die Zukunft von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender erhitzt die Gemüter: Geht es wirklich um die TV-Quote oder wollen sich Politiker einen ungeliebten Journalisten vom Hals schaffen? Ein Überblick.

Brender, Nikolaus, ZDF, Chefredakteur, Koch, Verwaltungsrat

Ein mehrheitlich konservativer Verwaltungsrat entscheidet über Brender© Andreas Gebert/DPA

Muss Nikolaus Brender seinen Posten als ZDF-Chefredakteur räumen? Am Freitag wird der Verwaltungsrat des Senders über die Zukunft des 60-Jährigen abstimmen. Im Vorfeld hat es viele Diskussionen um seine Vertragsverlängerung gegeben, weil Staatsrechtler und Journalisten sich gegen die Einmischung der Politik bei der Besetzung des ZDF-Chefredakteurspostens wehren.

Brender selbst ist parteilos, wird aber in der Farbenlehre des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dem linken Lager zugerechnet. Sein schärfster Gegner ist Roland Koch (CDU). Der hessische Ministerpräsident hat sich gegen eine Vertragsverlängerung Brenders ausgesprochen - offiziell wegen der Quotenentwicklung im Informationsbereich des ZDF.

Koch ist stellvertretender Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats, der aus 14 Mitgliedern besteht. Für eine erfolgreiche Verlängerung müssten neun Vertreter am Freitag mit Ja stimmen. Da jedoch die Mehrheit des Rates dem konservativen Lager zugeordnet wird, gilt ein neuer Fünf-Jahres-Vertrag für Brender als sehr fraglich.

Staatsrechtler gegen Politik

Doch Brender hat auch viele Fürsprecher: Zuletzt haben 35 führende Staatsrechtler den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch indirekt scharf angegriffen. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" äußerten die Juristen in einem offenen Brief ihre Bedenken gegen eine Einflussnahme von Politikern. Es gebe einen "offenkundigen Versuch, einen unabhängigen Journalisten zu verdrängen und den Einfluss der Parteipolitik zu stärken", schrieben sie.

Auch unter Politikern regt sich Widerstand: Der ehemalige FDP-Innenminister Gerhart Baum sieht in der "causa Brender" eine "causa Grundgesetz". Es stehe "das Prinzip Staatsferne auf dem Prüfstand", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

"Wenn das durchgeht", sagte Grünen-Chef und ZDF-Fernsehratsmitglied Cem Özdemir, "dann ist endgültig klar, dass künftig die Unions-Staatskanzleien und das Kanzleramt das ZDF führen und eine unabhängige Berichterstattung damit gefährdet ist."

Springer-Chef: "Beunruhigend"

Auch Journalisten wehren sich gegen die Einmischung von Politikern im Fall Brender. Neben dem Deutschen Journalisten-Verband sprach sich auch Springer-Chef Mathias Döpfner dagegen aus: "Diese Art von Selbstherrlichkeit eines Gremiums, das politisch zusammengesetzt ist nach dem Motto: 'Jetzt sind wir mal dran'" sei in höchstem Maße beunruhigend, sagte Döpfner bei einer Veranstaltung von "Zeit" und Deutschlandradio Kultur.

Zuletzt hatte ZDF-Intendant Markus Schächter im Wochenmagazin "Die Zeit" seinem Chefredakteur den Rücken gestärkt. Verlängert wird der Chefredakteursvertrag üblicherweise um fünf Jahre. Vor kurzem wurde aber spekuliert, dass Brender möglicherweise nur ein Ein-Jahres-Angebot bekommen könnte.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 29)
 
jomimo (27.11.2009, 00:13 Uhr)
8,3 Milliarden EUR
erhalten Ard und ZDF gemeinsam jährlich zur Aufrechterhaltung eines mittlerweile sehr verwaschenen staatlichen Auftrags !
GertL (25.11.2009, 18:04 Uhr)
GEZ gehört abgeschafft
Ein Sender, den ich nicht ansehe,
wird von Verbre.. äh Politikern kontrolliert,
die ich nicht mag und bei denen noch nicht mal die Chance hatte, sie nicht zu wählen.
Aber wenn ich dafür nicht zahlen will, mache ich mich strafbar.
SirDidimus (25.11.2009, 14:42 Uhr)
was soll die aufregung
der verwaltungsrat hat immer mitentschieden. die eigentliche verblödung findet doch dadurch statt, indem hier ein ritual als etwas neues verkauft wird. wenn die mehrheit des verwaltungsrates sagt, der soll es nicht mehr sein, sondern xy, dann ist das eine entscheidung die scheinbar alle fünf jahre in diesem gremium gefällt wird. ich kann darin keinen skandal erkennen.
rennschnecke (24.11.2009, 19:53 Uhr)
ard+zdf
abschaffen
chatahootchee (24.11.2009, 18:21 Uhr)
ABER, ABER @JOHANN
Wie wollen Sie hier eigentlich mitreden? Empfangen Sie ZDF und ARD in Georgia?
Benkku (24.11.2009, 17:21 Uhr)
Der falsche Fernseh-Koch
@raptor-xl: Wenn's Ihnen nicht gefällt, können Sie's ja mit arte, 3sat oder Phönix versuchen, um bei informierenden Programmen zu bleiben.
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Quote: "gruselig!!! und dann kommt silbereisen und alle schunkeln! die kollektive verblödung!!!"
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Wer läßt sich nicht ganz gerne ein- oder zweimal die Woche berieseln, wobei Florian Silbereisen als Interpret sogar eine recht gute Wahl ist. Wenn der auf seiner Harmonika loslegt, möchte man an die Decke gehen. Besonders seine russisch angehauchte Lebensgefährtin finde ich einsame Spitze, vorallem, wenn sie einmal ein russisches Lied singend und stepptanzend zum Besten gibt. Aber das ist es nicht. Es geht um Meinungsfreiheit. Was ist denn ohnehin davon überhaupt noch übrig?!
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Der falsche Fernseh-Koch ist mal wieder der ganz schlaue Fuchs, wenn er behauptet, nur die Quoten verbessern zu wollen, anstatt zuzugeben, auf Kosten kritischer Sendungen noch mehr der kollektiven Verblödung Tür und Tor öffnen zu wollen.
JanvanHelsing (24.11.2009, 17:19 Uhr)
Quoten haben nicht zu interssieren
beim ÖR, dafür gibt es die Gebühren, im Jahr 2008 7,26 Milliarden Euronen.
Somit ist die Kochsche Argumentation gegen den Staatsvertrag, der besagt das daß ÖR Quoten unabhängig produzieren und senden soll.
Die ARD und das ZDF sind als reine Informations Anstalten konzipiert mit Anteiliger Unterhaltung und nicht umgekehrt wie die Privaten.
Hier geht es um Pöstchen und Posten und wer wieviel vom Gebührenzahler abziehen kann, Koch 18.000,-- Euro Aufwandsentschädigung, wie die anderen Verwaltungsratsmitglieder.
Koch will Peter Frei aus Berlin, damit das ZDF wieder konservativer wird im gesamten Programm.
Johann58 (24.11.2009, 17:12 Uhr)
@knilch_59
Koch hat auf keinen Fall recht, denn seine Einflussnahme ist rein parteipolitisch motiviert. Ob Brender etwas taugt oder nicht steht fuer Roland Koch nicht zur Diskussion. Seine Intention ist einen Parteigaenger zu plazieren und was daran richtig ist kann ich nicht sehen. Ueber die Qualitaet des Programms will ich nicht urteilen, denn produziert wird wohl was das Fernsehvolk will. Da heben sich die oeffentlich-rechtlichen in Deutschland gluecklicherweise noch von den Privaten vor allem vom US-Fernsehen deutlich ab.
Nicisling (24.11.2009, 17:11 Uhr)
Wider dem Parteienklüngel
ganz gleich was man von Koch oder Brender hält; was die Diskussion anheizt, zu Recht, ist die Anmaßung der Politik in einen Bereich, der Teil der Gewaltenteilung in Deutschland darstellt.
Diejenigen, die als Vertreter des Staates von den anderen Gewalten kontrolliert werden sollen, maßen sich an, über ihre kritischen Beobachter zu richten. Das geht daneben, daß führt zu Mißbrauch. Die Vertreter der Politik werden sich jahrelang vorhalten lassen müssen, daß sie der Versuchung erlagen, die grundlegenden Spielregeln des Politikbetriebs verletzt zu haben. Dabei sitzen SPD mit Beck und CDU mit Koch im selben Boot.
Wenn jetzt Brender der Staatsräson zum Opfer fällt, dann beschädigt das mehr als das öffentliche Unrecht der Rundfunkanstalten.
knilch_59 (24.11.2009, 16:49 Uhr)
Fest steht: Herr Brender bringts nicht
Die Zuschauer des ZDF vergreisen, die Quoten sind im Keller. Und auch das neue Nachrichtenstudio ist nicht der Reißer. Von daher sicherlich ein Grund, sämtliche Führungspositionen infrage zu stellen, darunter auch den Chefredakteur. Linkslastigkeit kann man der Redaktion des ZDF sicherlich nicht vorwerfen: schaut man sich die institutionelle Demut an, mit der Herr Hahn Frau Dr. Merkel oder Herrn Westerwelle interviewt, sind alle Bedenken zerstreut, kritischer Journalismus geht prinzipiell anders, als beim ZDF betrieben.
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Ich bin sicherlich alles Andere als ein Fan von Roland Koch, halte ihn für einen echten Gangster im ursprünglichen Sinne des Wortes. Aber trotzdem hat er in diesem Fall recht. Obwohl charakterschwach hat er doch die Fähigkeit zur Analyse und ist auch bereit, altes, liebgewordenes infrage zu stellen. Also sollte man sich seine Argumentation zunächst mal zu Herzen nehmen und nicht zu einer Prinzipienfrage hochstilisieren. Natürlich fällt es leichter, einen potenziellen Gegner aus dem Amt zu drängen als einen Parteifreund, aber wenn er nun mal nicht passt? Dann muss man das einsehen, auch wenn das der Falsche sagt. In diesem Falle wäre eher die Nibelungentreue der anderen bedenklich.
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