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Enissa Amani - niedlich ist nicht witzig

Sechs weitere Sendungen von "Studio Amani" soll es geben. Wünschenswert ist das nicht. Denn schon die zweite Ausgabe konnte nicht begeistern. Vielleicht, weil Amani eher auf die Bühne gehört als ins Fernsehen.

Von Andrea Zschocher

Studio Amani ProSieben

Klar, Enissa Amani hat Potenzial - aber eher auf der Bühne als im TV-Studio-Amani

Als TV-Kritikerin möchte man, das sollte vorab vielleicht noch mal klargestellt werden, nicht alles schlecht finden. Nein, vielmehr ist es so, dass gute Sendungen und Formate gelobt und empfohlen werden wollen. Das Problem ist schlicht nur: Das Schlechte überwiegt. Und auch wenn der Kollege letzte Woche "Studio Amani" gar nicht so übel fand, ich kann das hier nicht schreiben. Die zweite Ausgabe war nichtssagend. Enttäuschend. Langweilig. Unlustig. Da gibt es wenig zu beschönigen.

Sie will es allen recht machen - und das ist langweilig 

Dabei hat diese Enissa Amani ja durchaus Potential. Niemand bekommt einfach so den Deutschen Comedypreis verliehen, wenn sie nicht auch lustig wäre. Vielleicht funktioniert das Ganze nur einfach besser auf der Bühne als in einer Montagabendshow. "Ich bin so eine Höfliche, ich will es immer allen recht machen" erzählte Amani in der Show. Das glaubt sicher jeder sofort. Wie sie in den ersten Minuten versuchte zu erklären, was Facebook- Kommentare mit ihr machen, wie ihr später bei einem Spiel mit dem Studiogast kaum ein schlechtes Wort über andere Menschen über die Lippen kam, das war beinahe rührend. Und nicht aufgesetzt. Aber eben auch langweilig.

Amanis Redaktion hatte sich überlegt, dass sie gemeinsam mit dem Gast Serdar Somuncu das Spiel "Tabu" mit einigen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte spielen sollte. Dabei durfte das Publikum entscheiden, ob nur nette Beschreibungen erlaubt waren oder auch abfällige. Während Somuncu bei Xavier "den kann man nur mit Hass vorstellen" Naidoo zur bissigen Höchstform auflief und derbe vom Leder zog, blieb Amani im niedlich, süßlichen Bereich kleben. Und deutete leider auch die eine oder andere Wissenslücke an, die sich weniger auf Prominente als mehr auf Deutschland bezog. Man muss nicht wissen, wer Carsten Maschmeyer ist - zu welchem Bundesland Wolfsburg gehört, ist dann aber doch Allgemeinbildung.

Lieber keine Tagespolitik

"Ich scheiß auf Bundesländer" ist sicher keine adäquate Antwort auf diese Frage, vor allem dann nicht, wenn man sich, wie Amani, als eloquente Frau mit einer Stimme inszeniert. Tagespolitik? Lieber nicht zuviel davon. Ein Thema bei " Studio Amani" waren auch die Wahlen vom Wochenende. Hier schien der Druck, etwas wirklich Neues über das Wahlergebnis zu sagen, aber zu groß zu sein, so dass die Stand-up-Comedienne ihre Chance vergab und außer einem halbherzigen Hinweis, dass eine "Bildungsreform ist dringend nötig" sei, nichts kam. Studiogast Somuncu wurde da sehr viel deutlicher. Als er, von einem Zuschauer via Video gefragt wurde, was er Frauke Petry denn gern ins Gesicht sagen würde, antwortete er verwundert. "Was ich Frauke Petry gern ins Gesicht schlagen würde?". Amani kicherte, blieb aber stumm. Dabei sind es doch gerade Stand-up-Comediens, von denen eben auch zu tagesaktuellen Ereignissen Einordnungen erwartet werden dürfen.

Der Unterschied im Umgang mit der AfD wurde in diesem Moment eklatant, denn auch wenn Gewalt keine Lösung ist, Somuncu bezog deutlich Stellung, während Amani lieber ins Kleinmädchentum verfiel.

"Studio Amani": kein Konzept, keine Witze

Der Show "Studio Amani" fehlte es auch in der zweiten Ausgabe an einem Konzept, dass die Sendung trägt. In der ersten Hälfte hechelte die Moderatorin, wenn man sie denn als solche bezeichnen möchte, durch ihre Themen, alle wurden kurz angerissen und im Schnellverfahren kommentiert. Leider blieb dabei der Witz auf der Strecke. Anschließend gab es einen Einspieler, der die arbeitslos gewordenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von "TV Total" beim Arbeitsamt zeigte. Neue Heimat für sie: "Studio Amani". Fast möchte man sie bedauern. Es hätte soviel mehr aus dieser Idee entstehen können, immerhin klagen einige Ex-Beschäftigte gegen Stefan Raab. Aber nein, bei Enissa Amani saßen sie brav im Publikum und klatschen höflich Beifall.

Sechs weitere Sendungen von "Studio Amani" soll es geben. Wünschenswert ist das nicht. Sollte die Sendung von Serdar Somuncu übernommen werden, der sich in der Sendung sehr dafür empfahl, dann könnte Amani sein Sidekick werden. Bleibt die Frau mit der beeindruckenden Frisur ihrem Sendekonzept aber treu ist sie genau das, was sie selbst über Helene Fischer sagte, "Overhyped".

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