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22. Februar 2010, 13:29 Uhr

Giovanni und die Frauen

Einen Monat ist es her, dass "Feuchtgebiete"-Autorin Charlotte Roche ihren Job als "3 nach 9"-Moderatorin hinschmiss. Jetzt werden zunächst wechselnde Gastmoderatorinnen neben Giovanni di Lorenzo Platz nehmen. Unter ihnen ist auch eine "Tatort"-Kommissarin. Von Katharina Miklis

3nach9, Giovanni di Lorenzo, Charlotte Roche, Helene Hegemann, Maria Furtwängler, Radio Bremen

"3nach9"-Moderator Giovanni di Lorenzo bekommt es künftig mit sechs Frauen zu tun© DPA

Sandra Maischberger macht den Anfang. Wenn die Bremer Talkshow "3 nach 9" am kommenden Freitag zum ersten Mal nach Charlotte Roches Ausstieg auf Sendung geht, wird die ARD-Moderatorin mit Giovanni di Lorenzo durch das Programm führen. Das betagte Stammpublikum der Traditionssendung, das sich massiv an Roches Art gestört haben soll, dürfte damit zunächst versöhnt sein. Doch die Redaktion plant schon den nächsten Coup.

Zunächst einmal werden sechs prominente Gast-Moderatorinnen oder, wie Radio Bremen erklärt, "Freundinnen von 3 nach 9" die Roche-Lücke füllen bis eine feste Nachfolgerin bestimmt wird. Nach Maischbergers Einsatz, die aus Freundschaft zu di Lorenzo und aus Respekt vor der "Mutter aller Talkshows" den Anfang macht, ist Opernstar Annette Dasch dran. Im April folgt "Tatort"-Kommissarin Maria Furtwängler, die sich anstrengen will, "neben einem so brillanten Kopf und charmanten Gastgeber wie Giovanni di Lorenzo nicht gänzlich unterzugehen." 3Sat-Moderatorin Katrin Bauerfeind, zurzeit auch von Harald Schmidt eingespannt, wird die Mai-Ausgabe übernehmen. Danach werden "Tagesschau"-Sprecherin Judith Rakers und TV-Köchin Sarah Wiener einspringen.

Programmdirektor Dirk Hansen sieht die "Freundinnen"-Idee in guter "3 nach 9"-Tradition: "Es gab ja auch früher immer wieder schnelle Wechsel auf diesem Moderatorenplatz. Das war zwar eher Schicksal als Konzept, aber jetzt setzen wir ganz bewusst auf eine Phase der Abwechslung. Es wird für unser Publikum spannend werden, wenn die jeweilige Kollegin mit der Tradition der Sendung spielt."

"Wir wollen nicht Viva spielen"

In der Zeit, in der die sechs Frauen Giovanni di Lorenzos Gegenpart bilden, will die "3nach9"-Redaktion ein Casting für die neue Stammbesetzung durchführen. Aus Senderkreisen heißt es, es sei gut möglich, dass eine der sechs "Freundinnen" auch die feste Partnerin von di Lorenzo wird. Auf jeden Fall will "3nach9"-Redaktionsleiter Helge Haas den Weg, den man mit Charlotte Roche eingeschlagen hat, weitergehen. "Wir wollen die Sendung weiterhin für ein jüngeres Publikum öffnen. Bei der Suche nach einer neuen Moderatorin wird dieser Punkt eine große Rolle spielen", sagte Haas stern.de. "Wir wollen nicht Viva spielen. Das kann auch schief gehen bei unserer Stammzuschauerschaft", so Haas, trotzdem soll di Lorenzo in jedem Fall eine Partnerin bekommen, die die junge Zielgruppe anspricht. "Wir suchen nicht unbedingt die klassische Fernsehmoderatorin, wir suchen starke Frauen, die etwas darstellen", so Haas. Eine Katrin Bauerfeind sei da zum Beispiel eine perfekte Besetzung, da sie zwischen Moderation und Comedy pendelt. Auch ist Haas sich sicher, dass Maria Furtwängler ihren Job hervorragend machen wird. "Leider wird es ihr Terminplaner wohl nicht zulassen, dauerhaft für "3nach9" zu arbeiten".

Eine Deadline, zu der die neue Moderatorin feststehen soll, hat sich die Redaktion nicht gesetzt. Sollte man sich nach Ablauf der nächsten sechs Folgen in der Redaktion nicht über eine Roche-Nachfolge einig sein, behält man es sich vor, das Wechsel-Spiel zu verlängern, so ein Radio-Bremen-Sprecher.

Qualität kommt vor Schnelligkeit

Nachdem man sich bei Radio Bremen mit der Causa Roche etwas die Finger verbrannt hatte, braucht man nun also mindestens bis zum Spätsommer Zeit, um die Blasen zu kühlen. Nach nur fünf Sendungen gab die ehemalige Viva-Moderatorin Charlotte Roche im Januar überraschend auf, da sich ihre Vorstellungen nicht mit denen der Redaktion deckten. Sender und Moderatorin sagten offiziell, man habe sich "im gegenseitigen Einvernehmen" getrennt. Jetzt soll Qualität vor Schnelligkeit gehen, sagt der Sprecher.

Am kommenden Freitag werden Sandra Maischberger und "Zeit"-Chefredakteur di Lorenzo, der bereits seit über 20 Jahren bei "3nach9" ist, unter anderem die 18-jährige Helene Hegemann begrüßen, die mit ihrem Mix-Roman "Axolotl Roadkill" für den größten Literaturskandal in diesem Frühjahr sorgte. Auch Fernsehkoch Johann Lafer, Sängerin Yvonne Catterfeld, TV-Produzent Nico Hofmann, Autorin Elfriede Vavrik und Wolfgang Stumph werden zu Gast im Radio-Bremen-Studio sein.

Im November vergangenen Jahres feierte "3nach9" 35-jähriges Jubiläum und ist somit im deutschen Fernsehen die Talkshow mit der längsten Geschichte. Bevor Charlotte Roche neben Giovanni di Lorenzo Platz nahm, hatte Amelie Fried die Sendung elf Jahre lang moderiert.

Von Katharina Miklis
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
laketahoe (23.02.2010, 07:26 Uhr)
Auch diese Talkshow krankt sehr an den Gäststen
Ich lese zwar seit ich Vierzehn bin Die Zeit, aber Di Lorenzo ist mir in der Talkshow viel zu salbungsvoll...wirkt auf mich frühzeitig gealtert .... ob das mit einer der Grand Dames besser werden wird, das bezweifle ich. Nur zu Annette Dasch kann ich mir gar kein Urteil erlauben... man kennt Opernsängerinnnen ja nicht als Hosts von Talkshows.

Fürtwängler finde ich in dieser Funktion zu getragen und mit zu wenig kritischer Distanz ausgestattet. Sie muss langsam aufpassen, nicht wie eine Lady Who Lunch rüberzukommen und damit direkt ins Fach von Frau Springer und Frau Mohn hineinzurutschen.

Katrin Bauerfeind wird überschätzt. Ihre Kommentare haben was Redundantes. Am besten zu merken bei Harald Schmidt.

Sarah Wiener ist zwar authentisch und irgendwie frisch, aber als in Wien geborene Szeneköchin aus Berlin vielleicht nicht unbedingt über alles im Bilde.

Sandra Maischberger ist leider zur Nachfolgerin des Sandmännchens mutiert.

Fazit. Frische, Esprit, geistige Spannung und etwas gegen den Strich gebürstetes und an sich Originelles und Unterhaltendes erwarte ich mir von diesen Paarungen nicht.

Aber wirklich wegschalten lassen mich die Gäste.....

.......wenn man für die Zielgruppe arbeiten will, dann frage ich mich, weshalb man diese langweilige Göre Helene Hegemann noch eingeladen hat, obwohl sie bei Harald Schmidt schon nichts Originelles von sich gab......

......wahrscheinlich deshalb, weil sie ein schlechtes Buch geschrieben hat, wie viele Talkshowgäste in Deutschland..
Benkku (22.02.2010, 17:16 Uhr)
Geschlossene Gesellschaft.
Wenn sich die Glotze selbst feiert, nenne ich soetwas mediale Inzucht, ansonsten stimme ich mit dem Vorredner @ritchie überein. An Stromlinienform und Angepaßtheit sind das Sandmännchen Lorenzo und die Einschläferin Maischberger einfach nicht mehr zu übertreffen.
ritchie (22.02.2010, 16:06 Uhr)
Die ZEIT ist die Bild-Zeitung..
für Abiturienten. Zitat von Volker Pispers.

di Lorenzo hat die einst streitbare und interessante Talkshow auf ein Kaffekränchen-Niveau runtergebracht bei dem jeder jeden einfach nur Klasse findet.

Selbst kaum auf dem Bildschirm zu sehende Köche wie Lafer erhalten hier gerne Sendezeit.

Guck`ich nich mehr. Zapp immer mal rein um dann immer wieder festzustellen, daß es nix bringt.
KlausK3 (22.02.2010, 15:54 Uhr)
Rentner TV
Angesichts der Zielgruppe sollte man überlegen, die Rundfunkgebühr direkt von der Rente abzuziehen und alle unter 50 davon zu befreien...
Stefan67 (22.02.2010, 15:28 Uhr)
"...einem so brillanten Kopf "???
Giovanni di Lorenzos Kommentar zum Thema Hartz IV erschienen in der Zeit spricht eigentlich für sich.
Kompetenter Journalismus sieht anders aus.
tabularasa (22.02.2010, 15:26 Uhr)
Di Lorenzo...
und Madame Furtwängler ... das wäre wirklich ein Traum-Talk-Duo,
dafür lohnt es sich, die Daumen zu drücken, yeah!
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