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18. Oktober 2010, 15:16 Uhr

Entsetzte Freifrau, reuiger Sender

RTL2 zieht Konsequenzen aus der Aufregung um "Tatort Internet": Künftig sollen Behörden und Arbeitgeber informiert werden, wenn sich Betreuer an Kinder ranmachen. Stephanie zu Guttenberg versteht derweil die Welt nicht mehr. Die Kritik an der Sendung entsetzt die Präsentatorin.

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Erbost: Stephanie zu Guttnberg wehrt sich via "Bild"-Zeitung© Robert Schlesinger/Epa

Der Privatsender RTL2 zieht aus dem Fall "Goldenes Kinderdorf" in Würzburg Konsequenzen: Der Sender will künftig Arbeitgeber benachrichtigen, wenn mutmaßliche Täter, die "in ihren Arbeitsverhältnissen mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben", von der RTL2-Sendung "Tatort Internet" beim Anbaggern von Minderjährigen im Netz erwischt werden.

Der Sender reagierte damit am Montag auf die Vorwürfe des Dachverbandes Caritas, der die Macher von "Tatort Internet" gerügt hatte, fünf Monate lang die Informationen über die Aktivitäten des Heimleiters "Goldenes Kinderdorf" für sich behalten zu haben. RTL2 wollte auf Anfrage am Montag nicht mitteilen, wann Caritas das erste Mal von dem Sender über die Vorgänge benachrichtigt worden ist.

RTL2 hatte zunächst argumentiert, man habe auf die Persönlichkeitsrechte des mutmaßlichen Kinderschänders Rücksicht nehmen müssen. Für die Zukunft soll gelten: "Am Donnerstag vor Ausstrahlung werden die Sendekopien an die betreffenden Strafverfolgungsbehörden weitergegeben", versprach der Sender. "Die Polizei und Staatsanwaltschaft entscheidet dann, ob und wie sie ermittelt." Die Sendung ist immer montags im Programm.

Staatsanwalt ermittelt, Verdächtiger taucht ab

Der mittlerweile entlassene Leiter eines "Kinderdorfs" in Würzburg wollte nach Ermittlungen der RTL2-Sendung "Tatort Internet - Schützt endlich unsere Kinder" über das Internet mit einer 13-Jährigen anbandeln und ging dabei dem Fernsehteam in die Falle. Zu spät, wie die Caritas meinte: "Sofortiges Eingreifen ist uns wichtig, um Gefährdungen für Kinder oder Jugendliche auszuschließen", hieß es bereits in einer Stellungnahme am Wochenende.

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den 61 Jahre alten Leiter des "Goldenen Kinderdorfs" in Würzburg ein. Der Mann ist seit der Sendung und der darauf folgenden Entlassung spurlos verschwunden. Seine Kontaktaufnahme und ein Treffen mit der Jugendlichen wurden von "Tatort Internet" am vergangenen Montag dokumentiert.

Stephanie zu Guttenberg ist "entsetzt"

Die wegen ihrer reißerischen Aufmachung umstrittene Sendung wurde von Stephanie zu Guttenberg, Frau von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), in der ersten Ausgabe präsentiert. Mittlerweile prüft die Medienaufsicht, ob bei der Sendung die Regeln des Jugendschutzes eingehalten und Persönlichkeitsrechte von Opfern und mutmaßlichen Tätern berührt worden seien.

Stephanie zu Guttenberg kann die Aufregung um die Sendung nicht vertehen: "Ich bin entsetzt, wie diese Debatte geführt wird! Die Sendung soll zeigen, wie leicht unsere Kinder im Internet zu Opfern von Sextätern werden können. Wie allgegenwärtig diese widerliche Anmache von Online-Tätern ist. Und wie skrupellos sie sich das Vertrauen von Kindern erschleichen, um sie zu Hause, im Wald oder im Hotel zu treffen", sagte sie der "Bild". Prominente Unterstützung gab es von Til Schweiger. Der Hohn und Spott, der über Guttenberg und der Sendung ausgeschüttet werde, mache ihn "sprachlos und vor allen Dingen wütend". Der Schauspieler fragt sich: "In was für einer Gesellschaft leben wir denn?"

DPA/ben
 
 
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