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25. Mai 2008, 18:22 Uhr

Die Gesellschaft im Fadenkreuz

Ein dramatischer Akkord, ein treibendes Schlagzeug - auf den "Tatort" freuen sich jeden Sonntag Millionen Deutsche. Ein Grund für den Erfolg ist, dass sich die Serie nicht scheute, Tabuthemen aufzugreifen. Am Sonntag wird die 700. "Tatort"-Folge ausgestrahlt. Von Mareike Gries

Simone Thomalla und Martin Wuttke sind das neue Leipziger Ermittlerteam (in der Mitte Maxim Mehmet). Und gleich zur Premiere haben sie die Ehre, die 700. "Tatort"-Folge zu bestreiten© Axel Berger/MDR

Sonntagabends ist es rappelvoll im Café Cantona, einer Kneipe in der Leipziger Innenstadt. Dutzende Fans, die meisten sind Mitte, Ende 20, frönen dort seit zwei Jahren dem Public-"Tatort"-Viewing. Während des Vorspanns schleppen einige Besucher noch schnell Stühle herein, was andere mit einem genervten "Pssst!" kommentieren. "Das Public Viewing ist ein gutes Mittel, um gerade in den Städten die vereinsamte Jugend wieder zusammen zu bringen", erklärt Annegret Richter, Medienwissenschaftlerin an der Universität Leipzig und selbst begeisterte "Tatort"-Zuschauerin. "Die verschiedenen Teams sorgen immer wieder für Abwechslung, außerdem sind die realen Schauplätze und der Lokalkolorit sehr Identität stiftend", erklärt sie den Erfolg der Serie.

Ein echtes Bild der Gesellschaft beschreibe der "Tatort" zwar nicht, "schließlich gibt es bei weitem nicht so viele Morde", aber er orientiere sich stark an der Wirklichkeit. "Der "Tatort" hat schon immer gesellschaftsrelevante Themen aufgegriffen, aber er bleibt dabei die große Sonntagabend-Unterhaltung", sagt Annegret Richter. Angefangen hat das 1970 mit der ersten Folge - "Taxi nach Leipzig". Der Hamburger Kommissar Trimmel musste dabei über die innerdeutsche Grenze hinweg ermitteln.

Der "Tatort" greift gesellschaftliche Entwicklungen auf

Die Medienwissenschaftlerin Susanne Vollberg hat die Realitätsbezogenheit besonders in den "Tatort"-Folgen des Westdeutschen und des Bayerischen Rundfunks erforscht und festgestellt, dass gesellschaftspolitische Entwicklungen durchgängig vorkamen - die Themenkonjunktur habe sich jedoch über die Jahre gewandelt: "In den 80er und 90er Jahren waren Umweltkriminalität und Wirtschaftsverbrechen besonders beliebt. Zum Beispiel Fälle, in denen Bauern ihren Tieren Arzneimittel und Hormone gefüttert haben, um einen höheren Ertrag einzufahren."

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