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21. September 2009, 10:06 Uhr

Das tote Ex-Groupie und der Vergänglichkeits-Blues

Sex, Drugs and Rock'n'Roll - das sind die Zutaten, aus denen sich pralle Storys mischen lassen. Trotz Starbesetzung mit Hugo Egon Balder und Rockröhre Helen Schneider ersäuft der Kieler "Tatort" mit Kommissar Borowski in zu viel Nostalgie-Sauce. Von Kathrin Buchner

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Rockerpaar mit Verfallsdatum: Hugo Egon Balder und Helen Schneider spielen das tragische Liebespaar© Marion von der Mehden/NDR

Es ist so eine Sache mit der Liebe: Entweder sie kommt schnell, heftig und bleibt dafür nur kurz; aus Verliebten werden Liebesleidende, die aus rosaroten Himmelswölkchen ins Bodenlose stürzen. Oder die Liebe braucht lange, bis sie Früchte trägt, kommt behäbig, aber bleibt beständig ohne Euphorie und Überschwang. Von diesen Extremen der Liebe handelt der Kieler "Tatort" mit Kommissar Borowski (Axel Milberg). Und von Vergänglichkeit, dem Suchen nach ewiger Jugend und der so banalen Erkenntnis: Wer nach den Sternen greift, kann umso tiefer fallen.

Eine solche Glückssucherin ist Margret, gespielt von Rocksängerin Helen Schneider ("Rock'n'Roll Gypsy"). Einst war sie Hippiemädchen und Bandgroupie und lebte ein beschwingtes Leben voll Sex, Drugs and Rock'n'Roll. Freie Liebe in einer Menage à trois, Exzesse und Hotelzimmerverwüstungen. Geliebt von zwei Männern, dem Bandleader Bodo (Hugon Egon Balder schön abgerockt mit Walrossbart und Zottelmähne erinnert an Udo Lindenberg) und seinem Gitarristen Henning (Hans Uwe Bauer). Doch wo wahre Gefühle herrschen, folgt meist ein tragisches Ende. Eifersucht gepaart mit Habgier ist eine explosive Mischung, die auch erst 30 Jahre später ihre tödliche Wirkung entfalten kann.

Ballade in Moll mit Anspielungen auf "Shining"

Dann nämlich liegt Margret tot neben den Mülltonnen, runtergestoßen vom Balkon des Hotelzimmers 606, wo die drei sich immer getroffen hatten. Regisseurin Angelina Maccarone, die auch das Drehbuch für "Borowski und die Sterne" verfasst hat, lässt die Handlung konsequent im Hotel stattfinden, der wahren Heimat von Rockstars. Die Türen sind aus dunkel gemasertem Holz, die Tapeten rostrot. Mit körnigen Rückblenden kreiert sie eine Ballade in Moll, voller Melancholie. Patina liegt in den langen Fluren, die Tiefenschärfe erinnert an Kubricks Verfilmung von Stephen Kings Bestseller "Shining". Wer Kino liebt, hat Spaß an den cineastischen Referenzen, sogar die Zwillingsmädchen aus Kubricks Film tauchen auf. Für die Handlung ist das komplett irrelevant.

Regisseurin Maccarone verrennt sich in Symbolik, spielt mit Farben, Kontrasten und unterschiedlichen Lebenswelten. Damit kann sie die fade Geschichte nicht kompensieren. Rockstar Bodo, ein Ritter von der traurigen Gestalt trotz glamourösem Comeback, trägt schwarze Ledermäntel, dunkle Sonnenbrille, während Margrets Mann, mit dem sie ein bürgerliches Leben versucht hat, in seinem Reinigungsunternehmen weiße Wäsche wäscht. Strahlend weiß ist auch die Einrichtung des Fitness-Studios von Ex-Rockgitarrist Henning Krause. Dort konserviert er tagsüber sein "Body Age" tagsüber mit Weizengras-Wellness-Cocktails und Sauna-Schwitzgängen, nachts seine Rachegelüste und Einsamkeit mit harten Drinks.

Am Ende gibt es dann doch das Doppelzimmer für Borowski und seine Kollegin, die Psychologin Frieda Jung (Maren Eggert). Zur Nostalgie-Mischung gesellt sich der Kitschfaktor, als Zuschauer ergreift einen die dicke Portion Wehmut: Wird der Zyniker Borowski jetzt mild und altersweise, weicht die düstere Denkermiene gar einem treudoofen Dackelblick? Auf jeden Fall hat der "Tatort" nun ein Liebespaar - nach der langen Schnupperphase sollte die Leidenschaft nicht gleich wieder verglühen.

Von Kathrin Buchner
KOMMENTARE (10 von 13)
 
schwede1601 (22.09.2009, 19:05 Uhr)
"Zeitversprung?"
Also da hat der NDR sicherlich schon besseres geliefert als den letzten Totort aus Kiel. Was mir jedoch aufgefallen ist, sind die 10 Jahre Zeitunterschied. Man sprach immer von Vorkommnissen von vor 30 Jahren. Die Hippies hatten Ihre Zeit doch eher vor 40 Jahren als wie hier angedeutet 1979. Oder wer sprach Ende der Siebziger noch von Janis Joplin?
Pallang (21.09.2009, 13:35 Uhr)
Passt nicht ...
Solche Kussszenen bei Tatort sind immer ein Kulturschock. Als ob man die eigenen Eltern beim hemmungslosen Sex erwischen würde.
Brent_Spiner (21.09.2009, 13:33 Uhr)
Die Stimmung...
...kam gut rüber, jeder hängt mehr oder weniger an seiner Vergangenheit; der Rockstar der nicht ohne Rock kann und in seinem 69er Mustang zum Hotel kommt. Borowski, der seine Frieda im alten Passat mitnimmt und mit seinem gefühlt genau so altem Handy telefoniert. Das Hotel passt zur Stimmung.

Was mich gestört hat, war die Beziehung zwischen Tochter, Koch und Hotelmanager als Spiegel ihrer Mutter - das war sehr gezwungen. Hugo Egon Balder war die Rolle wie auf dem Leib geschnitten - hätte nicht gedacht, dass er so gut spielen kann!
Bin gespannt wie sich Borowski als Lover halten kann :-)
pistenpirat (21.09.2009, 13:27 Uhr)
Tatort wird immer schlechter.
Laangweilig bis zum Erbrechen. Die Regisseure wollen anscheinend immer etwas künstlerisch wertvolles schaffen und langweilen dann das Publikum zu Tode. Wenn ich einen Tatort schaue, dann möchte ich ein möglichst autentisches Verbrechen sehen. Denn auch das kann spannend sein. Wen ich allerdings sehr gail fand, das war H.E.Balder.
rynaldo (21.09.2009, 13:23 Uhr)
Nach 10 Minuten war Schluss ...
... wieder mal diese gewollte, künstliche Melancholie, dann der langweilige, politisch korrekte Kommissar - da sind mir die grauen, einsamen Wölfe vom Berliner Tatort lieber.
amapola (21.09.2009, 12:43 Uhr)
Das war ein typisch...
...deutscher Krimi. Langatmig, langweilig, öde.
Nicht die Spur von Spannung. Da helfen auch
Anleihen der Regie bei wirklichen Krachern nix. Balder nicht ein einziges Mal in Nahaufnahme, war hölzern, maskenhaft, leblos, tot. Passte zu Milberg, dieserpersonifizierten Langeweile des deutschen TV.
jsbach (21.09.2009, 11:33 Uhr)
Endlich
haben sich Borowsky und Jung gefunden. Das Paar ist super und man gönnt es ihnen. Ansonsten war der Film zwar nicht spannend , aber exzellent inszeniert. Vor allem hat er die Tristesse des Rockbusiness verdeutlicht. Das liegt wohl daran, daß Rockmusik auf Dauer ziemlich eindimensional ist. Auch nicht besser als die Blasmusik, die als Kontrast auftauchte.
hellwachabsolut (21.09.2009, 11:29 Uhr)
zum einschlafen......
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich bei diesem Tatort eingeschlafen bin.
Malt (21.09.2009, 11:14 Uhr)
Also...
....ich fand dass das einer der langweiligsten Tatorte aller Zeiten war - abolut unspannend! Ich brauch nicht wirklich Aktion oder sowas, aber aus der Story resultierende Spannung ist das mindeste, was ich von einem Krimi erwarte - und das kam hier irgendwie überhaupt nicht vor... vielleicht weil die "Liebesstory" irgendwie alleine für einen Tatort etwas dürftig gewesen wäre, und so hat man darum einen Kriminalfall gebastelt...
butcher99 (21.09.2009, 10:41 Uhr)
Hugo
die Texte waren teilweise annehmbar, aber lass die bitte von einem Singen, der es kann, die Story des Krimis war einfach gequirlte Mäusescheisse
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