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9. Februar 2009, 11:21 Uhr

Die Braut, die sich nicht traut

Sobald ein "Tatort" zuletzt das sichere Terrain der deutschen Mehrheitsgesellschaft verlassen und Kriminalität im Migranten-Milieu thematisiert hat, konnte man sich einer Sache sicher sein - TV-Deutschand schaut ganz genau hin. Auch diesmal: Der Bremer Krimi "Familienaufstellung" sorgte für Top-Quoten. Von Carsten Heidböhmer

Die Kommissare Lürsen (r., Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) überbringen schlechte Nachrichten© Radio Bremen

Mehr als 8,4 Millionen Zuschauer waren nach Senderangaben beim gestrigen "Tatort" dabei und schauten den Bremer Ermittlern bei der Arbeit zu. Und darum ging es diesmal: Die Medizinstudentin Rojin liegt tot in ihrem Bett, ein Messer ragt aus ihrer Brust. War es Selbstmord? Ein Abschiedsbrief sowie die Aussagen ihrer Familie scheinen darauf hinzudeuten. Doch Inga Lürsen (Sabine Postel) und ihr Co-Ermittler Stedefreund (Oliver Mommsen) ermitteln auch in einer anderen Richtung: Rojin war die Tochter des angesehenen türkischen Unternehmers Korkmaz (smart wie Pierce Brosnan: Erol Sander), der hinter der Fassade eines perfekt integrierten Mitbürgers ein knochenhartes Regiment führt. Nur wenige Tage später soll seine jüngere Tochter Arzu (Jennifer Ulrich) zwangsverheiratet werden. Und Rojin wollte sich von ihrem deutschen Ehemann scheiden lassen. Wurde sie also beseitigt, um ihre Familie vor der Schande zu bewahren?

Das Autorenduo, bestehend aus der türkisch-kurdischen Frauenrechtlerin Seyran Ateş und der postfeministischen Schriftstellerin Thea Dorn, hat einen klugen Kniff gewählt, um die nahe liegenden Klischees von aufgeklärten Deutschen und traditionsverblendeten Türken zu vermeiden: Sie lassen die beiden Ermittler konträre Positionen einnehmen. Inga Lürsen mit ihrer frauenbewegten 70er-Jahre-Vergangenheit steht den patriarchalischen Strukturen des Korkmaz-Clans ablehnend gegenüber und neigt zur Vorverurteilung. Stedefreund dagegen verkörpert den multikulturellen Gutmenschen, der nie um eine Relativierung der Unterdrückung verlegen ist: Seine Oma und Nonnen trügen doch auch Kopftücher, "wir Deutschen" seien da also keinen Deut besser.

Zwangsheirat unterm Designer-Kopftuch

Während Lürsen also die "Fascho-Feministin" gibt, ist Stedefreund der "Muslim-Macho-Versteher". Gerade weil beide ihre Positionen leicht übertreiben, zeigen sie, wie schwer eine Annäherung an das Thema Zwangsehe ist, die den handelnden Personen Respekt zukommen lässt. Ganz sicher profitiert dieser "Tatort" davon, dass er in sozial gehobenen Kreisen angesiedelt ist und damit das Weiterbestehen patriarchaler Strukturen nicht allein als ein Problem von Bildung und sozialer Schicht darstellt. "Man kann seine Töchter auch unterm Designer-Kopftuch zwangsverheiraten", lautet der lapidare Kommentar einer mit der Toten befreundeten Anwältin, die junge türkische Frauen bei der Loslösung von ihren Familien unterstützt und in der man Drehbuchautorin Ateş durchaus wiedererkennen mag.

Zum Ende hin will der "Tatort" vielleicht ein bisschen zu viel. Da werden en passant noch bekannte "Ehrenmord"-Fälle eingebaut, in denen der jüngste Sohn schließlich die Schuld auf sich nimmt, da er nach dem Jugendstrafrecht verurteilt wird und damit die kürzeste Haftstrafe zu verbüßen hat. Zudem gibt es noch einen überflüssigen Showdown auf der Hochzeitsfeier, in der sich die Braut als die Täterin entpuppt, die sich einfach nicht traut, sich gegen ihre Familie aufzulehnen und ihr eigenes Leben zu führen.

Die letzte Einstellung hält dann noch einmal das ganze Elend einer gescheiterten Integration fest: Auf der einen Seite steht die türkische Großfamilie Kormaz, jetzt noch enger zusammengerückt. Auf der anderen Seite nehmen die Polizisten Lürsen und Stedefreund Position ein - nun ebenfalls zu einem monolithischen Block vereint. Da helfen alle guten Ansätze nichs, am Schluss endet es doch beim "Wir" gegen "die". Kein beruhigender Gedanke.

Von Carsten Heidböhmer
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
dreicon (10.02.2009, 13:13 Uhr)
Wie man es auch dreht und wendet
es führt aus meiner Sicht kein Weg an der Erkenntnis vorbei, daß eine Gesellschaft das Recht hat zu fordern, daß jeder, welcher von sich aus beschließt, in eben dieser Gesellschaft sein Leben zu leben, sich dieser Gesellschaft anpaßt. Und zwar so anpaßt, daß er in dieser Gesellschaft nicht befremdend auffällt. Und wer das als Einreisender nicht vorhat, muß von dieser Gesellschaft auch nicht toleriert werden. Seit 1989 sind in ganz Deutschland die Grenzen auch nach außen offen.
Necros (09.02.2009, 14:51 Uhr)
Bitte mal wieder Krimi!
Nachdem ich fast 20 Jahre Tatort schaute, lese ich inzwischen nur noch in die Vorschau, welches soziale Problem dieses Mal gewälzt wird und schaue danach etwas anderes an. Ich weiß, dass es in Deutschland jede menge (sozialer) Probleme gibt, aber kann man nicht einfach mal einen simplen Krimi drehen, der eine gute Story hat und mit interessanten Charakteren glänzt? Vielleicht sogar spannend und mit toller Auflösung? Es muss ja nicht in die debile Richtung von Cobra 11 gehen, wo selbst Getränkeautomaten kurz vor der Explosion scheinen...
kb26919 (09.02.2009, 14:38 Uhr)
Seit selbst 'Tatort'
nur noch soziale Probleme zum Thema macht schaue ich diese Sendungen nicht mehr an. Ich bekomme davon genug in den taeglichen Nachrichten.Ausserdem kostet diese 'kulturelle Bereicherung' uns,den Steuerzahler viel zu viel Geld.Allen Programmen zum Trotz wird sich in Sache Integration und tuerkische Migranten wenig aendern.
eliteforce2000 (09.02.2009, 14:35 Uhr)
Da haben wir es gesehen..
selbst der perfekt deutsch sprechende, scheinbar integrierte Türke, ist in Wirklichkeit ein Frauenunterdrücker.
Wer mehr erfahren möchte, sollte unbedingt die Bücher der Autorin lesen.
schnauze_voll (09.02.2009, 14:31 Uhr)
aber eines muss ich mal sagen....
es war der Tatort mit den schönsten Darstellern, die ich bisher in einer Folge sah....;-)....das war definitiv das einzige Highlight....ansonsten Klischee pur
ilayda20 (09.02.2009, 13:38 Uhr)
GÄHN
Ich kann es nicht mehr hören, bzw. lesen. Deutschland langweilt sich so sehr, dass nur die Türken sie unterhalten können. Es gibt noch andere Themen über die sich alle den Kopf einschlagen können.
Wiebitte20081 (09.02.2009, 13:37 Uhr)
???
Das sind doch alles
Klisches die da immer bedient und behauptet werden.Es gibt keine Paralellgesellschaften in Deutschland,in Gross Börneck hat Cengiz K. auch nicht seine schwangere deutsche Ehefrau erstochen(Quelle Bild)und der Fahrer ohne deutsche Aufentaltsgenehmigung hat heute auf der A44 auch nicht im besoffenen Kopf den toten Beifahrer versucht hinters Lenkrad zu zerren weil er selbst 1,8 Promille im Kopp hatte.(Quelle WDR 2)Und die die auf Youtube wochenlang die Deutschen als Nazis und Kinderschänder beschreien haben auch noch nicht begriffen das es ein Türke war.Da wars jetzt ein Kurde.Mit deutschem Pass.Alles Klischees
Josh67 (09.02.2009, 13:23 Uhr)
guter Tatort
ich finde es prima das dieses Thema weiter in die Öffentlickeit getragen wird.
Mich persönlich stört es schon lange, das viele der hier lebenden Migranten unsere Kultur nicht anerkennen.
Ich bin 1967 geboren und meine Oma hat auch ein Kopftuch getragen.
Der Unterschied besteht aber darin, dass Ihr das niemand aufegzwungen hat und Sie das freiwillig tat. Meist um die Frisur zu schonen.
Da liegt der Unterschied. In unserem Grundgesetz steht die Würde des Menschen ganz vorne. Eine Zwangsehe gehört meiner Meinung nicht dazu, ebenfalls das zwanghafte tragen eines Kopftuches, das in meinen Augen als Symbol der Unterdrückung gilt. Es hat nix mit dem Stück Stoff zu tun.
Wenn ich in ein anderes Land umsiedele muss ich mich auch den dort herrschenden Bräuchen anpassen, dies kann ich doch auch von den hier lebenden Migranten erwarten, oder?
Da ich in einem Ort mit vielen türkischen Migranten lebe sehe die Probleme jeden Tag.
Ein sehr guter Freund von mir ist selbst türkischer Herkunft, auch er ist meiner Meinung!
Oft werden wir Deutsche in türkischer Sprache beschimpft, ohne das wir es merken. Wir sind "Ungläubige", unsere Frauen "Huren".
Wohl gemerkt nicht alle denken so, aber leider eine große Mehrheit.
Das hat nix mit Religionsfreiheit zu tun. Die darf sich nicht gegen unsere Gesetze richten!
Ich würde mir wünschen das beide Seiten auf einander zu gehen können, das würde unsere Gesellschaft sicher bereichern.
Es muss aber auch in Fällen von Totalverweigerung die Möglichkeit bestehen solche Menschen auszuweisen, ohne gleich den "Nazifinger" auf uns zu zeigen.
Das Verständniss fängt mit der Sprache an. Also bitte liebe türkische Mitbürger, lernt Deutsch!!!
Wenn ich in die Türkei emmigriere dann lerne ich natürlich türkisch.
Clibanarius (09.02.2009, 13:14 Uhr)
Täusch ich mich...
...oder warum hatte ich den Eindruck, in der Rolle der Anwältin spiele sich die selbsternannte "Islamkritikerin" und "Frauenrechtlerin" Seyran Ates ihr alter ego? So wie sie auch Bundes- und Medienweit rumtingelnd für ihre Bücher wirbt mit immer denselben dumpfen Plattitüden?!
Ysanne (09.02.2009, 13:07 Uhr)
Klischees überall...
So wichtig das Thema auch ist -- dieser Tatort triefte nur so vor Klischees. Gar nicht zu sprechen von den pathetischen, hölzern vorgetragenen Broschürensprüchen, die den Charakteren statt Dialogen in den Mund gelegt wurden.
Vielleicht sollten Drehbücher besser von echten Drehbuchautoren geschrieben werden, als von wohlmeinenden Aktivistinnen...?
Außerdem wäre es toll, wenn der Stern wenigstens den Namen von Seyran Ates richtig schreibenm könnte...
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