26. Januar 2009, 12:19 Uhr

Die mordende Krankenschwester

In einer Kölner Klinik wurde der Chefarzt vergiftet. Für die Aufklärung des "Tatort" greift Hauptkommissar Freddy Schenk selbst zum weißen Kittel und trifft überlastete Pfleger, wundersam geheilte Patienten und Anna Maria Mühe als Krankenschwester mit Wahnvorstellungen. Für den Zuschauer bleibt ein großes Fragezeichen. Von Kathrin Buchner

"Tatort", Köln, "Rabenherz", Tod in der Klinik, Freddy Schenk, Max Ballauf, Anna Maria Mühe

Todesengel und Wunderheilerin zugleich: Schwester Maria (Anna Maria Mühe) ist Opfer und Täterin zugleich©

Schichtdienste, Überstunden, zu wenig Personal und der tägliche Umgang mit kranken, teils todkranken Patienten - Alltag in deutschen Krankenhäusern. Pfleger arbeiten im Akkord, menschliche Zuneigung bleibt auf der Strecke. Gestresste Ärzte, überlastete Schwestern - aus TV-Reportagen sind wir darüber bestens informiert. In fiktionalen Formaten bevorzugen wir allerdings den mitfühlenden Landarzt, einen Doktor-Schönling wie George Clooney oder so ein exzentrisches Superbrain wie Dr House, der sich tagelang den Kopf zerbricht über merkwürdige Erkrankungen seiner Patienten.

Wie schön also, wenn sich ein so überzeugendes Unterhaltungsformat wie der Kölner "Tatort" mal den real existierenden Zuständen im Krankenhaus widmet. Die Geschichte beginnt klassisch und lässt viel Platz für die Ausgestaltung: Der allseits beliebte Chef der Geburtenabteilung wird mit Gift im Kamillentee ermordet. Doch es ist ein Mord ohne Motiv - es finden sich keine Neider, keine Eifersuchtsdramen, keiner, der Rachegelüste wegen Behandlungsfehlern verspürt.

Kommissar Schenk beim Kotze-Aufputzen

So schlüpft Hauptkommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) zur Vor-Ort-Ermittlung in einen weißen Pflegerkittel, und es ist eine Wonne, die plumpe Gestalt des Kommissars beim Kotze-Aufputzen und Essensausteilen zu beobachten. Feinfühlig wie selten erfährt Schenk Intimes vom Pflegepersonal und erfährt am eigenen Leib den Stress in der Klinik.

Doch je mehr Schenk unter Schwestern aufblüht, desto mehr driftet der Krimi ab, ins Märchenhaft-Mystische wie schon der Titel "Rabenherz" andeutet. Und schlachtet dabei ein altbekanntes Klischees aus: Das von der Krankenschwester, die eine Affäre mit ihrem Chefarzt hat. Prompt wird sie schwanger und von ihm zur Abtreibung gedrängt wird. Sie schneidet sich die Pulsadern auf. Ihr skrupelloser Lover lässt sie liegen, die Stationsleiterin rettet sie. Und aus Rache panscht das gebrochene Herz dem Arzt-Zyniker Gift in den Tee - und erwischt dabei leider den Falschen.

Anna Maria Mühe spielt diese Maria, angestrengt, verhuscht, mit hängenden Schultern. Eine tiefgläubige Katholikin, Typ Unschuld vom Lande, die durch die Akkordarbeit überlastet ist, aber übernatürliche Kräfte hat. Wenn sie krebskranken Patienten die Hand auf legt, werden sie wieder gesund. Todesengel und Wunderheilerin. Ist ein schöner Stich ins Herz der Schulmedizin. Aber die Inszenierung quält. Autorenfilm-mäßige Einspielungen von Maria im Märchenwald, langatmig, langweilig und ziellos. In Pseudo-Psychothriller-Manier versuchte sich Regisseur Thorsten C. Fischer an dem Drehbuch von Markus Busch, das am Ende nicht mal klärt, warum der zweite Selbstmordversuch der Schwester Maria nicht klappt. Der Klinik-Krimi krankt. An Pathos. Und Ziellosigkeit. Kein Wunder, dass Hauptkommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) in dieser Folge an Magenschmerzen leidet.

Von Kathrin Buchner
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Mockturtle (29.01.2009, 08:26 Uhr)
Danke...
für die kurze Zusammenfassung und Auflösung des Geschehens. Mir fehlten da immer wieder Minuten, die ich eingenickt vor dem Fernseher, verbracht habe.
Clibanarius (26.01.2009, 16:00 Uhr)
Frau Buchner...
"Autorenfilm-mäßige Einspielungen von Maria im Märchenwald, langatmig, langweilig und ziellos. In Pseudo-Psychothriller-Manier versuchte sich Regisseur Thorsten C. Fischer an dem Drehbuch von Markus Busch, das am Ende nicht mal klärt, warum der zweite Selbstmordversuch der Schwester Maria nicht klappt. Der Klinik-Krimi krankt. An Pathos. Und Ziellosigkeit. Kein Wunder, dass Hauptkommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) in dieser Folge an Magenschmerzen leidet."
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...beschreibt treffend was man von diesem vergurkten Tatort-Kapitel halten kann. Auch ich hatte seltsamerweise während der Sendung Schmerzen, Bauchschmerzen genauer. Keine Ahnung, ob es an den kleinen Datteltomaten zum Abendessen, die ich anstelle der normalen Rispentomaten mitverspeiste oder an diesem vermurksten Machwerk lag - wahrscheinlich letztere, weil mein Magen normal nicht so empfindlich ist.
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Auch dieser Tatort krankte an handwerklichen Fehlern im Detail und Logik. Wie kann es z.B. sein, daß Schenks Wecker in der Klinik um 6 Uhr morgens (gleiche Szene parallel bei Ballauf) klingelt, aber der Tag schon so hell wie sonst um 12 oder 13 Uhr ist (deutlich sichtbare Sonnenstrahlen) - aber die Protagonisten sind etwa gekleidet wie zu Winteranfang? Nicht mal im Sommer steht die Sonne schon so hoch.
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Wie auch immer, an meinem Lieblingsermitterduo lag es definitiv nicht. Urteil: 4 von 10
Bebuquin (26.01.2009, 14:51 Uhr)
Was sollte eigentlich...
... dieser Homöopathie-Unsinn in diesem Krimi?
AcTr (26.01.2009, 14:10 Uhr)
Dürftige Kritik
Der Autor hat den Film offenbar nicht wirklich verfolgt, sonst wäre ihm klar, warum der zweite Selbstmordversuch nicht geklappt hat. Der Psychologe hat das Medizinfläschchen auf dem Dach gesehen und das O-Saft-Glas...und hat dieses dann selber leer getrunken (darum das Lachen, als er die teilnahmslose Pflegerin "bearbeitet" hat) und neu eingeschenkt. Er konnte offenbar nicht mit seiner (vermeintlichen) Schuld leben.
Insgesamt gesehen ein guter, experimenteller Tatort mit eine nicht immer gleichen (eben nicht typischen) Krimihandlung!
Corum (26.01.2009, 13:49 Uhr)
Also ich fand ihn ansprechend...
...wie glücklicherweise sehr oft beinhaltet der Tatort wieder einmal einiges an Sozialkritik.
Gerade das Nicht-Auflegen-beim-Komissar fand ich genau richtig. So liess sich der Film letztendlich nicht einordnen und liess bewusst einige Fragen offen.
Dass die Story als solche nicht Spitzenklasse war, konnte ich gut verschmerzen.
Der gesamte Tatort war recht düster, verstörende Bilder, sehr grau.
Das passte aber ins Gesamtkonzept.
Tatort Goes Mystic; ein gelungenes Experiment, auch wenn es nicht für Krimifreunde war.
ganzbaf (26.01.2009, 13:29 Uhr)
Tatort ist Mist

In den 70ern war das mal großes Kino.
Mit Götzi später immerhin noch gutes "Bud Spencer - Niveau" (-;
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Heute kann ich es nicht mehr von Lindenstraße außeinanderhalten... ))-:
;-Pp
brainuser (26.01.2009, 13:23 Uhr)
Gute Kritik.
Schade eigentlich. Die Schauspieler gut in Form, der Plot aber unausgegoren und lückenhaft. Der Tatort vom 18.01.2009 zeigt sehr gut, wie ein komplexes Thema anspruchsvoll, spannend und gut strukturiert erzählt werden kann.
Josef2 (26.01.2009, 13:14 Uhr)
Handauflegen
Hätte Maria doch dem Max die Magenschmerzen durch Handauflegen genommen. So aber war es ein überflüssiges Filmexperiment am Kölner Tatort.
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