15. September 2008, 10:33 Uhr

Mäuschen in der Grube

Sein dritter Einsatz als "Tatort"-Kommissar im Saarland führte Maximilian Brückner alias Franz Kappl unter Tage. Dort fand er einen Toten, spielte bei den Bergleuten ein bisschen Mäuschen - und löste nebenbei den oberirdischen Mordfall gleich mit. Von Carsten Heidböhmer

Tatort

Steigt in die Grube herab: Kommissar Franz Kappl (Maximilian Brückner, l.), hier mit dem Bergbauopfer Heiner Dietz©

Es gibt Tage, an denen man lieber im Bett geblieben wäre. Das wird sich wohl Hauptkommissar Franz Kappl (Maximilian Brückner) gedacht haben, als er verkatert in dem Haus eintrifft, wo man gerade die Leiche einer Frau gefunden hat. Keiner seiner Kollegen grüßt ihn, selbst sein Partner Stefan Deininger (Gregor Weber) ist verschnupft. Denn Kappl hat sich von der attraktiven Gerichtsmedizinerin Dr. Rhea Singh (Lale Yavas) getrennt, die verheult am Tatort erschienen ist, worauf sich das komplette Team mit ihr solidarisiert hat.

Aber es kommt noch schlimmer: Der Ehemann der Toten arbeitet bei der nahe gelegenen Grube und befindet sich unter Tage. Um ihn über den Tod seiner Frau zu informieren, beschließt Kappl kurzerhand, selbst herabzusteigen. Schnell nimmt der Bayer - stellvertretend für den Zuschauer - noch einen Kurs in saarländischer Geschichte und lernt die korrekte Terminologie: Während im Ruhrpott Kumpels in den Schacht fahren, spricht man hier von Bergleuten und Gruben.

Saarland steigt aus dem Kohlebergbau aus

Unten findet gerade ein feierlicher Staatsakt statt, denn just an jenem Tage soll die Grube geschlossen werden - das Saarland steigt aus dem Kohlebergbau aus. Und noch während der anwesende Staatsrat den ab morgen arbeitslosen Bergmännern von den Wonnen des Wandels und den Vorteilen der Globalisierung vorschwärmt, kommt es zu einer Explosion, die alle Zugänge zu dem Schacht verschüttet. Kurz darauf wird der Staatsrat tot in einem Stollen gefunden - ermordet.

Viel Arbeit für den unter Platzangst leidenden Kappl. Immer wieder muss er die hysterische Menge beruhigen, miteinander im Streit liegende Männer trennen, Verschwörungstheorien entgegentreten und nebenbei noch eine Befragung durchführen. Der Zuschauer erfährt dabei, wie die Konfliktlinien im Saarland laufen: auf der einen Seite die Bergleute, die sich auf eine lange Tradition berufen und um ihren Job fürchten. Auf der anderen Seite die Hausbesitzer, die ein berechtigtes Interesse an einem schnellen Ende des Bergbaus haben, der nach und nach ihre Häuser zum Einsturz bringt. Schließlich wird auch das Problem der Energieversorgung und der wachsende Kohlehunger der Chinesen kurz angerissen.

Kappl brüllt viel

In diesen Szenen wird die klaustrophobische Atmosphäre in den engen Gängen gut deutlich. Die Gruppendynamik, die sich entfaltet, wenn viele Menschen auf wenig Raum zusammengepfercht sind. Immer wieder muss Kappl rumbrüllen, um die Situation unter Kontrolle zu bringen.

Währenddessen hat sein Kollege Deiniger über Tage alle Hände voll zu tun, den ersten Mordfall aufzuklären. Unter besonderer Mitwirkung typisch saarländischen Humors: Als er seine Sekretärin Gerda Braun (Alice Hoffmann) bittet, ihm die Daten einer Catering-Firma herauszusuchen, denkt diese gleich an das Eine: "Ihr habt Hunger? Da hab ich eine gute Adresse für euch!".

Kotzen im Krankenhaus

Sehr schön auch die Szene im Krankenhaus, wo sich der mit einer schweren Gehirnerschütterung eingelieferte Deininger in das Zimmer des dort ebenfalls liegenden Verdächtigen Simminger schleppt, um ihn zu verhören. Doch die Befragung mündet in eine Keilerei zweier schwer Lädierter, an deren Ende sich Deininger auf dem Bett seines Kontrahenten übergibt.

Sehr viel wagt dieser "Tatort" (Regie: Gregor Schnitzler, Buch: Thomas Kirchner). Er will gleichermaßen Katastrophenfilm, Krimi und Heimatkomödie sein. Da bleibt der eigentliche Fall ein wenig auf der Strecke. So wie den Bergleuten im Stollen langsam der Sauerstoff knapp wird, geht auch dem Fall allmähliche die Puste aus. Am Schluss löst sich dann alles ganz schnell - was Deiniger oberirdisch mühsam ans Tageslicht befördert, erkennt Kappl unten durch pures Kombinieren. So erfährt man immerhin, wer die Frau auf dem Gewissen hat - der Schwager war's. Doch wer für den Tod des Staatsrats verantwortlich ist, wird nicht mehr ganz klar. Da waren 90 vollgepackte Minuten schon vorbei. Die in der Grube Eingeschlossenen erblicken das Tageslicht, die Wahrheit bleibt aber zum Teil im Dunkeln.

 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
OskarRumpel (15.09.2008, 16:28 Uhr)
Daumen runter
Der war so schlecht und voller Brüche, dass er schon wieder interessant wurde.
Aber die Szene, als der Polizist im Krankenhaus zusah wie sein Kollege von dem Verdächtigen in die Mangel genommen wurde, war mehr als bescheuert!
Bei so schlechten Folgen fragt man sich wirklich wozu man die GEZ Gebühren eigentlich zahlt.
Clibanarius (15.09.2008, 12:51 Uhr)
Konfus...
...,verworen und verfällt bei Details in extenso und zu langatmigkeit, ganz im Gegensatz zum in der Grube zu ersticken drohenden Kommissar. Zudem hangelte er sich wie ein Orang-Utan zwischen Kitsch und Trivialität hin und her. Gebe 3 von 10 Punkten.
domit (15.09.2008, 12:12 Uhr)
Schulfunk
Das war bebildeter Schulfunk mit gagenfixierten Schauspielern.Jede US-Krimi-Serie ist mittlerweile professioneller als die unter der Marke "Tatort" vertriebene Sozialpädagogik.
Regierungsbeamter (15.09.2008, 12:00 Uhr)
TATORT SCHWACHSINN
total öde und langweilig - völlig orientierungslos bis hilflos - peinliche vorstellung aller beteiligten
hevosenkuva (15.09.2008, 11:27 Uhr)
Blöder Tatort
Verworren, komisches Drehbuch, doofe Dialoge, schlappe Regieleistung.
Und grundsätzlich versteh ich schon nicht, warum neuerdings ein langweiliger Münchener Kommissar die Hauptrolle im Saarland spielen muss.
Albern und überflüssig.
Perkins1975 (15.09.2008, 11:19 Uhr)
Blöder Film
Eigentlich mag ich die neuen saarländischen Tatorte gern, aber das gestern war in der Tat total verwirrend. Mir sind viele Zusammenhänge nicht klar geworden, vor allem, warum der Schwager die Ehefrau überhaupt ermorden musste. Weil sie seine Bombenwerkstatt entdeckt hat? Wem gehörten die Giftspritzen?
Und diesem jungen Polizisten, der einfach daneben stand, als Deininger sich mit dem Verhafteten prügelte und von diesem in den Schwitzkasten genommen wurde, hätte Deininger anschließend mal ein paar in die Fresse hauen oder ihn sonstwie ankacken müssen. Wo gibts denn so was?
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