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12. November 2007, 11:41 Uhr

Old Ehrlicher reitet davon

Eine Krimi-Ära ist zu Ende: Die einzigen Ost-"Tatort"-Kommissare Ehrlicher und Kain sind abgetreten. Das Muffel-Duo hatte zum Abschied mit "Die Falle" ihren schwersten, aber auch sinnlichsten Fall zu lösen: den Tod einer schönen jungen Frau. Am Ende gewinnen beide: Ehrlicher Ruhe, Kain Liebe. Von Kathrin Buchner

Da reiten sie davon: das Leipziger "Tatort"-Team Ehrlicher (Peter Sodann) und Kain (Bernd Michael Lade)© MDR

Da reitet er davon mit seinem neuen Sohn, und der Alte sieht ihnen nach und sagt: "Vielleicht wird es doch ein guter Anfang". Das Nachsehen haben mal wieder wir Zuschauer, die sich fragen: "Ist jetzt alles gut oder nicht? Wird Kommissar Kain (Bernd Michael Lade), der so lange nach einer Frau gesucht hat, mit Eva glücklich oder muss sie hinter Gittern schmoren? Und was macht Ehrlicher als Rentner?"

Dabei hätte es so schön sein können: Gerechtigkeit siegt über Recht. Der Polizeibeamte im moralischen Konflikt zwischen dienstlicher Verpflichtung und persönlicher Leidenschaft. Die Geschichte dazu? Banal, alltäglich, aber sexy, so sexy und sinnlich inszeniert wie selten in einem der Ost-"Tatorte" - mit rührender Romantik, tieftragischen Konflikten und schnellen Schnitten.

So erlebten wir Zuschauer in diesem letzten Leipzig-"Tatort" mit Peter Sodann als Hauptkommissar Ehrlicher noch mal eine klare Einteilung der Welt in schwarz und weiß, in gut und böse: Skrupellose Geschäftsleute, die den kleinen Leuten das Geld aus der Tasche ziehen. Eine schöne Frau, die sich umbringt, weil sie genug hat von den Demütigungen gieriger Banker, nachdem sich ihr Mann nach Indien abgesetzt hat - auf der Suche nach Erleuchtung, die er offensichtlich nicht bekommen hat. Warum er sich aus der Verantwortung für Frau und Kind gestohlen hat, kann er nicht sagen. Überhaupt bleiben viele offene Fragen, wenn Ehrlicher die Bordell-Chefin fragt, warum sie die Not der Gläubigerinnen ausnutze, sie sei doch selbst eine Frau.

Ein wenig hänebüchen ist es allerdings schon, das Drehbuch von Hans-Werner Honert, der auch den allerersten Ehrlicher-Tatort vor 15 Jahren geschrieben hat. Frauen, die ihre Kredite nicht tilgen können, müssen im Puff ihre Schulden abarbeiten. Und ausgerechnet Kains neue Flamme steht auch tief in der Schuld des Immobilienhaies, der sie erpresst und den sie die Treppe hinunter stoßt, als er sie vergewaltigen will.

Kitsch und Pathos im Gerechtigkeitsgewand

Immerhin taugt die Geschichte perfekt für Hauptkommissar Ehrlicher, der so frei agieren konnte wie nie "die Rente werden sie mir schon nicht streichen". Der muffelige Rebell, der sich noch nie um Vorschriften und Konventionen geschert hat, darf noch mal seine ganze Wut rauslassen gegen aalglatte Immobilienhaie und die mit allen Wassern gewaschene Business-Frau "kalt wie Hundeschnauze". Und gipfelt in der Steilvorlage für Ehrlicher, der durch das Unter-den-Tisch-kehren der Tat noch mal seine ganze moralische Größe zeigen darf, der als gnädiger Großinquisitor seinen großen Auftritt in der schnieken Villa des Ermordeten hat, der Sätze hören darf von Kain wie "entschuldige, ich habe dir nicht vertraut" und Sätze sagen darf wie "sollen wir dem Richter die Entscheidung über Recht und Gerechtigkeit überlassen?"

Und so treten die beiden kantigen Haudegen in Würde ab, nach fünfzehn Jahren, hoch zu Ross wie Old Shatterhand und Winnetou, immer für die Gerechtigkeit kämpfend, nach einem Fall, der schmeckt wie Ehrlicher Lieblingsspeise: Schwarzbrot mit Mett und Essiggurken, bodenständig, herzhaft und ein wenig moralin-sauer. Und wir Zuschauer werden keine klare Antwort mehr bekommen - ob das Gerechtigkeitsempfinden von Kains Zukünftiger sie hinter Gitter bringen wird. Mögen Eva, Kain und Felix glücklich leben bis ans Ende ihrer Tage. Uns bleibt die Hoffnung: dass die "Tatort"-Folgen aus Leipzig demnächst ein wenig beschwingter, leichter und nicht ganz so knarzig sein werden.

Von Kathrin Buchner
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
maindelfin (12.11.2007, 16:33 Uhr)
war nicht schlecht
Zugegeben, es gab schon bessere Tatorte aus Leipzig. Aber so schlecht war dieser letzte Fall auch nicht. Peter Sodann wollte ja eigentlich weitermachen, aber die ARD ließ das nicht zu. Insofern konnte er den Unwillen des Komissar Ehrlicher (in Pension zu gehen) deutlich darstellen. Kain wollte man offensichtlich nicht den Filmtod sterben lassen. Also musste er was anstellen, damit er entweder rausgeschmissen wird oder -wie geschen- selbst kündigen konnte. Unglaubwürdig war dieser Tatort keinesfalls!! Die Sache mit den Immobilienhaien erinnert doch sehr an die Machenschaften einer großen Baden-Württembergischen Bausparkasse. Im Zusammenhang mit sog. Schrottimmobilien im Osten haben sich mehrere Kunden dieser Bausparkasse das Leben genommen. Eine junge Frau auch aus meiner Heimatstadt! Die Angehörigen werfen dieser Bausparkasse auch (zumindest) eine Mitschuld an den Suiziden vor. Auch der Konflikt, in den Polizisten kommen können, ist sicher häufiger als das vielleicht publik wird. Was den Ausgang des Falls anbelangt: Eva hat sich ja noch selbst angezeigt. Und wie das dann ausgehen kann, darf sich der Zuschauer selbst ausdenken. Ist doch auch mal ganz nett. Es muss ja nicht immer alles bis zum Ende den Zuschauern vorgekaut werden. Ich denke, sie würde eine Gerichtsverhandlung bekommen, in der dann "Notwehr" festgestellt wird. Aber sie wird eine Geld- oder Bewährungsstrafe für die unterlassene Hilfeleistung und vielleicht der Verdeckung einer vermeintlichen Staftat bekommen. Ehrlicher ist nun in Pension und wird vielleicht Tatortkritiken schreiben oder solche im "Stern" kommentieren. Dadurch, dass man Kain nicht sterben ließ, hat sich die ARD vielleicht eine Option auf eine neue Serie mit Bernd Michael Lade offen gehalten. Z.B. könnte der Kain als Ex-Komissar vielleicht künftig einen Privatdetektiv spielen (wie Wilsberg oder Matula). Wer weiß schon was in den Köpfen der ARD-Verantwortlichen vorgeht. Irgendwie finde ich es trotzdem schade, dass Ehrlicher und Kain nun nur noch in Wiederholungen zu sehen sein werden!
mupfeline (12.11.2007, 13:49 Uhr)
Ich habe Peter Sodann eigentlich immer geschätzt!
Aber was er sich gestern geleistet hat dass hat bei mir Kopfschütteln verursacht. Schlicht gesagt, der "Krimi" war erbärmlich.
fusspilz (12.11.2007, 12:23 Uhr)
grauenvoll
der tatort war unglaublich schlecht. unglaubwürdig. langweilig.
diese tendenz hat hoffentlich endlich ihren höhepunkt erreicht, sonst verabschiede ich mich langfristig vom tatort. schade eigentlich...
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