Perlmann, hol schon mal den Wagen

3. Februar 2013, 21:43 Uhr

Ein Krimi in schlechtester "Derrick"-Tradition: flache Geschichte, hölzerne Dialoge, statische Inszenierung. Der Bodensee-"Tatort" war zum Einschlafen. Das konnten auch die Schauspieler nicht ändern. Von Carsten Heidböhmer

Tatort, Bodensee, Die schöne Mona, Clara Blum, Eva Mattes, Manuel Neuer

Den Wagen wird er wohl nicht mehr fahren: Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) sichtet die Unfallstelle, wo die schöne Mona verunglückt ist©

Gleich zu Beginn der "Tatort"-Folge "Die schöne Mona ist tot" betritt ein Mann das Konstanzer Kommissariat und möchte ein Verbrechen melden. Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) ist nicht da, ihrem Kollegen Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) möchte sich der Fremde jedoch nicht anvertrauen: "Ich red doch nicht mit dem Assistenten." Das saß. Denn Perlmann ist Kriminalhauptkommissar - also Blums gleichrangiger Kollege. Behandelt wird er jedoch wie - Harry Klein, der Assistent von Stephan Derrick.

Das Problem an diesem Film: Fortan bekommt man die "Derrick"-Assoziation nicht mehr aus dem Kopf. Der "Tatort" gibt sich alle Mühe, an den Fernsehkrimi der 80er Jahre zu erinnern. Dabei böte die Geschichte viel Stoff für einen spannenden Film: Das Drama einer Ehe zwischen zwei Menschen, die einfach nicht zusammenpassen: die schöne, aber einfältige Mona (Silke Bodenbender) und der gebildete, kultivierte Christian Seitz (Sylvester Groth). Die gemeinsam in Monas Heimat verweilen, wo sie schon bald den Reizen ihres Ex-Freundes, des schönen Fritz' (Ronald Zehrfeld) erliegt. Der wiederum ist längst mit Birgit (Anne Weinknecht) verheiratet und hat eine Tochter. Daneben schuldet Fritz der schönen Mona viel Geld. Eine brisante Konstellation, die im Unglück enden muss.

Denn eines Nachts kehrt Mona nicht mehr heim. Fritz hat sie mit dem Auto die Böschung heruntergestoßen. Doch sie überlebt verletzt - und wird daraufhin von Fritz' Frau entführt und gepflegt. Die lässt sie laufen - doch am Ende wird sie von ihrem Ehemann erschossen, der hinter ihre Affäre gekommen ist.

Viel Geld, große Gefühle, Liebe und Verrat - eigentlich hat der Fall alle Bestandteile, die man für einen guten Film braucht. Dazu wartet die Produktion mit einer ganzen Reihe hochrangiger Schauspieler auf, die gewöhnlich einen mittelmäßigen zu einem guten Film machen können.

Doch Regisseur Ed Herzog und Autor Wolfgang Stauch bringen das Kunststück fertig, aus den Zutaten einen unfassbar langweiligen und statischen Fall zu machen. Die Geschichte wird fast komplett über hölzerne Dialoge erzählt, nicht über handelnde Akteure und Bilder. Gleich drei Mal bekommen wir die gleiche Szene zu sehen: Der verdächtige Ehemann steht in der offenen Küche seiner Villa und kocht, während ihn Klara Blum befragt. Auch das erinnert fatal an die ewigen Befragungen in Schwabinger Villen, für die der ZDF-Krimi bekannt war.

In diesem Film ist nichts, wie es scheint: Die schöne Mona lebt - und der Bodensee-"Tatort" in Wirklichkeit eine übriggebliebene "Derrick"-Folge, die mit frischem Personal nachgefilmt wurde. Das Konstanzer Team braucht dringend eine Frischzellenkur, sonst wird es vor lauter Langeweile eingehen. Perlmann, hol schon mal den Wagen!

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