Sag zum Abschied eindrucksvoll servus

25. Mai 2014, 21:45 Uhr

Nur fünf Fälle lang marschierte Conny Mey durch den Frankfurter "Tatort". "Wer das Schweigen bricht" war ihr letzter Fall. Schade. Aber Nina Kunzendorf macht alles richtig. Von Swantje Dake

Tatort, Kritik, Frankfurt, Nina Kunzendorf, Joachim Krol, wer das Schweigen bricht, Abschied

Sie reden wenig miteinander, verstehen sich aber blind: Hauptkommissar Frank Steier (Joachim Król) und Hauptkommissarin Conny Mey (Nina Kunzendorf)©

Man soll bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist. Wenn noch so viel zu sagen und anzupacken wäre. Und genau das machte Nina Kunzendorf im vergangenen Jahr: Sie ließ ihre "Tatort"-Figur Conny Mey abdanken. So traurig das damals für die Zuschauer war - umso schöner fällt das Wiedersehen mit dieser einzigartigen Ermittlerin aus. Die ARD hat die Folge vom 14. April 2013 nun zur besten Sendezeit noch einmal wiederholt.

Sollte es der "Tatort"-Zuschauer noch nicht gewusst haben, dann bekam er es gleich in der ersten Szene unmissverständlich angedeutet. Mey steht beim Chef der Mordkommission, grinst ihn entwaffnend an. "Chef, das Leben geht weiter." Der Chef ist verstört. Der Zuschauer auch. Warum denn nur? Es war doch alles so gut.

Conny Mey - eine Erscheinung in roten Cowboystiefeln, enger Jeans und tiefem Dekolleté - war ein willkommener Wirbelwind unter den "Tatort"-Ermittlern. Der perfekte Konterpart zum verschrobenen Frank Steier (Joachim Król). In "Wer das Schweigen bricht" beweisen Mey und Steiner - oder Kunzendorf und Król - mehrfach, wie gut sie harmonieren.

Er schreit, sie flüstert

Steier brüllt die schweren Jungs im Jugendknast an. Mey flüstert auf Türkisch mit dem vermeintlichen Opfer Erhan. In der Zelle des Mordopfers Mustafa brauchen sie nicht viele Worte, um sich und den Tathergang zu verstehen. Mey: "Ich Mörder." Steier: "Opfer." Bereitwillig lässt sich Steier von Mey in den Schwitzkasten nehmen. So auch bei der Befreiung der Geisel. Steier: "Wir warten aufs SEK." Mey: "Sicher". Sekunden später öffnen beide gleichzeitig ihre Autotür und greifen selbst ein. Sie redet. Er schießt. Ein Traumpaar. Selbst im schlechten Sinn. Denn eigentlich will Conny Mey mit Steier über ihren Weggang reden. Zwei Ansätze scheitern. Sie sind wie ein altes Ehepaar, das als Team brillant funktioniert, aber darüber hinaus sich komplett vergisst.

Apropos vergessen. Der ausführlich inszenierte Abschied der Mey drängt die eigentliche Geschichte in den Hintergrund. Ein Insasse eines Jugendgefängnis wird tot in seiner Zelle aufgefunden. Die Mithäftlinge schweigen. Die Wärter mauern. Der Direktor wimmert. Ein nicht ganz neuer Einblick in Gefängnishierarchien und -strukturen. Ohne den Schlagabtausch zwischen Mey und Steier wäre es vermutlich ein dröger Sonntagabendkrimi geworden.

Damit ist Mey also gegangen. Die coole Kommissarin mit dem losen Mundwerk, den engen Jeans und dem zielstrebigen Gang ist Lehrerin an der Polizeischule geworden, wo sie dem Nachwuchs ihr Können und ihren Elan vermitteln kann. Steier spricht aus, was vermutlich viele Frankfurter "Tatort"-Fans damals gedacht haben: "Eine größere Scheiße haben Sie noch nie von sich gegeben."

Die Cowboystiefel ausziehen

"Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, auch wegen Ihnen", sagt Conny Mey zu ihrem griesgrämigen Kollegen. Und man ist versucht, diese Aussage Nina Kunzendorf zu unterstellen. Denn gezwungen wurde die Schauspielerin nicht. Im Gegenteil. Die Quoten des Frankfurter Duos waren gut. Die Kritiken ebenfalls. Über die Gründe von Kunzendorfs Ausstieg wurde viel spekuliert. Sie wolle nicht auf die Rolle der Conny Mey reduziert werden. Sie sei vom Erfolg überrascht gewesen und wohl auch mit der Ausgestaltung der Rolle unzufrieden.

Steier zeigte sich so verdattert wie Kunzendorf-Fans. "Ich dachte, wir beide - zwei wie Pech und Unglück. Zusammen durch dick und doof."

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