14. April 2009, 10:27 Uhr

Tödliche Schnitzeljagd durch Hamburg

Ein Kriegsopfer auf Rachefeldzug, Polizisten als Terrorausbilder. In seinem zweiten Auftrag als verdeckter Ermittler hetzt "Tatort"-Kommissar Cenk Batu die Ratten in den eigenen Reihen. Eine hochgerüstete Schnitzeljagd durch Hamburg mit bösen Erinnerungen an den Kosovo-Konflikt. Von Kathrin Buchner

"Tatort", Hamburg, Mehmet Kurtulus

Sie verbindet eine Art Hassliebe: Verbindungsmann Uwe Kohnau (Peter Jordan, l.) und Hauptkommissar Cenk Batu (Mehmet Kurtulus)©

"Man muss nicht sterben, um in der Hölle zu sein", sagt Zoltan Didic (Stipe Erceg). Eine fatale Verwechslung hat das Leben von Didic zerstört. Seine Frau und sein Kind sind im Kosovo-Krieg niedergemetzelt worden. Nur, weil der Polizeibeamte Lars Jansen (Matthias Koeberlin) im Sondereinsatz bei der Suche nach einem Waffenhändler die Wohnung im falschen Stockwerk beschossen hat.

Kollateralschaden, wie es im Militärjargon meist lapidar heißt. Didic, der Psychologie studiert hat, überlebt. Die Wunden an seinem Körper verheilen, die in seinem Kopf nicht. Er plant einen perfiden Rachefeldzug. Für Jansen bleibt der Einsatz zunächst folgenlos. Doch seine Moral ist gebrochen, er verdingt sich in illegalen Nebenjobs als Terrorausbilder.

Deutsche Polizisten als Terrorausbilder

Hat Hamburgs neuer "Tatort"-Kommissar Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) in seinem ersten Einsatz als verdeckter Ermittler schon kriminelle Landsleute auffliegen lassen, wartet in "Häuserkampf" eine noch schwerere Aufgabe auf ihn: als Ratte in den eigenen Reihen Kollegen ausschnüffeln. Er soll Beamte des Hamburger Spezialeinsatzkommandos (SEK) enttarnen, die ihre Kompetenz gegen Cash in Krisengebiete verkaufen.

Krieg im eigenen Haus

Inszeniert ist "Häuserkampf" wie ein amerikanischer Thriller mit schwerem Geschütz: Bewaffnet mit Sturmmasken, Helmen und Maschinenpistolen stürmen die Polizisten das Hochhaus, in dem Didic seinen Rachefeldzug beginnt. Die kühle, moderne Optik steht in starkem Kontrast zum Mittelalter-Jargon: "Aug um Aug, Zahn um Zahn", "die Zeit des Schweigens ist vorbei". Eine starke Symbolik kennzeichnet diesen typischen Hamburger "Tatort"-Stil, der sich hier herausbildet: wie Didic sein Ei akribisch köpft, bevor er die Geisel in dem Hotelhochhaus nimmt, wie sich das Blut über sein Gesicht verteilt, nachdem er erschossen wurde. Konsequent wird die moderne Anmutung aus der ersten Cenk-Batu-Folge weitergeführt.

Denn wieder ist Batu ganz nah am Geschehen: Anstelle von Jansen, der nach einem Unfall auf der Intensivstation liegt, nimmt er die Fährte auf in dieser tödlichen Schnitzeljagd, in der Didic auch nach seinem Tod die Fäden in der Hand hält: Per Flashcard gibt der Rächer seine Anweisungen als Videobotschaft. Mit Hilfe von GPS hetzt er Batu durch Hamburg: Schanze, Winterhude, die Parkanlage Planten und Blomen. Dem verdeckten Ermittler bleibt nur wenig Zeit, Jansens Frau und Tochter von der tickenden Bombe zu trennen, an die sie Didic gefesselt hat.

Den komplexen Stoff verdichtet Regisseur Florian Baxmeyer in einen spannenden Thriller und prangert nicht nur Korruption im Polizeidienst an, sondern sendet eine weitere klare Botschaft: Dass man Krieg immer mit nach Hause nimmt - egal, wie weit weg und wie lange her der Einsatz war. Brandaktuell im Zeiten, in denen deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert sind.

Von Kathrin Buchner
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Countryjoe (15.04.2009, 10:38 Uhr)
Brandaktuell?
"Brandaktuell im Zeiten, in denen deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert sind."
Sollte es nicht besser heißen: Brandaktuell in Zeiten in denen Hinz und Kunz aus allen Krisengebieten der Erde in unser Land geholt und mit Totalverständnis auf uns losgelassen werden?
haddock (14.04.2009, 22:12 Uhr)
@Vegefranz
Treffende Ironie.
Der beste Tatort seit langem.
AlterHund (14.04.2009, 21:49 Uhr)
SUPERSPANNEND !!
Absolut klasse! neben dem Tatort aus Münster,der beste sit langem(Hallo Axel & Jan Josef,wann kommt ihr mal wieder vorbei...?)
ach ja,Vegefranz nervt langsam ...muss ich ma sagen,ehrlich !
odrt69 (14.04.2009, 19:37 Uhr)
eine große scheibe
spannung können sich viele gähnend langweilige tatorte von dieser folge abschneiden. oder sollen krimis heute nicht mehr spannend sein? reicht es, kommissare mit ihren ausgefeilten + gepflegten macken einfach nur machen zu lassen? na ja, und ein tick sozialkritik darf ja auch nicht fehlen, oder?
DAS hier, das war wenigstens spannend!
Dewerth (14.04.2009, 17:27 Uhr)
Könnte man vielleicht …
… endlich die dumpfbackigen Ansagen eines vegefranz für immer verbannen? Sonst muss ich ihn als Gutmensch einfach umnieten.
cybertanne (14.04.2009, 14:12 Uhr)
@drumboy
Das Gegenteil ist der Fall. Die in letzter Zeit neu gestarteten Tatort-Ermittler können außnahmslos ihren Vorgängern nicht das Wasser reichen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Kölner, Münsteraner etc. uns noch lange gut unterhalten. Die öffentlich-rechtlichen Action-Krimis sind nur lächerlich. Und wenn man es nicht kann, sollte man es lassen und lieber solide Krimis produzieren.
hellwachabsolut (14.04.2009, 12:54 Uhr)
Nicht gut gemacht .
Der Tatort aus Hamburg hat ziemlich gut begonnen aber verlier schnell an Qualität und damit meine ich die schauspielerische Qualität.
Die Geschichte wurde zum Schluss immer dünner. Die Schauspieler vermitteln einem, als spielen Sie im Theater auf der Büne. Die Dialoge erscheinen ziemlich plakativ und nicht flüssig genug.
Der hamburger Tatort will keine typische Tatort sein, wie wir ihn sonst kennen.
dafür müssen aber die Drehbücher und vor allem die Schauspieler wesentlich besser werden bzw. besser spielen.
DLXSF (14.04.2009, 12:45 Uhr)
Der Fehlerteufel...
...hat zugeschlagen. Zitat: "...wie sich das Blut über sein Gesicht verteilt, nachdem er erschossen wurde." Didic wurde nicht erschossen, sondern hat sich selbst das Leben genommen.
hevosenkuva (14.04.2009, 11:45 Uhr)
Gar nicht schlecht der Tatort
nur am theatralisch angespannt-energischen Blick von Cenk Batu könnte noch etwas gearbeitet werden; das wird sicherlich mit der Zeit souveräner werden.
Was ist eigentlich ein "Gutmensch"? Das scheint sich zu einer Art Allround-Schimpfwort zu entwickeln für alle, die nicht der gleichen, tendenziell eher "harten" Meinung sind; bzw. was ist das Gegenteil von "Gutmensch"? Schlechtmensch? Hardliner? Alltagsrambo? Vollspacken?
drumboy (14.04.2009, 11:31 Uhr)
Gutmenschen - Kritiksucht
Muss mal was zu dem warscheinlich sueffisant/zynische gemeinten aber trotdem voellig deplazierten Kommentar von Vegefranz sagen: Mir ist ein Tatort, der Story und Protagonisten endlich mal anders und neu angeht hundetmal lieber als diese unertraegliche Abarbeiterei gesellschaftlich relevanter Themen mit dem ueblichen Tatort-Getue sowie anschliessender inhaltloser Diskussion bei Frau Will. Interessanterweise ist die Tatort-Situation aehnlich der ganz Deutschlands:
Bremen und Hamburg sind innovativ, Muenster delektiert sich an sich selbt, der Osten pennt und der Rest ist bieder Hausmannkost. Und die Zuschauer vermissen Realitaet? Ein Witz...
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