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5. Januar 2009, 09:16 Uhr

Türken, Tiroler und Tote

Sturköpfige Einwanderer, die ihre Töchter zwangsverheiraten wollen. Fiese Einheimische, die gegen die Zugewanderten hetzen. Dazwischen der überforderte Chefinspektor Moritz Eisner: Der Österreich-"Tatort" hat ein eigentlich gutes Anliegen gehabt - es aber durch übertriebene Schwarz-Weiß-Zeichnung diskreditiert. Von Carsten Heidböhmer

Tatort, Mord, Österreich, Tirol

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) muss in Tirol zwischen Einwanderern und Einheimischen schlichten© ORF

In dem beschaulichen Tiroler Städtchen Telfs gärt es: Da haben die zugewanderten Türken doch tatsächlich die Frechheit besessen, eine Moschee mit Minarett zu errichten. Und das im "heiligen Tirol"! Da kann man als Einheimischer schon mal auf die Barrikaden gehen. In dieser aufgeheizten Atmosphäre wird eine junge Türkin an einem Baum hängend aufgefunden - ermordet. Kurz darauf wird ihr österreichischer Freund tot aus dem See gezogen. Und schon sind wir mitten drin im modernen Kulturkampf.

Denn das Paar ist offensichtlich Opfer der verhärteten Fronten geworden: Auf der einen Seite die konservative Familie der Türkin, in der die Töchter nach Altvätersitte im Herkunftsland verheiraten werden. Auf der anderen Seite die fremdenfeindlichen Einheimischen, die mit den Zugewanderten nichts zu tun haben wollen und schon wegen eines bescheidenen Minaretts ihre abendländische Identität bedroht sehen. Normale, besonnene Zeitgenossen suchte man in dieser "Tatort"-Folge vergebens.

Polizist zwischen allen Stühlen

Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Kollegen vor Ort haben die schwere Aufgabe, da noch die Übersicht zu bewahren. Was alles andere als einfach ist. Insbesondere der türkischstämmige Polizist Vedat Özdemir (Tim Seyfi) sitzt gehörig zwischen den Stühlen. Seine einheimischen Kollegen nehmen ihn als "Türken" nicht für voll. Die türkische Gemeinde sieht ihn dagegen als Überläufer, Verräter an der eigenen Kultur.

Es ist vor allem die Angst um die eigene Kultur, die angestammte Identität, die für die Feindseligkeiten sorgt. Dabei sind sich die beiden Gruppen ähnlicher, als ihnen lieb ist: Die waschechten Tiroler haben Angst vor "Überfremdung" und fürchten, dass es 2030 mehr Türken als Österreicher gebe. Und die Eingewanderten fürchten nichts mehr als sich "zu mischen", denn "sonst sind wir in zwei Generationen weg".

Identität als Konstrukt

Der "Tatort" hat seine Stärken da, wo er die scheinbar reinen Identitäten auseinandernimmt und als Konstrukt entlarvt. "Wir sind Tiroler Bauern seit 1511", prahlt etwa Inspektor Franz Pfurtscheller (Alexander Mitterer), um dann aber kleinlaut zuzugeben: "Na gut, ein Kärntner war schon dabei" - aus der slowenischsprachigen Bevölkerungsgruppe wohlgemerkt. Und die Türkin Melisa Ozbay, die reinstes Deutsch spricht und auf der Universität studiert, sagt: "Was soll ich in der Türkei? Hier ist meine Heimat!".

Es hätte ein spannendes Drama um moderne Identitäts-Konzepte werden können. Doch weil wird uns am Sonntagabend zur Prime-Time im Ersten befinden, müssen sich die tief sitzenden Konflikte in 90 Minuten in Wohlgefallen auflösen. Am Ende begehrt die türkische Mutter auf, will sich erhängen ("Ich halte euch Männer nicht mehr aus"), bringt damit den Vater zur Einsicht, der daraufhin seiner Tochter und ihrem deutschen Freund den Segen gibt. Aber damit nicht genug. Auf dem Dach des Minaretts versöhnt sich der Vater mit seinem aufgehetzten Sohn. Da müssen dann auch die fremdenfeindlichen Österreicher ihre Einstellung überdenken: In der vorletzten Szene kniet der Anführer der Moscheebau-Gegner neben Vater Ozbay auf dem muslimischen Gebetsteppich.

Damit ist aber noch immer nicht Schluss: Weil sich im "Tatort" auch immer Privates mit dem Politischen vermischt, hat Moritz Eisners Tochter jetzt auch einen türkischen Freund. Und so fahren die Eisners nun zu dritt - wohin auch sonst? - nach Antalya. So einfach ist das: Der Kampf der Kulturen findet wegen Urlaubs bis auf Weiteres nicht statt!

Von Carsten Heidböhmer
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Styx2007 (06.01.2009, 12:54 Uhr)
Einfach nur fade. langweilig und doof!
Dieser Tatort war mit Abstand der schlechteste, blödeste und klischeehafteste, den ich je gesehen habe. Da wurde wirklich von Anfang bis nde jedes Klischee bedient - u.a. der aufgemotzte 3er BMW. Lächerlicher geht es nur noch zum Ende hin, als natürlich alle Protagonisten auch noch in der Türkei mit dem türkischen Freund Urlaub machen. Das Geld hätte sich die ARD besser gespart - dieser Tatort war wirklich das letzte!
STR_EDDS (05.01.2009, 22:01 Uhr)
@clibanarius
Ähnliches dachte über einen anderen Account auch. Dieser war politisch in der absolut linken Ecke angesiedelt und fiel durch zum Teil abstruse Ansichten und Forderungen auf (nicht nur aus meiner Sicht, wohlgemerkt). Es ist doch so: inzwischen sind die Diskussionen (Ok. Gewagte Bezeichnung) der Kommentatoren teils interessanter als der eingentliche Bericht. Da passt doch so ein kleiner Agent Provocateur gut ins Bild. Unterhaltungswert kann man ihm nicht absprechen. Soviel Lob muss sein. :-)
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Es geht allerdings auch anders: vor kurzem hatte ich auf der ICE-Strecke nach HH eine sehr angeregte aber wertvolle und auch ergebnisreiche Diskussion mit einem anderen Fahrgast. Nach über einer Stunde und einem gemeinsamen Tee, stellten wir erstaunt fest, dass wir uns hier schon sehr leidenschaftlich beharkt hatten. :-)
Clibanarius (05.01.2009, 21:40 Uhr)
Politix
Den Eindruck habe ich auch. Er vermeidet zwar mehr oder weniger geschickt direkte Beleidigungen anderer User. Aber solche wiederholte, übrigens strafbewehrte, Hetze von ihm, Raketen auf Araber und Türken in Berlin-Neukölln zu schiessen oder das beständige Spamen mit immer denselben Sprechblasen werden anstandslos hingenommen. Für mich scheint er ein Dummy, ein Provo-Account der Redaktion/Admins hier zu sein.
vegefranz (05.01.2009, 21:10 Uhr)
Tatort für die "generation Mario Bart" mit ein bisschen Multikultigrusel und einem - natürlich - einheimischen Täter
Tatort für die "generation Mario Bart" mit ein bisschen Multikultimessergrusel und einem - natürlich - einheimischen Täter. @walhall: ist doch oK, wenn dir der Film gefallen hat. Den Intendanten freut´s auch, weil keine Lobby protestiert. Muss sich ja keiner rechtfertigen, aber ich werde doch wohl noch meine Meinung sagen dürfen, oder?
Politix (05.01.2009, 20:33 Uhr)
vegefranz
manchmal kommt es mir so vor, als sei der vegefranz gar kein "echter" Kommentator, sondern ein von der Red. sporadisch eingestreuter "Hinderniswagen", wie damals auf der Carrera-Servo-Bahn.... .
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Teilweise echt spaßig, teilweise naja... .
x-black (05.01.2009, 19:51 Uhr)
Felix Austria !
Ich habe nichts gegen Vorurteile, aber der Tatort hat mir bestätigt, das es gut ist möglichst schnell aus Österreich wieder raus zu kommen.
M1L0 (05.01.2009, 19:27 Uhr)
der tatort
scheint neuerdings öfters für diskussionsn zu sorgen -
wer hätte es dem format zugetraut ;-) zur gestrigen ausstrahlung: ich schliesse mich einigen vor mir an. er war stellenweise echt witzig und es stimmt, man kann diese thematik in so kurzer zeit nicht annähernd erfassen. der schluss... ich hab ihn nicht bier-ernst genommen, musste wohl so sein... wie hätte ein ende auch aussehen sollen?! bürgerkrieg? so war es die womöglich unwahrscheinlichste aller varianten und sicherlich einem frommen wunsch entsprungen. einen denkanstoß liefert er allemal.
walhalla (05.01.2009, 19:02 Uhr)
peinlich
wie immer der Fegerfranz. Nichts begriffen, dummen Spruch abgelassen, tschüss.
Es ist nicht einfach, in 90 Minuten die ganze Problematik abzuhandeln.
Der Versuch war bis fast zum Schluss gelungen. Da wir es miteinander aushalten müssen, bitte ich hier um Verbesserungsvorschläge.Was brächte die Türken und die Deutschen näher?Weil, wir müssen miteinander, gegeneinander würde jeden Tatort sprengen.Vielleicht sogar den infantilen Fegerfranz.
Dewerth (05.01.2009, 18:04 Uhr)
In weiten Teilen…
…kann ich die Kritik an diesem Tatort nchvollziehen. Und trotzdem fand ich ihn insgesamt unterhaltsam, an manchen Stellen ausgesprochen witzig. Den Zuckerschluss kann ich als ungewollte(?) Kabaretteinlage abbuchen.
Benkku (05.01.2009, 15:39 Uhr)
So etwas kuckt man nicht.
Der plumpe Bekehrungsversuch mittels peinlicher Verbrüderungsszenarien kommt als Pferdefuß daher geschlichen. Da hat sich mal wieder ein systemkonformer Filmefuzzi ziemlich krumm gemacht.
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