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Der Brutalste, der Beliebteste, der Beste - das war die "Tatort"-Saison

Mit Sibel Kekillis letztem Einsatz in Kiel ist die "Tatort"-Saison zu Ende gegangen. Wir ziehen Bilanz - und prämieren Hoch- und Tiefpunkte der Spielzeit.

Tatort Bilanz

Misel Maticevic als brutaler Familienvater im Kiel-"Tatort", die Quotenkönige Thiel und Boerne in "Fangschuss" und Ivo Batic (Miroslav Nemec)in der herausragenden "Tatort"-Folge "Der Tod ist unser ganzes Leben"

Es war wohl höchste Zeit für die Sommerpause: Nur noch 6,1 Millionen Zuschauer wollten am Sonntagabend den "Tatort" aus Kiel sehen - was vermutlich in Teilen dem guten Wetter geschuldet sein dürfte. Gut möglich, dass viele Zuschauer aber auch die Gangart dieses Krimis nicht goutierten und frühzeitig ausschalteten. Wie so oft konnte man sich auch über die "Tatort"-Folge "Borowski und das Fest des Nordens" trefflich streiten. Wir ziehen Bilanz der zurückliegenden Spielzeit.

Der beste "Tatort" der Saison: 

Streng genommen gibt es zwei beste Folgen - und die kommen beide aus München. Mit zusammenhängenden Fällen "Die Wahrheit" und "Der Tod ist unser ganzes Leben" thematisierte der "Tatort" Fragen, die über einen Kriminalfall hinausgehen. Es zeigt am Beispiel von Ivo Batic (Miroslac Nemec) Kommissare als Menschen am Rande ihrer Kräfte, kurz vor dem Burn-Out stehend. Die das in ihrem Beruf erlebte nicht lässig abschütteln können, sondern es mit sich herumschleppen und die großen Sinnfragen des Lebens stellen.


Die schlechteste Folge:

Viel zu oft gab es am Sonntagabend schlechte oder bestenfalls mittelmäßige "Tatort"-Folgen. Unverständlich angesichts der Tatsache, dass diese Krimireihe immer noch das Aushängeschild der ARD ist. Zwar hat der SWR mit der improvisierten Folge "Babbeldasch" etwas gewagt - doch weil die Rahmenhandlung so dünn und die schauspielerischen Leistungen so dürftig waren, sticht diese Folge im negativen Sinne heraus.

Die bestbewertesten Fälle der Saison:

Die Website "Tatort-fundus.de" beherbergt die größte Community für Fans des Sonntagabendkrimis. Hunderte von Zuschauern bewerten hier jede einzelne der inzwischen 1025 gesendeten Folgen. Aus der zurückliegenden Spielzeit haben es zwei Folgen in die Top 50 geschafft. Der oben erwähnte Münchner Fall "Die Wahrheit" (Platz 31) - und der aus Dortmund kommende Film "Sturm" (35).

Der Brutalste "Tatort":

Ohne Frage gab es Fälle mit mehr Toten. Doch in der Zurschaustellung stumpfer Gewalt war die Kieler "Tatort"-Folge "Borowski und das Fest des Nordens" vom Sonntagabend trauriger Spitzenreiter. Muss man den Zuschauern zur Prime Time wirklich in quälender Länge zeigen, wie ein wütender Familienvater Männer und Frauen erdrosselt, ersticht und zu Tode prügelt? Radikale Geschichten lassen sich auch ohne derartige Gewaltexzesse erzählen - hier ist der NDR zu weit gegangen.


Der Erfolgreichste "Tatort": 

Wenig überraschend gewinnt in dieser Kategorie wie schon in den Vorjahren ein "Tatort" aus Münster: "Fangschuss". Den 31. Fall von Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und dem versnobten Gerichtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), wollten am 2. April rekordverdächtige 14,56 Millionen Menschen sehen. Das war die höchste Zuschauerzahl für einen "Tatort" seit einem Vierteljahrhundert. Dabei waren sowohl der Fall als auch die Gags bestenfalls mittelmäßig.

Den werden wir künftig im "Tatort" vermissen:

Mit der herausragenden Folge "Sturm" verabschiedete sich Daniel Kossik (Stefan Konarske) vom Dortmunder "Tatort"-Team. Der Fall um islamistische Terroristen sollte ursprünglich am 1. Januar ausgestrahlt werden - wurde dann aber aus Rücksicht auf die Opfer des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin auf Ostermontag verschoben. Kossik wird am Ende der Folge schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Ob er überlebt, ist nicht klar. Nur eines steht fest: Die Dortmunder Mordkommission wird in Zukunft zu dritt weitermachen.


Dieses Team werden wir nicht vermissen:

Die Landschaft war in der Regel hinreißend. Das ist aber auch schon das Beste, was sich über den Bodensee-"Tatort" sagen lässt. Ansonsten brachten die Fälle um Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) zumeist gediegene Langeweile zustande. Sogar der Abschied misslang: Zwar spielte Mattes in "Wofür es sich zu leben lohnt" an der Seite von Irm Hermann, Margit Carstensen und Hanna Schygulla - allesamt Kolleginnen aus alten Fassbinder-Tagen. Doch das führte dem Zuschauer nur vor Augen, wie sehr ein Genie wie Rainer Werner Fassbinder dem deutschen Fernsehen fehlt.


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