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Bruchlandung mit totem Kind

Bei einem Familienfest mit Flugshow rast eine Maschine in die Zuschauer. Ein Kind stirbt. Die Leipziger Kommissare Saalfeld und Keppler ermitteln in einem "Tatort", der an die Nieren geht, aber sich leider entsprechend seines Titels "Absturz" entwickelt.

Von Kathrin Buchner

Auf dem Tisch stehen noch der Kakao und ein mit Nutella beschmiertes Brötchen. Reste eines Familienalltags, der von einer Minute auf die andere zerstört wurde. Emil ist tot. Aus dem Leben gerissen von einer Maschine, die bei einer Flugschau mit Familienfest, Clown und Hüpfburg nicht abhebt, sondern in die Zuschauermenge rast. Vor den Augen seines Vaters stirbt Emil auf dem Weg ins Krankenhaus.

"Absturz", der Leipziger "Tatort", zeigt das Leiden eines Vaters, der sein Kind verliert. Aus heiterem Himmel, im doppelt perfiden Sinn. Und wie das gezeigt wird, ist drastisch und intensiv, ohne Effekthascherei, dafür mit ruhigen Kameraeinstellungen und Bildern voll expressionistischer Kraft. Matthias Brandt spielt diesen Vater ohne viele Worte, aber mit einer traumwandlerischen Sicherheit für die richtigen Gesten der Verzweiflung. Wie er einen Blutbeutel auf den Bruchpiloten wirft, und das Blut sich auf dessen Körper ergießt. Wie er sich die Wut und Trauer aus dem Leib tanzt zu den Liedern, die er auf dem iPod seines Sohnes findet. Des Vaters grüne Augen spiegeln sich in dem Grün des Aquariums, wo als lebendiges Vermächtnis Emils Goldfische dümpeln, während der Trauernde die Bodenhaftung zu verlieren scheint.

Der Versuch eines klassischen Krimis scheitert

Auch das Schicksalhafte und Zufällige eines Unglücks, dieses Zur-Falschen-Zeit-Am-Falschen-Ort-Sein, kommt gut rüber. Der tote Emil ist der beste Freund von Lukas, dem Neffen von "Tatort"-Kommissarin Eva Saalfeld (Simone Thomalla). Und weil sie verschlafen hat, kommen Tante und Neffe zu spät zur Flugshow, was ihnen wahrscheinlich das Leben gerettet hat.

Regisseur Torsten C. Fischer inszeniert das Spiel zwischen den Trauernden als eine Art Kräftemessen der Verzweiflung und Sprachlosigkeit: Den leidenden Vater zieht es immer wieder hin zur Familie des Todespiloten (überzeugend hilflos gespielt von Jan Henrik Stahlberg). Der wiederum ist auch nur Opfer der Umstände: nämlich der mangelhaften Wartung der Maschine und den korrupten Machenschaften zwischen dem Chef der Flugsicherung und dem Veranstalter der Flugshow, der alsbald als Leiche in einer Baugrube gefunden wird.

Geldgier und Skrupellosigkeit kosten das Leben eines kleinen Jungen - der Fall geht unter die Haut. Wie weit ein Vater in der Trauer um sein verlorenes Kind geht, ist Stoff genug für ein Drama. Doch daraus einen Wirtschaftskrimi mit den klassischen Zutaten Mord, Habgier und Machthunger zu stricken, hat nicht funktioniert. Leider. Zu stereotyp sind gegen Ende die Protagonisten gezeichnet. Beim Versuch, Spannung aufzunehmen, erleidet dieser "Tatort" nach anfänglichem Höhenflug eine derbe Bruchlandung.

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