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Perlmann, hol schon mal den Wagen

Ein Krimi in schlechtester "Derrick"-Tradition: flache Geschichte, hölzerne Dialoge, statische Inszenierung. Der Bodensee-"Tatort" war zum Einschlafen. Das konnten auch die Schauspieler nicht ändern.

Von Carsten Heidböhmer

  Den Wagen wird er wohl nicht mehr fahren: Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) sichtet die Unfallstelle, wo die schöne Mona verunglückt ist

Den Wagen wird er wohl nicht mehr fahren: Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) sichtet die Unfallstelle, wo die schöne Mona verunglückt ist

Gleich zu Beginn der "Tatort"-Folge "Die schöne Mona ist tot" betritt ein Mann das Konstanzer Kommissariat und möchte ein Verbrechen melden. Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) ist nicht da, ihrem Kollegen Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) möchte sich der Fremde jedoch nicht anvertrauen: "Ich red doch nicht mit dem Assistenten." Das saß. Denn Perlmann ist Kriminalhauptkommissar - also Blums gleichrangiger Kollege. Behandelt wird er jedoch wie - Harry Klein, der Assistent von Stephan Derrick.

Das Problem an diesem Film: Fortan bekommt man die "Derrick"-Assoziation nicht mehr aus dem Kopf. Der "Tatort" gibt sich alle Mühe, an den Fernsehkrimi der 80er Jahre zu erinnern. Dabei böte die Geschichte viel Stoff für einen spannenden Film: Das Drama einer Ehe zwischen zwei Menschen, die einfach nicht zusammenpassen: die schöne, aber einfältige Mona (Silke Bodenbender) und der gebildete, kultivierte Christian Seitz (Sylvester Groth). Die gemeinsam in Monas Heimat verweilen, wo sie schon bald den Reizen ihres Ex-Freundes, des schönen Fritz' (Ronald Zehrfeld) erliegt. Der wiederum ist längst mit Birgit (Anne Weinknecht) verheiratet und hat eine Tochter. Daneben schuldet Fritz der schönen Mona viel Geld. Eine brisante Konstellation, die im Unglück enden muss.

Denn eines Nachts kehrt Mona nicht mehr heim. Fritz hat sie mit dem Auto die Böschung heruntergestoßen. Doch sie überlebt verletzt - und wird daraufhin von Fritz' Frau entführt und gepflegt. Die lässt sie laufen - doch am Ende wird sie von ihrem Ehemann erschossen, der hinter ihre Affäre gekommen ist.

Viel Geld, große Gefühle, Liebe und Verrat - eigentlich hat der Fall alle Bestandteile, die man für einen guten Film braucht. Dazu wartet die Produktion mit einer ganzen Reihe hochrangiger Schauspieler auf, die gewöhnlich einen mittelmäßigen zu einem guten Film machen können.

Doch Regisseur Ed Herzog und Autor Wolfgang Stauch bringen das Kunststück fertig, aus den Zutaten einen unfassbar langweiligen und statischen Fall zu machen. Die Geschichte wird fast komplett über hölzerne Dialoge erzählt, nicht über handelnde Akteure und Bilder. Gleich drei Mal bekommen wir die gleiche Szene zu sehen: Der verdächtige Ehemann steht in der offenen Küche seiner Villa und kocht, während ihn Klara Blum befragt. Auch das erinnert fatal an die ewigen Befragungen in Schwabinger Villen, für die der ZDF-Krimi bekannt war.

In diesem Film ist nichts, wie es scheint: Die schöne Mona lebt - und der Bodensee-"Tatort" in Wirklichkeit eine übriggebliebene "Derrick"-Folge, die mit frischem Personal nachgefilmt wurde. Das Konstanzer Team braucht dringend eine Frischzellenkur, sonst wird es vor lauter Langeweile eingehen. Perlmann, hol schon mal den Wagen!

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

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