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Eine tolle Wahl

Devid Striesow ist der neue "Tatort"-Kommissar im Saarland. Ein Gewinn für die Krimireihe. Jetzt braucht er nur noch ein gutes Drehbuch, mit dem er sein Können unter Beweis stellen kann.

Von Oliver Creutz

  In seiner Rolle steckt auch ein Stück von ihm selbst: Devid Striesow als neuer "Tatort"-Kommissar Jens Stellbrink.

In seiner Rolle steckt auch ein Stück von ihm selbst: Devid Striesow als neuer "Tatort"-Kommissar Jens Stellbrink.

  • Oliver Creutz

Um es gleich zu sagen: Der neue "Tatort" aus Saarbrücken ist kaum spannend. Und kaum lustig. Und wäre Devid Striesow nicht der Kommissar, der Film wäre kaum sehenswert. Saarbrücken - das ist die Stadt, in der 17 Jahre lang Kommissar Palu mit Baguette unterm Arm ermittelte. Am Ende rochen seine Fälle ungefähr so wie ein lange gelagerter französischer Weichkäse.

Von 2006 an durfte ein junges Ermittler-Team ran, das gute Krimis und sogar hohe Quoten ablieferte. Das schien dem Saarländischen Rundfunk aber nicht zu genügen. Der zuständige Redakteur schmiss die Schauspieler raus - und engagierte Devid Striesow. Eine tolle Wahl.

Striesow, das ist der, dessen Gesicht jeder kennt, den man aber bislang nicht auf eine Rolle reduzieren konnte. Striesow, heute 39, spielte vieles: einen kaltherzigen Finanzjongleur in dem Spielfilm "Yella", einen hochstaplerischen Betrüger in "So glücklich war ich noch nie" sowie einen vom Hochstapler Betrogenen in Dieter Wedels "Gier". Er war der Assistent von Bella Block, er gab einen SS-Mann im mit dem Oscar-prämierten Spielfilm "Die Fälscher", er spielte einen Bisexuellen ("Drei") sowie einen Transsexuellen ("Transpapa"). Kann Devid Striesow auch "Tatort"?

Flucht vor Logik und Stringenz

Er könnte. Er spielt den Kommissar Jens Stellbrink, der nach Saarbrücken versetzt wurde. Er richtet sich seine Wohnung ein, fährt in kurzer Hose und Gummistiefeln zum Baumarkt, stelzt durch die Gänge, und bald taucht ein Mädchen auf, das von bösen Männern in schwarzen Anzügen gejagt wird, die bald schon auf Stellbrink zu schießen beginnen, woraufhin er mit dem Mädchen durch einen Wald flüchtet. Auch der Rest des Film gleicht einer Flucht: einer Flucht vor Logik und Stringenz. Die Macher haben den Krimi vollgestellt wie einen Raum voller bunter Möbel.

Im Gespräch erklärt Devid Striesow seine Rolle so: "Wir haben eine Überhöhung angestrebt. Doch die Komik soll nicht ins Alberne abrutschen. Es geht darum, einen Kriminalfall mit Humor zu verbinden." Vorbild für den Kommissar sei Inspektor Clouseau aus dem "Rosaroten Panther". Ja, wenn man um die Absicht weiß, erkennt man einzelne Züge von Peter Sellers wieder. Leider aber eher die des späten Sellers, als die Panther-Reihe ins grob Tollpatschige und Changierende entglitten war.

Striesow könnte viel mehr als das. Der Schauspieler sagt von sich selbst, dass er kein großer "Tatort"-Gucker sei. "Der Fernseher läuft bei uns zu Hause eigentlich überhaupt nicht." Deswegen hat er es nicht als ein Ritterschlag empfunden, zum Ermittler befördert zu werden. "Früher kam man als Schauspieler in den 'Tatort' und war von da an nur noch Kommissar. Heute hat man die Möglichkeit, einen 'Tatort' zu tragen und trotzdem nicht auf diese Rolle reduziert zu werden."

Hohe Grundenergie

Sein Grund, die Rolle anzunehmen? Ein ganz einfacher: "Weil die Serie am Sonntagabend läuft und ich dadurch viele Menschen erreiche." Bislang hat Striesow die mittleren Bühnen bevorzugt. Nun betritt er die große.

Es gibt noch einen weiteren Grund für sein Engagement: In Striesows Kommissar steckt auch ein wenig vom Menschen Striesow. "Ich will dem Stellbrink eine hohe Grundenergie geben", sagt er. "Er soll intuitiv arbeiten und über Grenzen gehen. Die Figur soll nicht in einem Stereotyp versanden." Striesow besitzt selbst solch eine hohe Grundenergie. Er dreht viel, er dreht intensiv, er spielt vereinzelt Theaterrollen, in denen er sich verausgaben kann. Ein guter Regisseur, ein guter Drehbuch-Schreiber, ein guter TV-Redakteur sollten sich diese Eigenschaften zunutze machen.

"Melinda" bietet die Gelegenheit, den neuen Kommissar kennenzulernen und sich mit seinen Marotten anzufreunden. Und dann kann man darauf hoffen, dass der nächste Fall, den Stellbrink zu lösen hat, all das bietet, was seinem ersten Fall fehlt: Spannung und Humor. Am Hauptdarsteller liegt es nicht.

Striesow könnte.

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