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"Nur Schweiger nervt halt"

Erstaunlich wohlwollend fiel das Medienecho auf den neuen Hamburg-"Tatort" aus. Nur Til Schweiger kam schlecht weg. Dafür feierte die Presse einen anderen Darsteller.

  Til Schweiger gibt seinen Einstand als Hamburger "Tatort"-Kommissar Nick Tschiller

Til Schweiger gibt seinen Einstand als Hamburger "Tatort"-Kommissar Nick Tschiller

So schlecht war's doch gar nicht. Das Presseecho auf den neuen Hamburg-"Tatort" fällt zwar durchwachsen aus, richtige Verrisse gab es aber keine. Was durchaus überrascht, wenn man bedenkt, wie der deutsche Feuilleton sonst zu Til Schweiger steht.

Wohlwollend, aber wenig begeistert schreibt Jochen Hieber auf "faz.net": "Als Nick Tschiller ist Schweiger sehr passabel - und natürlich auch höchst quotenträchtig." Und kommt zu dem Resümee: "Als Nachfolger von Mehmet Kurtulus (…) ist Til Schweiger gewiss keine Fehlbesetzung."

Auch die Rezensentin auf "sueddeutsche.de" konnte dem Film gute Seiten abgewinnen: "Ansonsten ist dieser 'Tatort' auch gar nicht schlecht gemacht. Actionfans dürften entzückt sein, Spannung ist durchaus geboten, dazu pittoreske bis düstere Bilder aus dem so hübschen wie unschönen Hamburg, ansonsten prima Schauspieler - alles dran." Positiv aufgefallen ist Ruth Schneeberger vor allem einer: "Sein junger Kollege Yalcin Gümer (gespielt von Fahri Ogün Yardım) ist sogar richtig witzig und sorgt für viele auflockernde Szenen, die den bierernsten und rauen Tschiller-Ton konterkarieren." Die größte Schwäche besteht in ihren Augen ausgerechnet in dem Hauptdarsteller: "Nur Schweiger nervt halt."

"Ein ziemlich normaler 'Tatort'"

Die Besprechung auf "Focus-Online" reibt sich ebenfalls an Schweiger: "Es gibt schmissig hektische Schnitte bei brutalen Kämpfen, viel Kawumms bei lauten Schießereien und ein paar bullige Dialoge. Ein wenig rohrkrepiert das alles, als Schweiger (…) beim großen Showdown noch etwas mehr schauspielern oder wenigstens Pathos geben müsste, und das einfach nicht kann." Unterm Strich ist das Resultat für Jakob Biazza jedoch akzeptabel: "Es ist damit, allen Unkenrufen zum Trotz, auch ein ziemlich normaler 'Tatort'. Kein sonderlich guter, aber ein sehr actionreicher."

Deutlich negativer fällt die Kritik auf "Spiegel-Online" aus: "Bei diesem 'Tatort' ist einiges durcheinandergeraten. Die Vorbereitungen waren ein Ringen, bei dem Schweiger der öffentlich-rechtlichen Anstalt NDR so viel Mitsprache abrang, wie sie keinem anderen 'Tatort'-Darsteller zugestanden wird", schreibt Christian Buß. Und kommt zu dem vernichtenden Urteil: "Dieser 'Tatort' will großes Kino sein - doch am Ende ist er nur eine Glamour-Ruine wie die Hamburger Elbphilharmonie, die hier einmal jämmerlich im Nebel rumsteht."

Begeisterung bei "Zeit" und "Welt"

Ganz anders bei "Zeit-Online". Dort kann sich Adam Soboczynski vor Begeisterung kaum einkriegen: Der "Tatort" gehöre "definitiv zu den großartigsten seit sehr langer Zeit." Was vor allem an Schweiger liege: "Im 'Tatort' zeigt er sich aber als das, was es in Deutschland eigentlich gar nicht gibt: als verdammt guter, grober, lässiger Action-Star. Man will mehr davon."

Auch der Rezensent auf "welt.de" zeigt sich angetan: "Das alles ist spannend anzusehen und auch mutig: Denn es versucht auf sehr ruppige und direkte Weise, das altbekannte 'Tatort'-Format noch einmal komplett neu durchzukneten. Manche dramaturgischen Muster mögen da etwas altbacken daherkommen (...), aber darüber kann man leicht hinwegsehen", schreibt Felix Müller.

Die positiven Einschätzungen decken sich mit der begeisterten Rezension auf stern.de: "Willkommen in Hamburg" macht alles richtig. (...) Die Action wird konsequent durchgezogen, das Thema ernst genommen, ohne dass sich der Krimi selbst zu ernst nimmt", schreibt Sophie Albers. "Dieser 'Tatort' fährt die Gefühls-Achterbahn einmal ab und entlässt seine Zuschauer gut unterhalten in die neue Woche. Und darum geht es schließlich im 'Tatort'".

Das deutsche Feuilleton, so scheint es, hat seinen Frieden mit Schweiger gemacht. Macht nun Schweiger auch seinen Frieden mit dem Feuilleton?

Zusammengestellt von Carsten Heidböhmer

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