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Mit Leib und Leben

Bereits im April sollte der neue Schweizer "Tatort" gesendet werden - und wurde dann überarbeitet. Jetzt ist es so weit. Hauptdarsteller Stefan Gubser hat mit stern.de über die Querelen gesprochen - und seinen Kindheitstraum verraten.

Von Carsten Heidböhmer

Nach neun Jahren gönnt sich die Schweiz wieder einen eigenen "Tatort". Der hätte eigentlich schon im April debütieren sollen. Doch in der Schweiz ticken die Uhren bekanntlich langsamer, und so kommt die erste Folge des in Luzern spielenden Krimis schlappe vier Monate zu spät. Die Kulturchefin des Schweizer Fernsehens, Nathalie Wappler, hatte "Wunschdenken" in mehreren Punkten als mangelhaft bezeichnet und eine Überarbeitung gefordert. Die Geschichte sei kompliziert erzählt, enthalte Klischees und lasse lokale Atmosphäre vermissen, waren damals Wapplers Kritikpunkte.

Jetzt ist die Folge für gut befunden worden und wird am Sonntagabend zur gewohnten "Tatort"-Zeit um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Viel geändert werden musste letztlich nicht. "Wir haben ein wenig nachgedreht, nicht umgeschnitten und einiges in der Mischung und Synchronisation geändert", sagt Stefan Gubser, Co-Produzent und Hauptdarsteller, im stern.de-Gespräch. Auch wenn er die Kritik damals nicht geteilt hat, sieht er es inzwischen locker: "Was für den einen ein Klischee ist, ist für den anderen eine Eigenart. Ohne Kritik entwickelt man sich nicht weiter."

Gubser, Jahrgang 1957, gehört zu den besten Schauspielern der Schweiz. Seine Ausbildung absolvierte er am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Er spielte zunächst an renommierten Häusern, darunter dem Burgtheater in Wien oder dem Residenztheater in München. Seinen Durchbruch beim Fernsehpublikum schaffte er 1988 als Kommissar Bernauer in der Krimireihe "Eurocops".

Wechsel nach Luzern

Auch den "Tatort"-Zuschauern ist Gubser bekannt: In seiner Rolle als Kommissar Reto Flückiger hatte er bereits drei Auftritte an der Seite der von Eva Mattes gespielten Hauptkommissarin Klara Blum im Bodensee-"Tatort". Zwischen den beiden bahnte sich im Film sogar eine Romanze an, doch damit ist es jetzt vorbei: Flückiger hat sich von der Schweizer Seepolizei zur Kripo Luzern versetzen lassen.

Schon als kleiner Junge hat Gubser heimlich "Tatort" mit Sieghardt Rupp als Zollfahnder Kressin gesehen und davon geträumt, selber einmal Kommissar zu werden, wie er im Gespräch sagt. "Augen auf bei deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen", sein augenzwinkerndes Fazit.

In Luzern tritt der von Gubser gespielte Reto Flückiger seinen neuen Job als Leiter der Fachgruppe "Leib und Leben" an. Vorher will er eigentlich noch auf dem Vierwaldstättersee segeln, doch wie das bei TV-Krimis so ist, hält ihn eine Leiche vom wohlverdienten Urlaub ab. Zusammen mit seiner amerikanischen Kollegin Abby Lanning, die gerade ein Austauschprogramm mit der Luzerner Polizei absolviert, ermittelt Flückiger - und hat Klara Blum schnell vergessen.

Kritik an Sofia Milos

Abby Lanning wird von Sofia Milos gespielt, bekannt aus der US-Serie "CSI: Miami". An dieser Besetzung hatte die Kulturchefin des Schweizer Fernsehens ebenfalls Kritik geübt: Sie halte Milos neben Gubser für ungeeignet. Auch Markus Imboden, der Regisseur der Folge, äußerte sich sehr kritisch über die Schauspielerin: "Niemand konnte ahnen, dass sie ein völlig anderes Verständnis von Krimi hat." Milos sei es am Set in erster Linie darum gegangen, gut auszusehen, sagte Imboden der "Berner Zeitung".

Dem widerspricht Stefan Gubser: "Es war in jeder Hinsicht eine tolle Bereicherung, mit ihr zu arbeiten. Sie ist eine äußerst professionelle und warmherzige Kollegin", sagte er stern.de. In jedem Fall wird sie im nächsten Luzern-"Tatort" nicht mehr dabei sein. Das habe aber nichts mit ihrer Qualität zu tun: "Sie war aus zeitlichen Gründen nur für eine Folge engagiert", so Gubser.

Noch Luft nach oben

Trotz der Querelen um die erste Folge ist ihm der Spaß noch lange nicht vergangen: "Um Himmels Willen, wo käme ich da hin, wenn ich bei der kleinsten Unstimmigkeit den Bettel hinschmeißen würde", sagt Gubser. "Ich lebe nach dem Motto: Was mich nicht umhaut, macht mich stärker."

Und so wird es weitere Fälle aus Luzern geben - deren Umsetzung hoffentlich weniger kompliziert verläuft. Der erste Fall ist im Großen und Ganzen gelungen, aber durchaus noch steigerungsfähig. Zwei Folgen pro Jahr sind geplant.

Die Luzerner "Tatort"-Folge "Wunschdenken" läuft am Sonntag, 14. August, um 20.15 Uhr im Ersten

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