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Wie der kaukasische Kreidekreis die Mörderin überführte

Zwei Frauen behaupten, die Mutter von Jonas zu sein. Doch welche ist die Richtige? Die Dortmunder Ermittler Faber und Boenisch stellten im "Tatort" eine Falle - und bedienten sich dabei eines Werkes von Bertolt Brecht.

Tatort Kaukasischer Kreidekreis

Zwei Frauen behaupten im Tatort "Hundstage", die Mutter von Jonas zu sein: Judith Stiehler (Anne Ratte-Polle, l.) und Eva Dehlens (Maren Eggert, 3.v.l.). Die Kommissare Peter Faber (Jörg Hartmann, 2.v.l.) und Martina Bönisch (Anna Schudt, r.) stellen ihnen eine Falle.

Die Lektüre der alten Klassiker verleidet so manchem die Schulzeit, wirft sie doch immer wieder die Frage auf: Wozu muss ich das kennen? Die ""-Folge "Hundstage" gab am Sonntagabend zumindest eine Antwort: Damit ich Mörderinnen überführen kann. Die Dortmunder Ermittler Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) bedienten sich einer von Bertolt Brecht entlehnten List, um ihren Fall aufzuklären.

In dem 1948 uraufgeführten Bühnenstück "Der kaukasische Kreidekreis" hat Natella im Bürgerkrieg auf der Flucht ihr Kind zurückgelassen, weil ihr Kleider wichtiger sind. An ihrer statt kümmert sich die Magd Grusche um das Kind. Nach Ende des Krieges fordert Natella nun ihr Kind zurück, doch Grusche erhebt selbst Anspruch: "Es ist meins: Ich hab's aufgezogen!" Der Dorfschreiber muss den Fall klären - und wendet einen Kniff an: Das Kind wird in einen Kreidekreis gestellt, beide Frauen sollen es aus dem Kreis an sich ziehen. Die wahre Mutter werde die größere Kraft haben.

"Tatort" mit Parallelen zu Brecht

Während Natella nun mit aller Macht an dem Kind reißt, lässt Grusche aus Mitleid los - und bekommt gerade deshalb Recht. Denn sie liebt ihr Kind so sehr, dass sie lieber verzichtet, als ihm Schmerz zuzufügen.

Ganz ähnlich sind und Boenisch verfahren: Jonas ist der leibliche Sohn von Eva Dehlens (Maren Eggert), wurde aber von Judith Stiehler (Anne Ratte-Polle) groß gezogen. 

Die Dortmunder Ermittler wollen herausfinden, welche der beiden Frauen Max Dehlens ermordet hat. Dazu belasten sie Jonas. Ihr Kalkül: Die liebende Mutter wird sich selbst der Tat bezichtigen, um den Sohn zu schützen. Während die wahre Mörderin sich bedeckt halten wird.

Genauso kommt es: Eva Dehlens nimmt es reglos hin, dass ihr Sohn der Tat bezichtigt wird. Damit macht sie sich in den Augen der Ermittler schuldig. Das ist noch kein gerichtsfester Beweis. Doch der wird kurz darauf gefunden. Der Fall ist gelöst.


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