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Tödliche Castingshows

"Tatort" trifft auf Castingshow: Udo Hausberger, eine Art österreichischer Dieter Bohlen, wird ermordet. Die Wiener Ermittler tappen durch ein Gestrüpp aus wirtschaftlicher, künstlerischer und sexueller Ausbeutung.

Tatort aus Wien

Die Wiener "Tatort"-Ermittler Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ermitteln im Fall eines ermordeten Musikproduzenten.


"Es gibt kein richtiges Leben im falschen", lautet ein berühmtes Diktum von . Viele sehen in den vielen Castingshows einen guten Beleg für diesen Satz: Teilnehmern werde hier die Erfüllung ihrer Träume von Ruhm und Künstlertum suggeriert, doch in Wahrheit würden sie ausgepresst und schnell weggeworfen. Denn im nächsten Jahr gibt es eine neue Staffel, wo wieder jede Menge junge Talente auf die große Chance hoffen. Auch für Zuschauer ist es ein großer Schwindel: Sie bekommen hier die Geburt von "Stars" vorgekaukelt, die nie welche werden und nach einer Saison schon vergessen sind.

In der ""-Folge "Sternschnuppe" endet das Geschäft mit den Träumen junger Menschen sogar tödlich - allerdings für Udo Hausberger. Der Musikproduzent und Juror einer Castingshow, eine Art österreichischer Dieter Bohlen, wurde in seiner Villa tot aufgefunden. Er war nackt, um seinen Hals hing ein Strick. Vor seinem Ableben hatte er offenbar SM-Sex. Er wurde jedoch nicht versehentlich beim Liebesspiel stranguliert, die Todesursache ist eine andere: Hausberger ist an einem Songtext buchstäblich erstickt. In seiner Luftröhre steckten die Lyrics zu einem Lied, das beim bevorstehenden Finale von "Sing your Song" gesungen werden soll.

"Tatort" im "DSDS"-Milieu

Und so führt der Mordfall die beiden Wiener "Tatort"-Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) mitten in die Castingshow-Branche: Zwischen ambitionierten Müttern, hoffnungsvollen Jungtalenten und gescheiterten Sternchen gibt es jede Menge Kandidaten, die ein Mordmotiv hätten. Denn Udo Hausberger hat die Teilnehmer brutal ausgebeutet: Wer bei ihm unterschreibt, muss nicht nur einen Großteil seiner Einnahmen abführen, sondern sogar die Rechte an selbst komponierten Songs abtreten. Und genau so eine Eigenkomposition steckte in Hausbergers Hals und führte zu seinem Tod. Daneben beutete der Produzent seine Kandidaten gerne auch sexuell aus - der Kreis der potenziellen Täter ist groß. Nicht einfach, für die mit sich selbst beschäftigten Ermittler, da den Überblick zu behalten.

"Sternschnuppe" (Buch: Uli Brée, Regie: Michi Riebl) greift das Sujet mitunter arg holzschnittartig auf. Die TV-Produzenten sind hier zynisch bis auf die Knochen, die jungen Sänger allesamt naive Künstlerseelchen, die früher oder später verbittert enden werden. Auch wenn darin viel Wahres steckt: Ein bisschen weniger Klischee hätte der Geschichte gut getan.

Dafür entschädigt dieser Fall mit exzellenten Wortgefechten zwischen den beiden Ermittlern, die beide einsam sind und sich auf eine merkwürdige Art gegenseitig belauern. Als Running Gag zieht sich Bibi Fellners Theorie durch den Fall, das Auto spiegele den Sexualpartner wider. Dies bestätigt sich auf eigentümliche Art: Als die Ermittlerin bei einer wilden Knutscherei gestört wird und sie an den Tatort fahren muss, springt ihre Höllenmaschine nicht an. Der röhrende Motor als Symbol für einen Orgasmus - das lässt nur einen Schluss zu: Offenbar gibt es auch für Autos kein richtiges Leben im falschen.

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