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Kantig, humorvoll, relevant: Darum lohnt sich der Krimi aus Berlin

Tolle Dialoge, relevantes Thema, starke Schauspieler: Der Berliner "Tatort" macht diese Woche einiges richtig. Warum es sich lohnt, zu Kommissar Karow und Rubin einzuschalten.

Tatort Berlin

Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) ermitteln in einer Neuköllner Schule 

Worum geht's?

Ein Ring am Finger ist alles, was vom Berliner Lehrer Enno Schopper übrig bleibt: Die Kommissare Karow (Mark Waschke) und Rubin () finden seine verbrannte Leiche in einem Berliner Schrebergarten. Alles deutet auf ein Gewaltverbrechen hin - womöglich aus homophobem Motiv. Denn Schopper, der mit dem reichen Erben Armin Berlow verpartnert war, wurde von seinen Schülern bedroht. "Erst die Schwuchtelkarre, dann die Schwuchtel!", hieß es, als Schoppers Wagen vor einiger Zeit in Flammen stand. Allerdings wurde der Lehrer einen Tag vor seinem Tod vom Dienst beurlaubt. Angeblich sei er mit seinem 17-jährigen Zieh-Sohn Duran (Justus Johanssen) beim Sex erwischt worden. Der Junge stammt aus schwierigen Verhältnissen, Schopper und Berlow nahmen ihn bei sich auf. Doch plötzlich ist Duran verschwunden - und Rubin und Karow sind mittendrin in einem verwirrenden Geflecht aus Vorurteilen, Schuld und Liebe.

Warum lohnt sich dieser ""?

Eine Brennpunktschule in Neukölln, vernachlässigte Migranten-Kinder, homophobe Angriffe in der toleranten Hauptstadt - der Berliner "Tatort" geht dorthin, wo es weh tut. Trotzdem kommt der Krimi nicht mit erhobenem Zeigefinger daher, sondern schafft es, Vorurteile offen anzusprechen und über weite Strecken die Spannung zu halten. Das liegt unter anderem daran, dass der Zuschauer immer wieder Wissensvorsprung vor den Kommissaren bekommt. Die flapsigen Wortwechsel zwischen den beiden und zahlreiche kleine, trockene Kommentare sorgen außerdem für eine Prise Humor. "Amour Fou" kommt auch zugute, dass die komplizierte Hintergrundgeschichte von Karow in der vergangenen Folge aus  endlich fertig erzählt wurde. 


Was nervt?

Fast nichts - außer vielleicht die etwas zu betont geratene Emotionalität und Intellektualität, die Witwer Berlow, übrigens großartig gespielt von Jens Harzer, zur Schau trägt. Denn das bedient auch ein Klischee: Nur weil ein Mann französische Literatur liest, ist er noch lange nicht schwul.

Die Kommissare?

Können beide nicht aus ihrer Haut. Rubin hat sich eigentlich mit ihrem Mann versöhnt, wohnt jetzt wieder mit der kompletten Familie zusammen - und bricht vorher doch noch einmal zu einer letzten Partynacht auf. Karow kann das Stänkern nicht lassen, ist seiner Kollegin gegenüber immer noch nicht ehrlich und wirkt wie ein Getriebener. 

Ein- oder ausschalten?

Einschalten! Die Berliner sind kantig, humorvoll, relevant und haben am Pfingstmontag sogar eine überraschende Wendung zum Schluss mit im Gepäck.


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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo