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TV-Kritik

Mord im Musikantenstadl: Das kann das neue "Tatort"-Team aus Dresden

In Dresden steht ein neues Ermittler-Team am Start: Und das ist weiblich, witzig und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Ihr erster Fall führt sie in die Volksmusik-Szene. Was der neue "Tatort" taugt, lesen Sie im Schnellcheck.

Tatort Dresden

Das sind die Neuen in Dresden: Kommissarin Sieland (Alwara Höfels) und Kommissarin Gorniak (Karin Hanczewski).

Worum geht's in diesem "Tatort"?

Von Leipzig nach Dresden: Die Sachsen haben ein neues Ermittlerteam. Die Kommissarinnen Karin Groniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) müssen sich mit dem ewig-gestrigen Macho-Kommissariatsleiter Peter Schnabel (Martin Brambach) umherschlagen und sich um die junge Polizeianwärterin Maria Mohr (Jella Haase) kümmern. Ihr erster Fall führt sie in die Volksmusikszene: Bei den Proben zur Unterhaltungsshow "Hier spielt die Musik" wird der lokale Schlagerstar Toni ermordet aufgefunden. Seine Gesangspartnerin Tina (Alexandra Findler) wirkt verzweifelt, der langjährige Manager Rollo (Hilmar Eichhorn) ebenfalls. Wer profitiert vom Tod des Sängers? Dieses Geheimnis führt die Ermittlerinnen auf die richtige Spur.

"Tatort" einschalten lohnt sich, weil ...

... der MDR mit diesem "Tatort" überraschend viel Selbstironie beweist - schließlich gehören die Heile-Welt-Volksmusiksendungen zum regulären Programm des Ost-Senders. Die Szene wird genüsslich ausgeschlachtet: Stefan Mross hat einen kleinen Gastauftritt, der verstorbene Achim Mentzel kommt kurz auf einer Autogrammkarte vor. "Wer braucht New York, wenn er auch Zwickau haben kann", singen zwei Dirndl-Sächsinnen gut gelaunt auf der Bühne - und es ist gar nicht so abwegig, dass es diesen Song wirklich gibt. Tut es aber nicht. Sämtliche Lieder wurden speziell für den "Tatort" geschrieben. "Wenn 'Mein Sachsen' nicht das neue 'Atemlos' wird, bin ich persönlich enttäuscht", scherzt der Drehbuchautor Ralf Husmann, der unter anderem hinter der Erfolgsserie "Stromberg" steckt.  Seinen spitzen Dialogen ist es zu verdanken, dass es Spaß macht, den Dresdnern zuzuschauen. Vor allem Brambach als überforderter Chef, der sich nach der guten alten Zeit sehnt, darf herrlich politisch unkorrekt sein. Toll auch Jella Haase als naive und übereifrige Polizeianwärterin Maria mit Perlenohrringen und Kaffee-Faible  - eine Chantal aus gutem Elternhaus sozusagen.

Was stört am Dresden-"Tatort"?

Dass immer wieder darauf rumgeritten wird, dass hier zwei Frauen ermitteln. Die müssen breitbeinig gehen, immer einen coolen Spruch auf der Lippe und die Hände in den Hosentaschen haben. Das nervt. Es wäre viel stärker, wenn die Hauptdarstellerinnen nicht so gezwungen und betont emanzipiert dargestellt wären. Außerdem ist es ziemlich unglaubwürdig, dass in Dresden offenbar wirklich jeder Mann ein Problem mit Frauen zu haben scheint. Manchmal wird es auch arg klamaukig, etwa wenn Sieland und Gorniak den dümmlich dargestellten IT-Experten schlecht anflirten, um an ihr Ziel zu kommen. Ziemlich platt ist auch die Ossi-Karikatur eines Schlager-Fans mit schlechtem Geschmack und falschen Zähnen. So stellen sich das nur Wessis vor.

Die Kommissare:

Wer es nicht mag, wenn viel Privates der Kommissare im "Tatort" mitspielt, der ist in Dresden falsch. Zumindest in der Kennenlern-Folge geht's ganz schön viel um persönliche Probleme. Henni Sieland finanziert mit dem Beamten-Gehalt ihren Fotografen-Freund und wünscht sich Kinder mit ihm - doch es will einfach nicht klappen. Vielleicht auch, weil Sieland sowieso meist gedanklich im Büro ist. Ihre Kollegin Karin Gorniak hat als alleinerziehende Mutter Probleme mit ihrem pubertierenden Sohn - will sich das jedoch auf keinen Fall anmerken lassen. Sie ist die Härtere von beiden, weist auch Polizeianwärterin Maria streng zurecht, als diese einen Fehler macht. Tatsächlich ist das Duo Gorniak/Sieland das erste rein weibliche Ermittler-Team in der "Tatort"-Geschichte.

"Tatort" ein- oder ausschalten?

Einschalten! Es lohnt sich auf jeden Fall, das neue Team aus Dresden kennenzulernen und lustig wird es auch. Der "Tatort" aus Münster hat definitiv Klamauk-Konkurrenz bekommen.

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