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Boerne und Thiel machen Schluss mit megalustig

Der "Tatort" aus Münster war erfolgreich wie umstritten - angeblich sogar bei den Darstellern. Während der WDR lieber die nächste Folge preist, übt sich der Drehbuchautor in Selbstkritik.

Von Niels Kruse

  Flucht mit Kot am Körper - so sahen zwölf Millionen Menschen "Tatort"-Star Jan Josef Liefers, aber nicht jeder fands lustig.

Flucht mit Kot am Körper - so sahen zwölf Millionen Menschen "Tatort"-Star Jan Josef Liefers, aber nicht jeder fands lustig.

Im Nachhinein verraten die zahllosen Interviews, die die beiden "Tatort"-Münster-Stars anlässlich der Episode zu ihrem zehnjährigen Jubiläum gegeben haben viel mehr, als den Machern lieb sein kann. "Der aktuelle Fall ist schon ziemlich speziell", merkte etwa Frank Thiel-Darsteller Axel Prahl diplomatisch in der "Osnabrücker Zeitung" an. Und wird in der "Augsburger Allgemeinen" deutlicher: "Das rechte Maß an Humor zu finden ist eine Kunst, die niemand beherrscht." Kollege Jan Josef Liefers gibt zu Protokoll, dass einige Drehtage länger gedauert hätten, weil "wir uns selber so über unsere eigenen Witze beeumelt haben". Glaubt man anderen Beteiligten der neusten Folge, dann war bei der Produktion von 'Wunder von Wolbeck' mit dem Beeumeln Schluss.

Die "Bild"-Zeitung zitiert nicht weiter benannte "Produktionskreise", dass selbst den spaßgestählten Schauspielern einige Szenen zu peinlich gewesen seien und sie sie nur unter Protest gespielt hätten. Auf die Frage, ob er sich manchmal weniger Klamauk wünschen würde, antwortet Professor-Boerne Darsteller Liefers mit einem "Ja", wenn es an ernstzunehmenden, menschlichen Situationen mangele und man nur zwanghaft Gags verbraten wolle. Zusammengefasst lesen sich die Äußerungen von Prahl und Liefers nicht so, als seien sie sonderlich überzeugt von der Jubiläumsfolge gewesen.

Eine Folge, umstritten wie nur selten

Auch das Publikum ist angesichts des Pipi-Kacka-Humors gespalten. Zwar war der "Tatort" mit 12,11 Millionen Zuschauern der meist gesehene seit 1993, doch selten fielen die Reaktionen so harsch aus wie diesmal. In einer Abstimmung befinden mehr als Zweidrittel aller stern.de-Leser den Münsteraner Fall für zu klamaukig. "Zwischen sehr gut und sehr schlecht gibt es fast nichts", sagte Wolfgang Stauch stern.de über die Reaktionen. Der Mann verfolgt die Diskussion besonders aufmerksam, denn er ist der Drehbuchschreiber der Folge. "Ursprünglich sollte der Fall ein Krimidrama mit Mitteln der Komödie werden", so der Autor, der bereits eine Reihe von Büchern für den "Tatort" als auch für den angesehenen Rostocker "Polizeiruf" geschrieben hat. Aber so eine Vorlage verändere sich auch über die verschiedenen Fassungen, vielleicht seien nun einige Krimi/Drama-Elemente ein wenig zu kurz gekommen.

Dass sein Drehbuch bis zu viermal umgeschrieben werden musste, wie die "Bild"-Zeitung schreibt, ist dabei nicht das Problem gewesen, drei bis acht Fassungen seien ganz normal. Stauch selbst räumt ein, dass sein Drehbuch einige Längen gehabt und es vielleicht zu viele Figuren gegeben habe. Zudem werde besonders am Münsteraner Set "auch immer mal ein bisschen improvisiert" und "der Regisseur bringt ja auch noch mal seine eigene Farbe und Ideen rein", sagt der Autor. Offenbar wollten es die "Tatort"-Macher zum Zehnjährigen besonders gut machen - und sind dabei übers Ziel hinausgeschossen.

WDR preist lieber schon die nächste Episode

Beim verantwortlichen Sender WDR will man sich gar nicht so sehr über die Münsteraner Eskapade äußern, sondern lieber in die Zukunft schauen. "Umstritten ist die Folge höchstens in den Umfragen", sagte Sprecherin Barbara Feiereis stern.de, um im schönsten Medienmarketingsprech auf den nächsten Thiel-Boerne-Fall hinzuweisen. Der werde im Frühjahr laufen, Roland Kaiser spielt einen alternden Schlagerstar. "Und die Episode wird wieder eine ganz andere Farbe haben."

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