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15. Dezember 2008, 15:21 Uhr

Schauspieler Horst Tappert ist tot

Durch seine Rolle als Fernsehkommissar "Derrick" ist Horst Tappert weltberühmt geworden. 281 Mal hat er im ZDF den Oberinspektor gemimt, in 108 Länder wurde die Serie exportiert. Jetzt ist der Schauspieler im Alter von 85 Jahren in einer Münchner Klinik gestorben.

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Seinen 85. Geburtstag feierte Horst Tappert im Münchner Restaurant "Seehaus"© Johannes Simon/DDP

Mit "Derrick" schrieb Schauspieler Horst Tappert Fernsehgeschichte: 281 Mal spielte er in der ZDF-Krimiserie den Münchner Oberinspektor Stephan Derrick, ganze 24 Jahre, kein anderer hat in Deutschland so lange einen TV-Kommissar verkörpert. Am Ende war der 85-jährige Schauspieler ein Pflegefall. Diabetes setzte ihm zu, beim Gehen musste er gestützt werden. Jetzt starb Horst Tappert in einer Münchner Klinik. Bis zuletzt war Ehefrau Ursula, 78, an seiner Seite. "Es ist traurig, aber jetzt hat er seine Ruhe. Mein Mann hatte ein erfülltes Leben", erklärte Ursula Tappert gegenüber dem Magazin "Bunte".

Bevor Horst Tappert als Ermittler durchstartete, übte er sich zunächst in der Rolle des Bösen. Als Posträuberchef Michael Donegan hatte er in dem ZDF-Dreiteiler "Die Gentlemen bitten zur Kasse" erste Erfolge, bevor er in etlichen Edgar-Wallace-Verfilmungen Inspector Perkins vom Scotland Yard mimte.

Dabei kam Tappert eher zufällig zum Schauspiel: Geboren im heutigen Wuppertal als Sohn eines Beamten absolvierte er zunächst eine Lehre als Kaufmann. Nach dem Krieg, er hatte als Soldat der Wehrmacht gedient, arbeitet er zur Aushilfe in einem Theater in Stendal. Ohne Ausbildung wurde er einfach auf die Bühne geholt. Später nahm er dann noch Schauspielunterricht und tingelte durch etliche Theater, bevor er beim Fernsehen landetet.

Den großen Durchbruch brachte im die TV-Serie "Derrick": Am 20. Oktober 1974 lief die erste Folge. Es war keine Liebe auf den ersten Blick beim deutschen Publikum, sondern entwickelte sich langsam und gemächlich, in einer Welt jenseits von sofortigem Quotendruck, zum Exportschlager des ZDF. In 108 Länder wurde "Derrick" ausgestrahlt, der Sender erwirtschaftete mit den Lizenzen zehn bis 15 Prozent seines Exportvolumens.

Dreamteam Stephan Derrick und Harry Klein

Jenseits von Action und Gewalt ermittelte Stephan Derrick im privaten Milieu, gerne in den Villen der Münchner Oberschicht in Bogenhausen oder Grünwald. Meist wurde aus Eifersucht und Geldgier gemordet, und eines der Familienmitglieder oder nähere Bekannte waren die Täter. Seine stoische Gelassenheit zeichneten Derrick aus, seine kühle Analyse führte ihn immer zum Erfolg. Treu an seiner Seite war Assistent Harry Klein, gespielt von Fritz Wepper. Der berühmte Ausspruch "Harry, hol den Wagen" ist in der Serie allerdings nie so gefallen, sondern wurde Tappert von Harald Schmidt in einer Show nachträglich in den Mund gelegt.

Ende 1997 verabschiedete sich Tappert dann von seiner Rolle als Derrick. Er spielte noch in einigen anderen Fernsehfilmen, bevor er 2003 endgültig in den Ruhestand trat. Von da an widmete er sich fast ausschließlich seiner Frau Ursula, gab kaum mehr Interviews, mied öffentliche Auftritte. Stattdessen fuhren die beiden gerne nach Norwegen, wo sie ein Häuschen besaßen. Seit 1957 war er in dritter Ehe mit Ursula verheiratet. Aus seinen beiden ersten Ehen stammten die Kinder Karin, Ralph und Gary, der allerdings 2001 an plötzlichem Organversagen verstarb.

kbu mit AP
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Necros (16.12.2008, 07:45 Uhr)
@SethusCalvisius
Glauben Sie wirklich, dass die Nachrufe für den Darsteller aus "Das Kriminalmuseum" oder "Die Rechnung -eiskalt serviert" erfolgen? Am liebsten würde doch jede Zeitung "Derrick ist tot" schreiben, Tapperts Persönlichkeit oder sonstige Karriere bleibt doch sehr im Hintergrund. Und ob es lächerlich ist, über eine Serie zu schreiben, die über Jahrzehnte ein höchst konservatives Weltbild verbreitet hat... Das sehe ich halt anders. Damit sei es von meiner Seite aus genug.
SethusCalvisius (15.12.2008, 23:54 Uhr)
@necros
Kleine Nachhilfe:
Tappert war schon ein sehr erfolgreicher Schauspieler, bevor er mit 50 Jahren, quasi als Altersversorgung die Rolle des Derrick übernahm.
Was die NS-Vergangenheit des Derrick-Autors hier für eine Rolle spielt, ist mir schleierhaft. Bitte machen Sie den notwendigen Kampf gegen rechts nicht mit solchen Äußerungen lächerlich.
Necros (15.12.2008, 21:53 Uhr)
@stwberlin
Schön, den Pressesprecher der Welt kennenzulernen.. Sind Sie durch Abstimmung gewählt worden? ^^ Wie ich bereits schrieb, habe ich keine Probleme mit Horst Tappert, sondern mit der (einzigen?) Rolle, durch die er deutschlandweit bekannt wurde. Und wegen dieser Rolle wird er vom Stern gewürdigt, diese Rolle wird wird inhaltlich von mir kritisiert. Wenn Sie keinen Zusammenhang sehen, ist das wohl eher Ihr Problem.
Und lieber Clibanarius, so eng sehe ich das normalerweise nicht, für hunderprozentige Political Correctness ist das Leben zu kurz. Aber wenn die Vorgeschichte des Autors und gepredigter Konservatismus so eng zusammenstehen, kann man das wohl auch kritisieren.
stwberlin (15.12.2008, 21:33 Uhr)
Welt an Necros
Es ist egal, wer diese Rolle geschrieben hat. Mit diesem Artikel wurde der Mann gewürdigt, der sie überzeugend und nahezu perfekt gespielt hat.
.
Und das vollkommen zurecht !
pheb62 (15.12.2008, 20:12 Uhr)
Hol' schon mal
"Hol' schon mal den Wagen, Harry" - ich würde was darauf wetten daß dieser Satz sehr wohl aus der Serie stammt.
Darüberhinaus würde er in einer Mobilfunkwerbung "prominent" gemacht, in der Derrick dem direkt neben ihm stehenden Klein per Handy diese Anweisung gab - weil es ja SO günstig ist...
Clibanarius (15.12.2008, 19:56 Uhr)
Bei deiner...
...Konsequenz lieber Necros, glaube ich, daß du keinerlei Produkte und Utensilien um dich hast, die mit Nazis und ihrer Zwangsarbeit in Verbindung gebracht werden könnten. Bei der Gelegenheit empfehle ich schon mal die heutige WDR-Sendung "die Story: Das Schweigen der Quandts" um 22 Uhr.
Necros (15.12.2008, 19:20 Uhr)
Naja...
...man kann es auch anders sehen. Nichts gegen Horst Tappert selber, doch seine Paraderolle "Derrick" wurde von einem ehemals überzeugten Nazi geschrieben (der 1945 wundersam Demokrat wurde), war für viele junge Menschen eine Ausgeburt von Spießigkeit, Vorurteilen und (vorsichtig ausgedrückt) gewissen Vorbehalten gegenüber ausländischen Mitbürgern. Wer Zeit und Muße hat, möge sich die Folgen auch unter diesem Gesichtspunkt anschauen. Horst Tappert ruht hoffentlich in Frieden und Derrick fortan in den Fernseharchiven.
Clibanarius (15.12.2008, 17:24 Uhr)
Und wieder...
...geht eine Legende der TV-Kultur von uns. Ruhe in Frieden, Horst Tappert. Wird bald Zeit, daß der ÖR alle Derrick-Folgen der Reihe nach wieder sendet. Denn einen Derrick II. kann es nie geben.
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