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ZDF manipuliert Bilder im "heute Journal"

Nachdem das ZDF die Uefa wegen manipulierter Bilder von Jogi Löw bei der EM stark kritisiert hatte, nimmt es das "heute Journal" selbst mit Bildern Jürgen Trittins im Bundestag nicht so genau.

  Jürgen Trittin reißt sich das Hemd auf. Diese falsch platzierten Bilder sendete das "heute Journal" im ZDF am Donnerstag.

Jürgen Trittin reißt sich das Hemd auf. Diese falsch platzierten Bilder sendete das "heute Journal" im ZDF am Donnerstag.

Jürgen Trittin schwingt jubelnd die rechte Faust und lacht. Dann öffnet er einen Knopf seines Hemdes, schiebt die Krawatte zur Seite und reißt sein Hemd auf, so dass sein Unterhemd zu sehen ist. "Wenn Steinbrück Attacke reitet, jubelt die Opposition", heißt es aus dem Off. Und weiter: "Aber die Bilder täuschen. Bis heute hat die SPD Merkels Eurokurs gestützt". Zu sehen war diese Szene, in der der Grünen-Fraktionschef wild gestikulierend offensichtlich auf eine Rede Peer Steinbrücks reagiert, am Donnerstag im "heute Journal" des ZDF. Thema des Berichts war der erste Schlagabtausch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Steinbrück am Donnerstag im Parlament. Wie zweideutig der Satz über die täuschenden Bilder ist, stellte sich wenig später heraus. Denn diese Szene hat so nicht stattgefunden. Tatsächlich reagierte Trittin in dieser Form auf die Rede von Rainer Brüderle (FDP), berichtet der "Focus". Brüderle hatte Trittin attestiert, dass er unter "feinen Zwirn" doch "immer noch das Mao-Jäckchen" trage. Die Bilder Trittins wurden vom ZDF jedoch so in den Bericht montiert, dass der Zuschauer den Eindruck hatte, Trittin würde sich während des Auftritts von Steinbrück so verhalten.

Auf Anfrage des Magazins räumte das ZDF den Fehler ein. Die Leiterin der Redaktion des "heute journals", Anne Reidt, erklärte per E-Mail: "Autor und Redaktion bedauern die ungenaue und deshalb fehlerhafte Bildauswahl. Wir haben den Beitrag aus der Mediathek des ZDF entfernt". Tatsächlich ist dieser Beitrag jedoch noch in der Mediathek des ZDF zu finden - Stand Sonntagnachmittag. ZDF-Intendant Thomas Bellut und Chefredakteur Peter Frey wollten auf Anfrage des "Focus" keine Stellung nehmen.

Ansehen und die Glaubwürdigkeit in Gefahr

Es ist erst wenige Monate her, dass das ZDF diese Art von TV-Manipulation scharf kritisierte. Bei der Europameisterschaft hatte die Uefa im Sommer bei einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft Bilder von Jogi Löw in die Übertragung hineingeschnitten, die ihn locker scherzend mit einem Balljungen am Spielfeldrand zeigten. Tatsächlich waren die Bilder bereits vor dem Spiel entstanden und ohne Kennzeichnung während der Live-Übertragung gesendet. Damals zeigte sich ZDF-Chefredakteur Frey empört über die Methoden der Uefa: "Das entspricht nicht unseren journalistischen Standards." Intendant Bellut fürchtete, dass das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender durch derartige Manipulationen beschädigt würden. Nun hat das ZDF selbst auf diesen dramaturgischen Kniff zurückgegriffen.

kmi
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