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4. Juli 2008, 11:08 Uhr
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Der ganz normale Ehe-Wahnsinn

Sarah Connor und Marc Terenzi sind zurück. Das Promipärchen macht sich mit seiner TV-Doku "Sarah & Marc Crazy in Love" auf dem Bildschirm so breit wie Schwiegereltern beim Sonntagnachmittagskaffee - und das kann bisweilen unerträglich werden. Von Sylvie-Sophie Schindler

In acht Folgen von "Sarah & Marc In Love" lassen Connor und Terenzi die Zuschauer an ihrem Leben zwischen Kindern und Karriere teilhaben© Bernd Obermann/ProSieben

Thomas Gottschalk ist wenigstens fair. Handelt es sich bei der Durchführung einer Wette um eine Angelegenheit, die fast so gefährlich ist wie zu Party-Luder Paris Hilton ins Auto zu steigen, dann spricht er stets väterliche Warnungen aus, insbesondere an das minderjährige Publikum. Die lauten dann ungefähr so: "Bitte liebe Kinder zuhause vor den Bildschirmen: nicht nachmachen." In der restlichen TV-Landschaft hält man es eher mit dem Laissez-Faire-Stil. Sollen die Kinder doch glotzen, glotzen bis sie ihre heraus gefallenen Augen wieder eigenhändig aufsammeln müssen, und wenn sie Bock drauf haben, bitteschön, sollen sie imitieren, was und wen sie wollen.

Wer Vater einer spätpubertären Tochter ist und ihr gestern nicht rechtzeitig die Fernbedienung aus der Hand gerissen hat, der musste riskieren, dass sie sich den 90minütigen Auftakt der achtteiligen ProSieben-Doku-Soap "Sarah & Marc Crazy in Love" angesehen hat - und sofort ein paar neue Ideen für die Freizeitgestaltung ihres blutjungen Lebens bekommen hat. Beispielsweise: eine stundenlange Shopping-Tour auf mörderhohen High Heels, so wie es Sarah Connor mit ihrer Schwester Anna-Maria in New York praktizierten. Gut, wenn da der Vater Orthopäde ist. Plant die Tochter hingegen, bei ihrem Bummel mal eben 20.150 Dollar für ein Designer-Kleidchen, Schuhe und Ohrgehänge auszugeben, so wie Vorbild Sarah, dann empfiehlt sich für den Vater eher der Job eines Öl-Tycoons.

Um es kurz zu machen: Sarah Connor, 28, und Mark Terenzi, 30, sind wieder zurück. Machen sich einfach auf dem Bildschirm breit wie Schwiegereltern beim Sonntagnachmittagskaffee - keiner hat sie darum gebeten. Wieder lässt sich das singende Ehepaar (Ähnlichkeiten mit Marianne und Michael sind weder zufällig noch vorhanden) von Fernsehkameras ins Leben reinfilmen - wie vor drei Jahren, als die beiden in ihren Hochzeitsvorbereitungen steckten.

Mit 30 in der Midlifecrisis

Übrigens unter großer Anteilnahme des TV-Volkes: in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag der Marktanteil im Durchschnitt bei 20,9 Prozent. Damals hieß das inszenierte Alltags-Theater zwischen Zicken-Gemaule und Zicken-Geknutsche noch "Sarah & Marc in Love", aber nun, heissassa, sollen die Hormone mit den prominenten Turteltauben völlig durchgehen, ein wahres Fest der Endorphine, nun sind sie angeblich "Crazy in Love". Wer spricht da noch von Angelina Jolie und Brad Pitt! Marc ist sogar so verliebt, dass er sich mit seinen bald 30 Jahren in der Midlifecrisis wähnt und das Konzept Familie in Frage stellt. Ein weiteres Indiz für seine unermessliche Liebe: Marc liegt breitbeinig und betrunken auf dem Hotelbett, just als er sich eigentlich stylen soll, um Sarah zu einer Benefizgala zu begleiten. Gut, dass ihn der Alkohol bereits wärmt, denn bei einem Donnerwetter made by Sarah ist es ratsam, sich besonders warm anzuziehen.

Mit seinem Ich-bin-ein-kleiner-Junge-Gehabe reizt Marc in Sarah immer wieder das Gouvernanten-Gen. Die Rollen sind klar verteilt: Marc benimmt sich daneben, Sarah lässt ihm das nicht so einfach durchgehen. Ob sie ihrem Ehemann manchmal einfach den Nachtisch streicht oder ob er ohne Gute-Nacht-Geschichte ins Bett geschickt wird, ist allerdings nicht überliefert. Stattdessen erfährt man andere Details: Sarah liebt Schuhe. Und: Sarah liebt Schuhe. Und noch das: Sarah liebt Schuhe. Offensichtlich eine Familienkrankheit. Sarahs Schwester Anna-Maria geht sogar so weit und küsst ihre soeben erstanden schwarzen Lackpumps. Die Damen jubeln in einer Stretch-Limousine, die sie durch Manhattan kutschiert: "Das ist echtes Sex-In-The-City-Feeling." Da war die Sendung keine zehn Minuten alt. Und der Zuschauer nahe dran an der Versuchung, in den Tiefschlaf-Modus zu schalten.

Schwesternzoff um einen Edel-BH

Wer wach blieb, wurde böse bestraft. Erstens wurde er ständig mit Rückblenden auf die ehemalige Doku vollgestopft. Dann wurde er beispielsweise Zeuge, wie sich Sarah und Schwesterchen Lulu um einen Edel-BH kloppten. Der passende Dialog dazu lässt die Gespräche von Hanni und Nanni so tiefschürfend wirken wie eine philosophische Diskussion zum kategorischen Imperativ. Wenn solche Dialoge tatsächlich inszeniert sind, dann sollte der Drehbuchschreiber statt an den Schreibtisch zum Enten füttern in den Park gehen.

Nächstes Beispiel: gezeigt wird, wie Sarah aus Marcs schlecht imitierten Pumuckl-Schopf ein graues Haar zupft. Dagegen ist das Betrachten von Fischen im Aquarium ein Thriller. Ist das wirklich der Ehe-Alltag von Reichen und Berühmten? Vielleicht. Doch Unterhaltung kann mehr. Unterhaltung ist kein Schimpfwort, sondern für gute Fernsehmacher ein Ehrgeizprojekt. Nur: bei "Sarah & Marc Crazy in Love" geht es eigentlich nicht um Unterhaltung, es geht - keine Überraschung - um Werbung. Und weil es hier nicht um Werbung gehen soll, sei nur soviel gesagt: Marc bewirbt, so ganz nebenbei, von ihm veranstaltete Events, die keiner braucht. Sarah und Mama Soraya machen, ebenfalls so ganz nebenbei - man redet ja nur drüber - Reklame für von ihnen entworfene Strampler. Den Säuglingen dürfte es egal sein. Und, ach ja: Sarah und Marc kommen zeitnah mit ihren neuen Alben auf den Markt.

21.17 Uhr, Marc und Sarah blicken vom Rockefeller-Center auf New York. Euphorie bei Sarah: "Wie geil!" Sentimentalitäts-Anfall bei Marc: "Ich denke daran, in die Staaten zurückzugehen. Das ist meine Heimat. Ich vermisse sie irgendwie. Ich möchte auch, dass die Kinder mehr in den Staaten aufwachsen." Doch aufgepasst, Sarah zeigte nicht, wie sich eine verständnisvolle Partnerin verhält, die "Crazy in Love" ist. Wo kommen wir denn hin, den eigenen Ehemann in seinen Bedürfnissen ernst zu nehmen? Sarah wirkte so beleidigt, als hätte man ihr für die nächsten drei Wochen verboten, Schuhe zu kaufen, setzte ihre Sonnenbrille auf und fuhr sich nervös durch das Blondhaar. Dabei hatte Marc Terenzi doch gute Argumente für seine Heimat: "Es gibt hier mehr Schuhe und Klamotten." Aber vielleicht ist das ja gerade das Beängstigende?

Von Sylvie-Sophie Schindler
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Loewenherz_XL (05.07.2008, 09:10 Uhr)
Tippteufel ;-)
Es muss natürlich heissen "Heutzutage lässt sich die Gruppe der Proletarier noch erweitern"
Loewenherz_XL (05.07.2008, 09:08 Uhr)
@najaundso, kleine Verwechslung
Bitte nicht Prolet und Proletarier verwechseln. Zwar wurde der Begriff im vorletzten Jahrhundert von dem allgemeinen Proletarier abgeleitet. Nun hat dieser Begriff aber seit langem eine Bedeutungsverschiebung erfahren. Heutzutage wird Prolet oder auch Proll oder Prolo, umgangssprachlich als diskriminierende Bezeichnung verwendet für Menschen, deren Umgangsformen und Lebensstil von Dritten als unkultiviert interpretiert werden.
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Der Begriff Proletarier hingegen definiert seit Marx das klassische Arbeitermilieu. Und ist mit Sicherheit nicht als Schimpfwort zu werten. Zeit und Sprache sind im stetigen Wandel. Heutzutage lässt sich die Gruppe der Proleten noch erweitern um die stark anwachsende Gruppe der prekär Beschäftigten. Darunter fallen die zu unzumutbaren Niedriglöhnen Beschäftigten, die ausgebeuteten Zeitarbeiter, Kombilöhner und 1€-Jobber.
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Und wenn die Entwicklung so weiter geht, wird auch die Jetzt-Noch-Mittelschicht, bald den Proletariern angehören. Also statt des Regierungsmottos „Auch Du bist Deutschland“ heisst es dann zukünftig „Auch du bist Proletarier“
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War das jetzt zu inhaltsvoll für eine Unterhaltungsseite ;-)
najaundso (04.07.2008, 16:32 Uhr)
@topolina
ich kann dir nur zu 100% recht geben und bin darüber höchst erfreut.
das interessante an der ganzen bildungselite ist ja immer, dass sie sachen verwerflich finden, die sie selbst sehen bzw. lesen. ich glaub es liegt daran, dass sie ihren eigenen ansprüchen nicht gerecht werden und sich deswegen über das "proletariat" erhöhen müssen. wobei mir selbst noch nicht einmal klar ist, was schlimm daran ist ein arbeiter zu sein? :o)
Clamaria (04.07.2008, 16:05 Uhr)
So ein langer Artikel
für so einen Quatsch; der Papst bekäme keinen längeren spendiert, wenn er hier zu Besuch weilen würde. Geben Sie es zu, Stern: Sie machen für diesen Schwachsinn Reklame. Genau wie für diese beiden dummen Hühner auf dem Lande, über die wir unlängst auch ausführlichst hier lesen durften.
topolina (04.07.2008, 15:37 Uhr)
@exiled/palatine
Wie schön, wenn mann sich zufrieden auf seinem Bürostühlchen zurücklehnen kann, um auf das vermeintliche Proletariat herabzuschauen bzw. sich in bräsiger Selbstzufriedenheit an der eigenen vermeintlichen Intellektualität (...) zu ergötzen. Hach, kann man sich's im Leben schön machen!
Schnaafpaaf (04.07.2008, 12:43 Uhr)
Nein, ich habe diesen
Brechkäseschwachsinn nicht gesehen und werde es auch nicht tun; nicht mal unter Zuhilfenahme einer größeren Menge Alkohols.
Vor geraumer Zeit lief bei Pro7 die vierteilige Sensationsserie "Aschenputtel wird Prinzessin" (starring: Prinz Ferfried - "Foffi" - von Hohenzollern und Tatjana Gsell alias Tanja Gick). Das war so eine unbeschreiblich peinliche Scheiße, dass ich fasziniert war und nach der ersten den weiteren Folgen entgegengefiebert habe. Weil ich gedacht habe, das darf nicht wahr sein und eine Bestätigung für meine Wahrnehmung suchte. Und nun dieser belanglos/dämliche/peinliche Schwachsinn mit der Pelikan-nasigen (kann sie nichts für) Trällerlerche aus Delmenhorst und ihrem ebenso unbedeutenden US-Boy. Ich werde der Versuchung widerstehen und mir das Fremdschämen diesmal ersparen. Aber verstehen werde ich nicht, warum solch ein Mist so ein Quotenrenner sein kann. Die Pisa-Studie scheint sich gewaltig geirrt zu haben.
Kathy1144 (04.07.2008, 11:53 Uhr)
Genialer Artikel..
... den offensichtlich nur betroffene Eltern so richtig zu würdigen wissen. Ich zumindest bin der Verfasserin sehr dankbar, weil ich schon dachte, ich allein hätte in der Erziehung alles falsch gemacht. Alle anderen Teenies schauen BR-Alpha :o) Gut zu wissen, dass dem nicht so ist. Also, liebe Frau Schindler, gerne wieder Ihr Kommentar einer Betroffenen...
exiled (04.07.2008, 11:43 Uhr)
@topolina
...ich habe diesen Artikel nicht gelesen. Da reicht das Foto schon aus, und man weiß, was kommt.
...im Übrigen ist mein Job so ungeheuer langweilig, aber besser als gar keiner, denn sonst würde ich mir wahrscheinlich auch solche Scheiße anschauen, vorausgesetzt, ich hätte einen Fernseher.
felixhoffmeyer (04.07.2008, 11:31 Uhr)
Gottes Willen
Ich hätte dem stern echt mehr Niveau zugetraut, als über diese Nobodys zu berichten.
Der stern ist nahedran am Bildzeitungsniveau!
heartlander98 (04.07.2008, 11:28 Uhr)
Augen auf
@johnniedeamonic
Beifall... das hat mich auch erschreckt, Orwell läßt grüßen... derweil funktioniert das Brot-und-Spiele-Schema...
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