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TV-Kritik

Wie geht's, Deutschland? Ganz schön mulmig!

Was treibt die Deutschen um? Wirtschaftlich geht es vielen gut, aber da sind ja noch Terror, Gewalt, Existenzangst. Bei Marietta Slomka im ZDF können Politiker nicht alle Ängste nehmen - nur in einer Frage sind sich alle einig.

Wahl-Debatte ZDF

Hier noch mit Alice Weidel (v.l.n.r.): Katja Suding (FDP) , Heiko Maas (SPD), Weidel (AfD), Jürgen Trittin (Grüne), Andreas Scheuer (CSU) und Katja Kipping (Linke) und Ursula von der Leyen (CDU)

Jobwunder, steigende Löhne, stabile Wirtschaft. "Den Menschen in Deutschland ging es noch nie so gut", stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Haushaltsdebatte Ende vergangenen Jahres fest - und der jüngste Armuts- und Reichtumsbericht der Regierung gibt ihr Recht. Aber stimmt das auch? Bestehen die Daten und Analysen den Alltagstest? "Wie geht's, Deutschland?", wollte "heute-journal"-Anchorwoman Marietta Slomka am Dienstagabend wissen. Wie gut geht es den Menschen in Deutschland wirklich? Eine stimmige Antwort konnte die Runde aus Vertretern der im Bundestag vertretenen Parteien sowie FDP und AfD nicht geben.

Und das lag nicht daran, dass AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel nach etwa der Hälfte der Sendung nicht mehr mitdiskutieren wollte und nach einem heftigen Wortgefecht mit CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer das TV-Studio in Berlin verließ. Sie gab anschließend in einer Stellungnahme Slomka die Schuld für den Eklat. Diese hatte sich freilich zuvor bemüht, die Äußerungen aller Teilnehmer, wenn nötig, zu ergänzen oder einzuordnen - wie beispielsweise bei Weidels Hinweis, osteuropäische Banden, die über die offenen Grenzen nach Deutschland kämen, würden hier orgnanisierten Diebstahl betreiben. Slomka ergänzte, diese seien bereits in den 1990er-Jahren ins Land gekommen, als die Grenzen noch gar nicht offen waren. Damit wolle sie die verübten Taten aber nicht kleinreden, so Slomka.

Die eine Antwort gibt es nicht

Dass außer zum Schluss Ursula von der Leyen (CDU), Heiko Maas (SPD), Katja Kipping (Linke), Jürgen Trittin (Grüne), Andreas Scheuer (CSU) und Katja Suding (FDP) allesamt doch eine einfache Antwort auf die Leitfrage der Sendung gaben, war nicht mehr als ein Abschlussgag. Zuvor aber hatten Slomkas Gäste indirekt offenbart, was Politiker niemals, schon gar nicht im Wahlkampf, zugeben würden: Auf so manche drängende Frage der Bürger gibt es diese eine Antwort nicht. Auch die Parteien probieren aus oder gewichten. Ein Beispiel von vielen: Mehrwertsteuer auf Produkte für Babys senken oder lieber in Kita-Plätze investieren - womit können Familien besser unterstützt werden? Gute Argumente gibt es für beide Positionen, doch nicht alles lässt sich finanzieren.


Besonders schmerzlich spüren Bürger wie Politiker fehlendes Geld derzeit bei der Polizei. Vom "Kaputtsparen" ist da die Rede. Überall wurde gekürzt, obwohl doch die Aufgaben größer geworden sind (Terroranschläge, Cyberkriminalität etc.). Und zumindest in diesem Punkt gibt es Klarheit: Alle wollen mehr Beamte einstellen und eine bessere und moderne Ausrüstung schaffen. "Fehler" und "Versäumnisse" habe es da gegeben, heißt es unisono. Diese müssten nun korrigiert werden. Dafür gibt es Applaus.

Sicherheit großes Wahlkampfthema

Eindeutig: Sicherheit ist eines der ganz großen Wahlkampfthemen. Es geht darum, die Angst zu bekämpfen. Die Angst zum Gewalt- oder Terroropfer zu werden oder zum Einbruchsopfer. Überhaupt: Obwohl das Land glänzend dasteht und es den Menschen doch so gut wie nie geht, ist da immer wieder Angst. Die Angst, das alles zu verlieren. Denn viel fehlt ja meist nicht.

Ein Familienvater rechnet in der Sendung vor, dass obwohl seine Frau auch verdient und sie derzeit sehr gut leben können, die Familie nicht mehr wachsen kann. Und auch das Häuschen könne man sich inzwischen nicht mehr leisten, müsste man es jetzt kaufen. Eine alleinerziehende Kleinunternehmerin haftet bei einer Insolvenz mit ihrem Privatvermögen (im Gegensatz zum Konzern-Manager) und wünscht sich eine staatliche Absicherung für den Fall der Fälle. Denn schließlich schafft sie, wie so viele andere in vergleichbarer Situation, Arbeitsplätze. Beide gehören zur sogenannten Mitte, die Zweidrittel der deutschen Gesellschaft ausmacht. Diese Mitte macht sich Sorgen und hat Angst.

Tausende neue Polizisten sollen eingestellt werden

Auch davor, dass die Integration von Flüchtlingen nicht gelingt, weil auch hier Geld und Personal fehlt. Dass vielleicht doch zuviele kommen. Alle Parteien versprechen hier Lösungen, in erster Linie ein Einwanderungsgesetz, das alle Eventualitäten regelt.

Sorgen und Ängste nehmen konnten die Parteienvertreter an diesem Abend nicht. Aber das Versprechen aller, Tausende Polizisten neu einzustellen, steht. Nach diesen gut 90 Minuten ist klar, dass dieses Versprechen Stimmen bringen kann. "Wie geht's, ?" lautete die Frage des Abends. Die Antwortet: Ganz schön mulmig.

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