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Liane schwingt sich fast zum Sieg

Fitness-Trainerin Liane aus München will die erste Frau sein, die gegen Stefan Raab gewinnt. Die 28-Jährige bringt den Moderator in arge Bedrängnis – und schlägt ihn sogar in seinen Paradedisziplinen.

Von Simone Deckner

  "Schlag den Raab" war für beide Teilnehmer anstrengend, knapp musste sich Herausfordererin Liane geschlagen geben.

"Schlag den Raab" war für beide Teilnehmer anstrengend, knapp musste sich Herausfordererin Liane geschlagen geben.

Stefan Raab ist aus der Sommerpause zurück. Voll Ehrgeiz, Starrsinn und Klugscheißerei − also all den Eigenschaften, die "Schlag den Raab" so sehenswert machen. "Du hast mir gefehlt", säuselt ein erfrischend schlagfertiger Steven Gätjen, "let the Vorstellung begin." Es wird auch Zeit: Endlich keine Wendlers, Hensslers und Kellys mehr, die sich in "Schlag den Star" abmühen – diesem bleiern öden Abklatsch, der sich zum Original so aufregend verhält wie Analogkäse zu monatelang gereiften Emmentaler.

Seit acht Jahren unterhält Raab mit seiner Show nun schon ein Millionenpublikum. In der ersten Sendung 2006 trat er gegen eine Frau an. Sie verlor – wie auch alle nachfolgenden sechs Kandidatinnen. Eine Zeit lang führte das bei den Zuschauern zu einer Art unausgesprochenem Kodex, der lautete: keine Frau wählen, das geht immer schief. Dabei blamierten sich auch knallharte Kerle wie Kampfpiloten, Judokas und Berufssoldaten beim Duell gegen den "Raabinator".

Auch mal garstig sein

Von der Wahl des Kandidaten hängt alles ab: Sympathisch soll er sein, natürlich. Aber entscheidender, um gegen ein "Kampfschwein" (Kommentator Frank "Buschi" Buschmann) wie Raab zu bestehen, ist, dass er oder sie über ausreichend Biss verfügt. Das heißt: Auch mal garstig sein (schöne Grüße, Hass-Martin!), Gefühle rauslassen, sich auch mal trauen, den Raab aus dem Konzept bringen. Oder wie Die Prinzen singen: "Du musst ein Schwein sein."

Wäre es danach gegangen, hätte Raabs Gegner Ugur heißen müssen. Als Berufsschullehrer ist er mit Herausforderungen vertraut. "Den Raab hau ich wech", sagt er bei seiner Vorstellung. In die Muckibude geht er am liebsten "wenn keine Asis da sind". Doch die Zuschauer wollen das Christiano-Ronaldo-Double nicht, sondern entscheiden sich für die 28-jährige Fitnesstrainerin Liane – von Buschi wegen ihres durchtrainierten Körpers und den platinblonden kurzen Haaren schnell mit dem Spitznamen Dolph Lundgren versehen, ganz so, als hätte es Brigitte Nielsen oder diese Roxette-Sängerin nie gegeben. Von der ehemaligen deutschen Meistern im Siebenkampf aber erhofft man sich viele Punkte in den Sportspielen.

Raab und Liane blamieren sich als TV-Serien-Ignoranten

Im ersten Spiel muss sich die hoch gewachsene Liane aber leider in ein Rhönrad zwängen. Raab hängt in dem Sportgerät wie ein Sack Kartoffeln, gewinnt aber trotzdem völlig unspektakulär. Doch schon bei Spiel zwei herrscht Kirmesstimmung im Studio: Beide scheitern grandios an einer eigentlich einfachen Aufgabe: Sie sollen die Rollennamen von bekannten Seriendarstellern raten – zum Beispiel Else Kling aus der Lindenstraße. Doch weder Raab noch Liane scheinen in den vergangenen 20 Jahren etwas anderes als "Wetten, dass ..." und die Wiederholungen von "Pinocchio" geguckt zu haben: Jack Bauer, Don Draper, Walter White? Nie gehört. Sonny Crockett, Dr. Udo Brinkmann, Sheldon Cooper? Achselzucken. Raabs Ausrede: "Ich lese lieber ein gutes Buch."

Liane landet ausgerechnet bei "Sex and the City" ihren einzigen Treffer und tippt bei "How I Met Your Mother"-Hauptdarsteller Neil Patrick Harris fast richtig auf "Barney Simpson". TV-Alleswisser Bastian Pastewka kriegt zuhause vorm Fernseher vermutlich Schreikrämpfe. Um das Elend abzukürzen, wird das Spiel durch Sudden Death entschieden. Raab hat mehr Glück als Verstand: weil er Al Bundy erkennt, geht die Runde an ihn.

Die Wissensspiele sind den ganzen Abend über die Knackpunkte der Fitness-Trainerin. Raab weiß einfach mehr oder drückt schneller auf den Buzzer. Bald steht es 10:0. Auf Twitter wissen die Nörgler schon, das es wieder ein jähes Ende geben wird, "wie immer, wenn eine Frau Kandidatin ist." Liane scheint eine zu leichte Gegnerin zu sein.

Liane schlägt Raab beim Baggern

Dann kommt der Bagger. Beim neu eingeführten Online-Tippspiel sagen 94 Prozent Raab den sicheren Sieg voraus. Alles, was Räder hat, ist seine Sache. Doch Liane lüpft mit enorm viel Fingerspitzengefühl Riesenballons per Baggerschaufel in bereit gestellte Tonnen. Es sieht so aus, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Frank Buschmann entflammt: "Leckomio! Unglaublich! Ein historischer Sieg!"

Auch die Disziplin "Schuhe werfen" geht an sie. Als die Fitness-Trainerin dann auch das zweite Spiel, in dem es um technisches Geschick geht, für sich entscheidet, wird aus dem vermeintlichen Selbstläufer doch noch ein spannendes Match: Wieder lenkt Liane konzentriert ein ulkig aussehende Gefährt namens Yike Bike – eine Art Segway mit Sitz – durch den Studio-Parkour. Raab beim Anblick der Bikes: "Das sieht nach Kieferbruch aus." Liane knackt immer wieder Raabs Bestzeit. Buschi wittert Morgenluft, zumal Liane auch Münzen besser auf einem Grün aus Filz platziert. Plötzlich steht es nur noch 37:41.

Wenn da nicht die Wissensspiele wären: Sowohl beim Länder-Raten ist Raab souveräner als auch bei "Blamieren oder kassieren", bei dem er Liane keine Chance lässt. Die hat sie beim ersten Matchballspiel für Raab, dem "Hürdenlauf" durchaus. Aber Raab siegt mit der ihm eigenen Kaltschnäuzigkeit: Statt auf Nummer Sicher zu gehen, übersteigt er gleich zwei Hürden mit einem Schritt. Irgendwann reißt Liane eine der weiß-roten Stangen herunter. Keine zwei Millionen, keine berufliche Fortbildung in Amerika. Dafür kann sich die 28-Jährige nunmehr die beste weibliche Kandidatin von "Schlag den Raab" nennen. Das war wirklich knapp.

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